NEUESTE NACHRICHTEN
FÜR SIE AUSGEWÄHLT

Bericht „Stand der Kryptoindustrie 2026“ mit Danielle Labarbera, Vizepräsidentin Nordamerika bei Sumsub

VonBrian KoomeBrian Koome 7 Minuten Lesezeit
Bericht „Stand der Kryptoindustrie 2026“ mit Danielle Labarbera, Vizepräsidentin Nordamerika bei Sumsub

Die Kryptoindustrie tritt in eine Phase regulierter Reife ein, geprägt von neuen Rahmenbedingungen wie dem CLARITY Act und dem GENIUS Act. Gleichzeitig entwickelt sich Betrug hin zu KI-gesteuerten, lebenszyklusbasierten Angriffen, die intelligentere Abwehrmechanismen erfordern. In diesem Interview gibt Danielle Labarbera, Vizepräsidentin von Sumsub Nordamerika, weitere Einblicke in den „State of the Crypto Industry 2026“ und behandelt dabei Themen wie Regulierung, Betrugsresistenz, Stablecoins und die Zukunft der Verifizierung.

Was ist Sumsub?

F: Können Sie uns zunächst etwas über Sumsub und die Rolle, die es heute im Krypto-Ökosystem spielt, erzählen?

A: Sumsub unterstützt Krypto-Unternehmen dabei, Vertrauen während des gesamten Kundenlebenszyklus aufzubauen und zu erhalten. Dies beginnt mit der Verifizierung von Privat- und Geschäftskunden, umfasst aber auch Betrugsprävention, Geldwäscheprüfung, Transaktionsüberwachung und die Einhaltung der Reiseregeln.

Wir arbeiten mit mehr als 1.000 Krypto-Unternehmen zusammen, darunter acht der zehn größten globalen Krypto-Börsen, sodass wir aus erster Hand sehen, wie schnell sich sowohl Betrug als auch regulatorische Erwartungen ändern.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass die Verifizierung nicht länger als einmaliger Kontrollvorgang für Kunden betrachtet werden darf. Da 55 % der Krypto-Unternehmen im letzten Jahr Betrugsfälle erlebt haben, müssen Unternehmen verstehen, obdent, das Verhalten und die Transaktionen eines Nutzers auch langfristig plausibel bleiben. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen und gleichzeitig ein möglichst reibungsloses Nutzererlebnis für legitime Kunden zu gewährleisten.

2026 als eine Ära der regulatorischen Reife

F: Der Bericht bezeichnet das Jahr 2026 als die Ära der „regulierten Reife“. Die Branche forderte jahrelang regulatorische Klarheit. Nun gibt es Entwicklungen wie den CLARITY Act und den GENIUS Act in den USA. Was bedeuten diese Rahmenbedingungen für Unternehmen in diesem Bereich?

A: Diese Rahmenwerke geben Unternehmen einen klareren Überblick über die Standards, die den US-amerikanischen Markt für digitale Vermögenswerte prägen werden. Der CLARITY Act regelt die Marktstruktur und die Aufteilung der Aufsichtsbefugnisse, während der GENIUS Act Anforderungen für Zahlungs-Stablecoins festlegt, darunter die Zulassung von Emittenten, Reserven, Einlösung, Offenlegungspflichten, Einhaltung der Geldwäschebestimmungen und Verbraucherschutz.

Mehr Transparenz kann Unternehmen helfen, Investitionen zu planen, Produkte zu entwickeln und mit größerem Vertrauen in den Markt einzutreten. Gleichzeitig steigen dadurch aber auch die Anforderungen an den Betrieb. Compliance kann nicht länger allein durch schriftliche Richtlinien gewährleistet werden; Plattformen müssen nachweisen, dass ihre Systeme zurdent, Transaktionsüberwachung und Berichtserstellung präzise, ​​konsistent und skalierbar funktionieren.

Das ist die im Bericht gemeinte Definition von regulierter Reife. Der entscheidende Unterschied liegt darin, nicht nur die Regeln zu verstehen, sondern sie auch anzuwenden, ohne dabei unnötige Hürden für legitime Nutzer zu schaffen. Die Unternehmen, die am meisten davon profitieren werden, sind diejenigen, die Compliance, Betrugsprävention und Benutzerfreundlichkeit in einem stimmigen Betriebsmodell vereinen.

F: Laut dem Bericht erfüllen nur 23 % der Krypto-Unternehmen die Reisebestimmungen vollständig, während 43 % nicht wissen, ob sie die Anforderungen erfüllen. Liegt das an mangelndem Bewusstsein, hohen Kosten oder anderen Faktoren, die sie daran hindern?

A: Es geht weniger darum, dass Unternehmen nicht wissen, dass die Travel Rule existiert, sondern vielmehr darum, wie schwierig es ist, sie konsequent umzusetzen.

Grundsätzlich verpflichtet die Travel Rule Krypto-Unternehmen, Informationen über Absender und Empfänger einer Transaktion mit virtuellen Vermögenswerten zu erfassen, zu überprüfen und sicher zu übermitteln. Konkret bedeutet dies, festzustellen, wann die Regel Anwendung findet, die Gegenparteidentidentifizieren, beide Parteien zu überprüfen, die erforderlichen Informationen sicher auszutauschen und einen revisionssicheren Nachweis über die Transaktion zu führen.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass Unternehmen keinem einheitlichen Regelwerk unterliegen. Schwellenwerte, erforderliche Datenfelder, Datenschutzgesetze und Vorgehensweisen für selbstgehostete Wallets unterscheiden sich je nach Rechtsordnung. Plattformen verwenden möglicherweise auch unterschiedliche Travel-Rule-Protokolle, die nicht immer reibungslos miteinander kompatibel sind.

Die Kosten spielen sicherlich eine Rolle. In unserer Studiedent52 % der Unternehmen hohe Implementierungskosten als zentrale Herausforderung an. Datensicherheit wurde mit 62 % sogar noch höher priorisiert, während 50 % die regulatorische Fragmentierung und 38 % die Interoperabilität als Problem nannten.

Das erklärt, warum 43 % über ihren Status unsicher sind. Ein Unternehmen hat möglicherweise einige der erforderlichen Funktionen implementiert, ist sich aber dennoch nicht sicher, ob der Prozess in jeder Jurisdiktion, mit jedem Geschäftspartner und bei jeder Transaktionsart funktioniert. Die Einhaltung der Reiseregeln geht heute weit über die bloße Aktivierung eines Protokolls hinaus; sie erfordert ein kontinuierliches Risikomanagement.

Kryptobetrug und KI

F: Wie werden sich Betrugsstrategien im Jahr 2026 entwickeln?

A: Eine der größten Veränderungen, die wir beobachten, ist die zunehmende Raffinesse von Betrugsmethoden.

Betrug hat sich von isolierten Angriffen zu koordinierten, KI-gestützten Operationen entwickelt. Anstatt sich auf gefälschte Dokumente oder gestohlenedent, kombinieren Betrüger Deepfakes, synthetischedent, Social Engineering, Kontoübernahmen und Geldwäschenetzwerke in verschiedenen Phasen der Customer Journey. Die Angriffe werden immer automatisierter, überzeugender und deutlich schwerer zu erkennen, da sie darauf ausgelegt sind, das Verhalten legitimer Nutzer nachzuahmen.

Dies verändert die Herangehensweise von Unternehmen an die Betrugsprävention. Stichprobenartige Prüfungen beim Onboarding reichen nicht mehr aus. Unsere Forschung zeigt, dass Unternehmen verstärkt in KI-gestützte Betrugserkennung, kontinuierliche Überwachung und Verhaltensanalysen investieren, um die Entwicklung des Risikos im gesamten Kundenlebenszyklus zu verstehen.

DietronStrategien verknüpfen nundent, Verhalten, Geräte und Transaktionsdaten zu einer einheitlichen Risikosicht. So können Unternehmen Bedrohungen frühzeitig erkennen und gleichzeitig ein reibungsloses Nutzererlebnis für legitime Nutzer gewährleisten.

F: Künstliche Intelligenz verändert nahezu alle Branchen. Wie wirkt sie sich auf Betrug aus?

A: Künstliche Intelligenz hat beide Seiten des Betrugs verändert. Sie macht Betrug schneller, billiger und einfacher skalierbar und ermöglicht es Kriminellen, überzeugende gefälschtedent, Deepfakes und synthetische Dokumente in Minuten statt Stunden oder Tagen zu erstellen.

Doch auch die Art und Weise, wie Unternehmen sich verteidigen, verändert sich dadurch. KI ermöglicht es Compliance- und Betrugsbekämpfungsteams, weitaus mehr Signale zu analysieren als ein Mensch je könnte – vondentund Gerätedaten bis hin zu Verhaltensmustern und Transaktionsaktivitäten –, um verdächtiges Verhalten viel früher zu erkennen.

Die Herausforderung besteht darin, dass ein regelrechter Wettlauf entstanden ist. Da Betrüger immer ausgefeiltere KI-Tools einsetzen, benötigen Unternehmen Systeme, die kontinuierlich lernen und sich anpassen können. Organisationen, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen KI nicht länger nur als Zusatzfunktion betrachten, sondern sie nutzen, umdent, Verhalten und Transaktionen zu einer einheitlichen Risikobewertung in Echtzeit zu verknüpfen.

F: Betrugsbekämpfung hat sich von einem reinen Kunden-Onboarding-Prozess hin zu einem „lebenszyklusbasierten“ Ansatz entwickelt. Könnten Sie hierfür ein Beispiel nennen?

A: Stellen Sie sich vor, ein Kunde durchläuft die KYC-Prüfung, nutzt eine Plattform mehrere Monate lang normal und baut eine vertrauenswürdige Kontohistorie auf. Traditionell würde ein solches Konto als risikoarm eingestuft. Heutzutage könnte es jedoch später übernommen, verkauft oder im Rahmen eines Kuriernetzwerks missbraucht werden.

Ein lebenszyklusorientierter Ansatz erkennt an, dass das Risiko nicht mit dem Onboarding endet. Unternehmen müssen überwachen, was danach geschieht, ob sich ein Nutzer plötzlich von einem neuen Gerät oder Standort aus anmeldet, ungewöhnliche Transaktionen durchführt oder mit risikoreichen Wallets oder Geschäftspartnern interagiert.

Einzelne Signale deuten nicht zwangsläufig auf Betrug hin, doch die Verknüpfung vondent, Verhalten und Transaktionsdaten ergibt ein deutlicheres Bild des sich verändernden Risikos. Daher geht die Branche weg von einmaliger Verifizierung und hin zu einer kontinuierlichen Vertrauensbewertung während der gesamten Kundenbeziehung.

F: Stablecoins haben im letzten Jahr weiter an Bedeutung im Transaktionsbereich gewonnen. Was können Sie uns über diese wachsende Rolle sagen?

Wir beobachten, wie sich Stablecoins von einem Handelsinstrument zu einem Bestandteil der Finanzinfrastruktur entwickeln.

Laut unserer Studie werden Stablecoins im Jahr 2025 36 % aller Krypto-Transaktionen ausmachen, gegenüber 31 % im Vorjahr. Dieses Wachstum wird durch Anwendungsfälle aus der Praxis wie grenzüberschreitende Zahlungen, Abrechnungen und Treasury-Operationen angetrieben, bei denen Unternehmen die Geschwindigkeit der Blockchain ohne die Preisvolatilität anderer digitaler Vermögenswerte nutzen möchten.

Mit zunehmender Akzeptanz steigen auch die Anforderungen an die Compliance. Stablecoin-Transaktionen sind oft grenzüberschreitend und von hohem Wert, wodurch robuste KYC-, KYB-, Transaktionsüberwachungs- und Travel-Rule-Compliance immer wichtiger werden. Regulierungen wie der GENIUS Act tragen ebenfalls dazu bei, einen klareren Rahmen für Unternehmen in diesem Bereich zu schaffen.

Letztendlich werden Stablecoins nicht mehr als rein spekulativ betrachtet; es geht zunehmend darum, einen schnelleren und effizienteren Geldtransfer zu ermöglichen. Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, sicherzustellen, dass sich die Compliance-Infrastruktur mit diesem Wachstum weiterentwickelt.

Die risikobasierte Lösung zur Benutzerverifizierung

F: Der Bericht spricht von den „drei apokalyptischen Reitern“ der Verifizierungsproblematik: falsch-positive Ergebnisse, Zeitdruck und UX-Erwartungen – die alle in unterschiedliche Richtungen ziehen. Wie lässt sich dieses Dilemma am besten lösen?

A: Der größte Fehler, den Unternehmen begehen können, ist, alle Kunden gleich zu behandeln. Der Ausweg aus diesem Dilemma ist ein risikobasierter Ansatz, bei dem der Verifizierungsgrad dem jeweiligen Risiko angepasst wird.

Ein Kunde mit geringem Risiko sollte nicht denselben Aufwand betreiben müssen wie jemand, der höhere Risikosignale auslöst. Durch die Kombination vondent, Verhaltens-, Geräte- und Transaktionsdaten können Unternehmen fundiertere Entscheidungen darüber treffen, wann zusätzliche Prüfungen notwendig sind und wann ein schnelles und reibungsloses Nutzererlebnis gewährleistet werden sollte.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Abkehr von einmaliger Optimierung. Betrugsmuster und Kundenverhalten ändern sich ständig, daher müssen Verifizierungsmodelle kontinuierlich überwacht und optimiert werden. Anstatt zwischen Sicherheit und Nutzererfahrung wählen zu müssen, besteht das Ziel darin, beides zu gewährleisten, indem der richtige Verifizierungsgrad zum richtigen Zeitpunkt angewendet wird.

F: Wie setzen Krypto-Unternehmen im Jahr 2026 auf dokumentenfreie Verifizierung und wiederverwendbare KYC-Verfahren? Wie verändert sich dadurch die Benutzererfahrung im Frontend?

A: Wir beobachten einen deutlichen Wandel weg von der Aufforderung an Nutzer, bei jedem Beitritt zu einer neuen Plattform dieselben Dokumente erneut hochzuladen.

Stattdessen setzen immer mehr Unternehmen auf nicht-dokumentenbasierte Verifizierungsverfahren und nutzen vertrauenswürdige Datenquellen in Verbindung mit Geräte-, Verhaltens- und Risikosignalen zur IdentitätsprüfungdentWiederverwendbare KYC-Verfahren bauen darauf auf, indem sie die Wiederverwendung verifizierter Identitätsnachweise über verschiedene teilnehmende Dienste hinweg ermöglichendentDadurchdentKunden den Verifizierungsprozess nicht jedes Mal von Neuem beginnen.

Für Nutzer bedeutet dies ein schnelleres Onboarding, weniger Dokumenten-Uploads und eine deutlich reibungslosere Benutzererfahrung. Unternehmen können so die Abbruchraten senken und gleichzeitigtronCompliance-Standards einhalten. Diese Entwicklung macht vertrauenswürdigedentportabler und ermöglicht intelligenteredent.

F: Wenn ein Compliance-Beauftragter diesen Bericht liest und in diesem Quartal eine Sache tun möchte, um seine größte Compliance-Lücke zu schließen, was sollte das sein?

A: Ich würde zunächst einen Schritt zurücktreten und Ihr Compliance-Programm als Ganzes betrachten, anstatt KYC, Betrugsprävention, AML und Transaktionsüberwachung als separate Funktionen zu behandeln.

Die größten Lücken treten oft zwischen diesen Systemen auf. Ein Kunde mag das Onboarding erfolgreich durchlaufen, doch wenn Veränderungen in seinem Verhalten, seinen Geräten oder seinen Transaktionsaktivitäten nicht erfasst werden, können wichtige Warnsignale übersehen werden.

In diesem Quartal konzentriere ich mich darauf,dentblinden Flecken zu identifizieren und herauszufinden, wie Sie Identitäts-, Verhaltens- und Transaktionsdaten zu einer einheitlichen Risikobewertung zusammenführen könnendentDas bedeutet nicht unbedingt, zusätzliche Kontrollen einzuführen, sondern die bestehenden Kontrollen effektiver miteinander zu verknüpfen.

Mit zunehmender Reife der Regulierung und der Raffinesse des Betrugs werden Unternehmen, die einen Lebenszyklusansatz für die Einhaltung der Vorschriften verfolgen, viel besser gerüstet sein, um mit Zuversicht zu wachsen.

Diesen Artikel teilen

Haftungsausschluss. Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung dar. Cryptopolitan/ übernimmt keine Haftung für Investitionen, die auf Grundlage der Informationen auf dieser Seite getätigt werden. Wirtronempfehlen dringend, vor jeder Anlageentscheidung eigene Recherchen durchzuführendent oder einen qualifizierten Fachmann zu konsultieren

Brian Koome

Brian Koome

Brian Koome verfügt über mehr als sieben Jahre Erfahrung im Bereich Blockchain- und Kryptowährungsberichterstattung und ist seit 2017 in der Branche aktiv. Er hat für führende Publikationen wie BlockToday.com geschrieben. Darüber hinaus entwickelte er den Ethereum -101-Kurs für BitDegree.org, bevor er als festangestellter Autor zu Cryptopolitan wechselte. Brians Themenschwerpunkte umfassen Evergreen-Guides, detaillierte Analysen, Interviews und Preisanalysen. Sein Fokus auf DeFi, Blockchain-Innovationen und aufstrebende Kryptoprojekte begeistert die Leser.

MEHR … NACHRICHTEN