Die Wall Street ist in Aufruhr. Die großen Banken – Citigroup, JPMorgan Chase, Goldman Sachs und Wells Fargo – stehen kurz vor der Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen, und es steht viel auf dem Spiel.
Die Jefferies Financial Group hat die Saison bereits mit enttäuschenden Zahlen eröffnet. Hinzu kommt der überraschend starke tron der letzten Woche – und schon sind die Anleger in heller Aufregung.
Die US-Notenbank wird die Zinsen angesichts dieser Arbeitsmarktzahlen so schnell nicht senken, und das bedeutet, dass dem Markt eine holprige Zeit bevorsteht.
Letztes Jahr legten Bankaktien einen fulminanten Start hin, stiegen um 33 % und ließen den S&P 500 weit hinter sich. Doch das war 2024. Dieses Jahr zeichnet sich bereits jetzt nach einer ganz anderen Entwicklung ab. Die Erwartungen sind hoch, gewiss, aber die Risiken ebenso.
Die Banken profitierten vom florierenden Aktienmarkt, einer Welle von Übernahmen und einer lockeren Geldpolitik. Jetzt wird jede Maßnahme der US-Notenbank und jedes Wort der Bankmanager über die Zukunft genauestens unter die Lupe genommen.
Große Erwartungen, noch größere Fragen
Das letzte Quartal 2024 verlief alles andere als ruhig. Die durch die Wahlen ausgelöste Volatilität sorgte für Turbulenzen an den Märkten und hielt die Handelstische stärker ausgelastet als üblich. Analysten von Morgan Stanley erklärten, der Dezember habe sich anders entwickelt als gewohnt. Es gab keine typische Abschwächung der Handelsaktivität, was auf einen Anstieg der Handelseinnahmen hindeuten könnte.
Citigroup und JPMorgan haben bereits angedeutet, dass ihre Zahlen deshalb gut aussehen könnten. Anleger hoffen, dass dies zutrifft, doch von diesen Berichten hängt noch viel mehr ab.
Die Erträge und Gewinnmargen im Investmentbanking blieben hinter den Erwartungen der Wall Street zurück. Das ist besorgniserregend, denn eintronJahr für Börsengänge (IPOs) hätte eigentlich die Bankgewinne ankurbeln sollen.
Doch die Volatilität des Marktes und die drohenden Zölle unter der künftigen Trump- Regierung dämpfen diese Hoffnungen.
Dennoch sind einige Analysten optimistisch. Jason Goldberg von Barclays glaubt, dass Trumps wirtschaftsfreundliche Politik – Steuersenkungen, Deregulierung usw. – bahnbrechend sein könnte. Doch nicht alle teilen diese Begeisterung.
Die Kreditaufnahme bleibt schwach, und Unternehmen halten sich zurück und warten die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung ab. Angesichts steigender Kosten muss sich das aber rechnen. Banken müssen beweisen, dass sie ihre Einnahmen schneller steigern können als ihre Kosten, sonst wird der Markt ihnen das nicht verzeihen.
Die Fed, der Markt und das Inflationsrätsel
Die US-Notenbank Federal Reserve macht die Lage nicht einfacher. Letzte Woche stellte Susan Collins, Präsidentin der Bostoner Fed, dent , dass die Zinsen in absehbarer Zeit nicht sinken werden. „Erhebliche Unsicherheit“ nannte sie als Beschreibung der wirtschaftlichen Aussichten.
Die Inflation verlangsamt sich, aber nicht schnell genug. Der von der Fed bevorzugte Indikator zeigte im November einen Preisanstieg von 2,4 Prozent, die Kerninflation lag bei 2,8 Prozent. Beide Werte liegen weiterhin über dem Zielwert der Zentralbank von 2 Prozent, weshalb Zinssenkungen vorerst ausgeschlossen sind.
Höhere Anleiherenditen sind – zumindest theoretisch – gut für Banken. Sie steigern den Nettozinsertrag und die Gewinnmargen. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Höhere Renditen bedeuten mehr Druck auf die Verbraucher. Die Haushaltsbudgets sind ohnehin schon angespannt, und dies könnte die Kreditaufnahme weiter verlangsamen.
Für Banken ist das ein zweischneidiges Schwert. Sicher, sie verdienen mehr an den verliehenen Krediten, aber sie vergeben auch weniger Kredite, wenn Verbraucher und Unternehmen sparen müssen.
Anleger sind auch um den breiteren Markt besorgt. Am vergangenen Freitag erlebte der S&P 500 seinen schwächsten Tag seit dem 18. Dezember und fiel um 1,5 %. Der KBW Bank Index, der die größten Bankaktien trac, gab um 2,7 % nach. Das ist keine gute Ausgangslage für die bevorstehende Berichtswoche.
Wenn die Großbanken keine soliden Ergebnisse liefern – oder zumindest die Anleger nicht hinsichtlich der Zukunft beruhigen – könnte sich die Lage deutlich verschärfen. Auch die Vertreter der US-Notenbank (Fed) sind nicht gerade optimistisch. Michelle Bowman, eine Gouverneurin des Fed-Gouverneurin, teilte Collins' vorsichtige Einschätzung.
Sie sagte, Zinssenkungen würden erst erfolgen, wenn die Inflation spürbare Fortschritte zeige. Und selbst dann sei keine schnelle Wende zu erwarten. Die Fed lasse sich Zeit, was bedeute, dass sich Banken und Investoren an einen langsameren und überlegteren geldpolitischen Ansatz anpassen müssten.

