Ist das Spiel für Atari Token vorbei?

- Nach der Börsennotierung verlor der Atari Token 84 % seines Wertes.
- Hätte dieser drastische Einbruch verhindert werden können?

Atari-Token II
Atari Token ist grandios und spektakulär gescheitert. Nur wenige Augenblicke nach dem Börsengang verlor ATRI bereits 84 % an Wert. Zahlreiche Nutzer bezeichneten Atari Token auf Twitter als Betrug, während das Unternehmen selbst auffällig schwieg. Doch was war wirklich passiert und war dieses Scheitern unvermeidlich?
In einem früheren Artikelspekulierte ich über Ataris Erfolgsaussichten in diesem Bereich angesichts seiner durchwachsenen Vergangenheit. Ich kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen höchstwahrscheinlich scheitern würde. Atari ist schlichtweg trac, gepaart mit Größenwahn, der sich in seinem Marketing widerspiegelt. Es schien eine völlig unrealistische Idee zu sein, deren Erfolg ich zwar wünschte, die ich aber für unwahrscheinlich hielt. Wie sich herausstellte, hatte ich das Problem nur oberflächlich betrachtet.
Der Vorverkauf
Der Vorverkauf des Atari-Tokens begann im März und verlief relativ erfolgreich. Im Mai stellte Atari seinen Telegram-Kanal für den ATRI vor, und schon bald begannen die Probleme. Nutzer berichteten von Schwierigkeiten mit dem Whitepaper und Verwirrung über die Existenz zweier Websites mit im Grunde demselben Zweck: Ataritoken.com und Atarichain.com.
Der Chat war voller ungewöhnlicher Charaktere mit den unterschiedlichsten Meinungen – von eingefleischten Skeptikern bis hin zu glühenden Fans, die leidenschaftlich in Atari investieren wollten. Besonders ungewöhnlich war, dass zwei dieser Fans zu Administratoren ernannt wurden. Diese zusätzlichen Administratoren sorgten bei den Nutzern für Kontroversen, da sie die Atari Company und ihre geplante Hotelkette uneingeschränkt unterstützten.
Öffentlicher Verkauf und Auflistung
Der Tag des öffentlichen Verkaufs kam. Er endete in einem Desaster. Die meisten Bestellungen wurden nicht ausgeführt. Nutzer berichteten, vom Support ignoriert worden zu sein. Die Situation konnte schließlich geklärt und eine Entschuldigung ausgesprochen werden, doch die Anleger waren verunsichert.
Am Tag des Börsengangs teilte Atari den Käufern im Vorverkauf mit, dass sie ihre Token fünf Minuten nach dem Börsengang von der Börse transferieren könnten. Nutzer kritisierten Atari und fragten, wie ein solcher Übergang in so kurzer Zeit reibungslos ablaufen könne. Die Betreiber wiesen diese Bedenken zurück.
Der Listing-Termin war gekommen, und natürlich konnten Käufer im Vorverkauf ihre Token nicht transferieren. Der Token-Kurs schwankte sofort stark: Er stieg von 0,25 auf 0,92 und stürzte dann rapide auf 0,16 ab. Laut einem Reddit-Nutzer wurde nach etwa 12 Stunden ein „Anfordern“-Button auf der Website hinzugefügt, der es den Nutzern endlich ermöglichte, ihre Token zu transferieren. Diese Transfers verliefen jedoch schleppend; einige Investoren berichteten von Wartezeiten zwischen 12 und 13 Stunden. In der Zwischenzeit fiel der Token-Kurs weiter.
Währenddessen herrschte bei den Atari-Mitarbeitern und auch auf dem offiziellen Twitter-Account absolute Stille. So blieb es den beiden neuen, nicht bei Atari angestellten Moderatoren überlassen, die Fragen verärgerter Investoren zu beantworten.
Der Wert des Atari-Tokens zeigt aktuell einen Abwärtstrend; der Kurs ist um 14,26 % gefallen. Der offizielle Twitter-Account des Atari-Tokens wurde seit dem Börsengang nur einmal aktualisiert. Es wurden keine offiziellen Stellungnahmen zu den Ereignissen veröffentlicht.
Wie konnte das passieren?
Der Hauptgrund ist zweifellos Ataris schwindender Ruf. Der Versuch, sich auf dem Gamer-Markt auszuruhen, setzte voraus, dass Atari ein gewisses Maß an Respekt genoss, das dem Unternehmen in der Gaming-Szene schlichtweg fehlte. Atari hatte zu diesem Zeitpunkt seit 26 Jahren keine Konsole mehr veröffentlicht und in den letzten Jahren nur wenige große Spiele herausgebracht. Obwohl es eine treue Fangemeinde gab, die sich an die Blütezeit von Atari in den 80er- und 90er-Jahren erinnerte, wäre die Überschneidung zwischen Atari-Fans und frühen Kryptowährungsinvestoren einfach nicht groß genug gewesen. Studien haben gezeigt, dass Millennials am ehesten in Kryptowährungen investieren. Diese Generation hat den Aufstieg von Atari in ihrer Kindheit nicht miterlebt, sondern den rasanten Niedergang des Unternehmens.
Ein weiteres Problem der Kryptowährung war der Mangel an Anwendungsfällen. Sie war ausschließlich auf Atari-Produkte, insbesondere den Atari Casino-Service, beschränkt – und geriet dadurch in Konkurrenz zu einer Vielzahl von Bitcoin und Ethereum basierten Glücksspieldiensten.
Das größte Problem beim Launch war meiner Meinung nach jedoch der Umgang mit den beiden Fan-Admins. Die Entscheidung, in den sozialen Medien zu schweigen und stattdessen unbezahlte Enthusiasten den Dienst verteidigen zu lassen, war völlig unangemessen und ausbeuterisch. Die offiziellen Admins haben diesen Fans Macht verliehen und sie als Sündenböcke benutzt, als die Kryptowährung scheiterte. Unternehmen, die Blockchain-Technologien einsetzen, sollten deutlich höheren und professionelleren Standards unterliegen.
Spiel vorbei?
Das alles ist aber noch nicht das Ende der Geschichte. Der Atari Token ist weiterhin gelistet und die Integration in den neuen Atari VCS-Dienst wurde gerade angekündigt. Vielleicht gelingt ihnen ja noch ein Comeback?

Yaz Reynolds
Yaz ist Content-Creatorin und erforscht mit enjdie kuriosen und ungewöhnlichen Seiten von Kryptowährungen. Neben dem Schreiben arbeitet sie als Illustratorin und Animatorin. Mit Humor und einem tiefen Bedürfnis nach Wahrheit dringt sie zum Kern der Sache vor.
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