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Europas Autochefs preisen die Erfolge von Elektrofahrzeugen, warnen aber vor den Risiken eines Verbrennungsmotorverbots

VonJai HamidJai Hamid
3 Minuten Lesezeit
Europas Autochefs preisen die Erfolge von Elektrofahrzeugen, warnen aber vor den Risiken eines Verbrennungsmotorverbots.
  • Europas führende Autohersteller wehren sich auf der Münchner Automesse gegen das EU-weite Motorenverbot ab 2035.

  • Volkswagen, Mercedes und Stellantis halten es für unrealistisch, bis 2035 ausschließlich Elektrofahrzeuge zu verkaufen.

  • Die Automobilhersteller wünschen sich mehr Flexibilität, längere Nutzungsdauer von Hybridfahrzeugen und weiterhin Subventionen für Elektrofahrzeuge.

Europas Auto-Bosse kamen nach München mit einer Botschaft nach außen und einer anderen hinter verschlossenen Türen.

Auf der Bühne präsentierten sie stolz ihre neuen Elektrofahrzeuge. Abseits der Bühne machten sie deutlich: Das geplante Verbrennungsmotorverbot ab 2035 wird nicht funktionieren.

Die führenden Automobilhersteller (Volkswagen, Mercedes-Benz und Stellantis) nutzen die dieswöchige Automesse, um sich vehement gegen den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor in Europa zu wehren. Sie machen aus ihrer Frustration kein Geheimnis mehr.

Volkswagen-Chef Oliver Blume sagte: „Es ist unrealistisch, bis 2035 ausschließlich Elektrofahrzeuge zu erwarten.“ Dies erklärte er unmittelbar, nachdem er Journalisten eine ganze Flotte von Elektroautos präsentiert hatte. „Ichtronnachdrücklich für einen Realitätscheck“, fügte er hinzu.

Und Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius sagte gegenüber Bloomberg: „Jetzt ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen, was in der Politik funktioniert hat und was angepasst werden muss. Wir sind fest davon überzeugt, dass Untätigkeit keine Option ist.“

Autogiganten streiten mit Brüssel über die Frist 2035

Die Stimmung heizt sich vor dem Gipfeltreffen am Freitag in Brüssel auf. EU-dent Ursula von der Leyen trifft sich mit führenden Vertretern der Wirtschaft, um sich deren Anliegen anzuhören. Und sie wird einiges zu hören bekommen. Jean-Philippe Imparato, Vorstandsvorsitzender von Stellantis, sagte unmissverständlich: „Das Zieljahr 2035 ist nicht erreichbar.“

Das sind keine unbedeutenden Klagen. Die Autohersteller kämpfen mit einem stagnierenden europäischen Automarkt, einer schwankenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und einer schnell wachsenden Konkurrenz aus China. BYD ist hierbei Vorreiter und bietet erschwingliche Modelle an, die europäische Unternehmen noch nicht erreichen können.

Gleichzeitig werden in München Politiker wie der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Partei sich gegen den Ausstieg aus der EU ausgesprochen hat, sprechen und die Sorgen der Industrie bekräftigen.

Die Autohersteller fordern von der EU mehr Flexibilität. Dazu gehört die Verlängerung der Lebensdauer von Reichweitenverlängerern – kleinen Benzinmotoren, die die Autobatterie laden. Sie wünschen sich außerdem mehr Zeit für Hybridfahrzeuge, fortgesetzte Subventionen für Elektrofahrzeuge und weniger strenge Sicherheitsvorschriften für kleinere Fahrzeuge.

Ihnen zufolge geht es hier nicht darum, Klimaziele zu umgehen. Es geht vielmehr darum, Europa Zeit zur Anpassung zu geben, ohne die Autoindustrie zusammenbrechen zu lassen oder den Markt an China zu überlassen.

Die EU steht angesichts der sich verschärfenden Klimadebatte von allen Seiten unter Druck

Doch EU-Regulierungsbehörden und Umweltgruppen wehren sich. Sie argumentieren, eine Abschwächung des Ziels für 2035 würde Europas Glaubwürdigkeit im Klimaschutz zerstören. Investoren erhielten widersprüchliche Signale, und das Wachstum im Bereich sauberer Technologien würde sich verlangsamen.

Brüssel will der Welt zeigen, dass es den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ernst meint, und der Automobilsektor ist ein zentrales Schlachtfeld. Es geht um mehr als nur Autos. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge betrifft Millionen von Arbeitnehmern in Deutschland, Frankreich und Italien.

Wenn Verbrennungsmotoren zu schnell verschwinden, brechen Lieferketten zusammen. Das ist das Horrorszenario für Europas Industriezentren. Doch für die EU birgt eine Verzögerung des Verbots das Risiko, noch weiter hinter China zurückzufallen.

Die Europäische Kommission überprüft bereits ihre Klimaziele für die Automobilbranche für 2030 und 2035. Etwaige Änderungen wird sie im nächsten Jahr vorschlagen. Unterdessen wird das Treffen am Freitag in Brüssel voraussichtlich angespannt verlaufen. Automobilhersteller und Zulieferer werden Ursula von der Leyen ihre Forderungen darlegen: mehr Zeit, mehr Flexibilität und weniger Vorschriften.

Die Klimadebatte spitzt sich ebenfalls zu. Die Kommission hat eine Emissionsreduktion von 90 % bis 2040 vorgeschlagen, doch nicht alle sind damit einverstanden. Frankreich fordert, die Debatte auf den Gipfel der Staats- und Regierungschefs im nächsten Monat vorzuziehen. Italien verlangt eine Ausnahmeregelung für Biokraftstoffe als Bedingung für die Zustimmung zum Ziel. Das bedeutet weitere Verzögerungen, mehr Verhandlungen und mehr Unsicherheit für die Automobilindustrie.

Während die Autohersteller also so tun, als ob die Elektromobilität mit Hochdruck vorangetrieben würde, bremsen sie in Wahrheit hinter den Kulissen den Ausstieg aus dem Elektroauto massiv aus. Und das ganz und gar nicht. Es herrscht ein regelrechter Lobbykrieg. Auf der einen Seite: Europas größte Autokonzerne. Auf der anderen: Brüsseler Regulierungsbehörden, die nicht nachgeben wollen.

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