Der S&P 500 hat gerade eine unglaubliche Serie beendet: 107 Handelstage in Folge ohne einen Rückgang von 2 % oder mehr. Das ist die längste Periode ohne einen derartigen Einbruch seit Juli 2024.
Nicht einmal das Zollchaos im April dentden Aufwärtstrend bremsen. Seitdem ist der Index um 34 % gestiegen und hat laut Bloomberg-Zahlen fast 16 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung hinzugewonnen.
Die Rallye wurde von blindem Schwung befeuert, obwohl sich die Risiken häufen. Die Inflation bleibt hartnäckig. Der US-Arbeitsmarkt kühlt sich ab.
Jerome Powell warnte am Dienstag, dass der Weg in die Zukunft schwierig sein werde und Zinssenkungen möglicherweise nicht ohne Weiteres zu erreichen seien. Der Markt gab nach, jedoch nicht dramatischmaticDer S&P 500 verzeichnete seit über fünf Monaten keine zwei aufeinanderfolgenden Rückgänge von jeweils 1 %. Anleger ignorieren schlechte Nachrichten weiterhin.
Händler ignorieren Powells Warnung und investieren Milliarden in Aktien
„Viele Anleger sind derzeit bereit, schlechte Nachrichten zu ignorieren, doch Selbstzufriedenheit birgt Risiken für die Aktienrallye“, sagte Julie Biel von Kayne Anderson Rudnick. Sie fügte hinzu: „Sollte die Inflation in den kommenden Monaten stärker steigen als von Händlern erwartet, könnte dies die Fed dazu zwingen, die Zinsen nicht so stark zu senken, wie Anleger hoffen.“ Im Grunde genommen wird dieser Markt von Hoffnung und nicht von Logik bestimmt.
Selbst die höchste Arbeitslosenquote seit 2021 konnte daran nichts ändern. Der S&P 500 erreichte bis Montag 28 Rekordhochs in diesem Jahr. Powell gab sich diese Woche erneut vorsichtig, doch die Händler kümmert das nicht. Sie rechnen fast schon mit einer Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte für 2025. Und sie glauben, die schlimmsten Auswirkungen von Trumps Handelspolitik seien überstanden. Dazu noch der Hype um KI-Gewinne, und schon schießen die Aktienkurse in die Höhe.
Bank of America und EPFR Global gaben bekannt, dass Fondsmanager in der Woche bis zum 17. September fast 58 Milliarden US-Dollar in US-Aktien investierten – der größte Zufluss in diesem Jahr. Händler verhalten sich, als seien Zinssenkungen garantiert. Das Risiko besteht darin, dass die Fed ihre Erwartungen zurückschraubt und die Wall Street davon überrascht wird.
Short-Eindeckungen und VIX-Wetten deuten auf einen wachsenden, riskanten Optimismus hin
Der September ist für Aktien normalerweise eher schleppend. Doch dieses Mal nicht. Der S&P 500 legte bisher um 3 % zu. Der von Goldman Sachs ermittelte Korb der am stärksten geshorteten Aktien stieg um 14 % und steuert auf den besten September seit 2010 zu. Daten deuten darauf hin, dass es sich hierbei wahrscheinlich um eine Welle von Short-Eindeckungen handelt, da Anleger vor den jüngsten Zinssignalen der Fed ihre Positionen neu ausrichteten.
Goldmans Short-Positionen befinden sich aktuell auf dem höchsten überkauften Niveau seit Anfang 2021, dem Höhepunkt des Chaos um spekulative Aktien. Damals trieben Reddit-Nutzer Ramschaktien ohne ersichtlichen Grund in die Höhe. Eine solche Überhitzung führt üblicherweise zu einer Kurskorrektur.
Der VIX ist eine andere Geschichte. Dieser sogenannte Angstindikator liegt deutlich unter seinem 10-Jahres-Durchschnitt und unter der wichtigen Marke von 20 Punkten, die normalerweise Nervosität auslöst. Händler verhalten sich, als könne nichts schiefgehen. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) gab bekannt, dass die Netto-Short-Positionen im VIX bis zum 16. September 102.000tracerreichten. Das entspricht fast dem Niveau vom August 2022.
Chris Murphy von Susquehanna sagte, der Markt könnte zwar bald eine Pause einlegen, diese werde aber nicht von Dauer sein. „Der S&P 500 hat noch viel Potenzial nach oben“, sagte er. „Die Euphorie ist noch lange nicht überhandgenommen, und Skepsis ist weit verbreitet. Das ist gut für Aktienanleger.“
Unprofitable Technologieaktien sind ein weiterer Teil dieses Schlamassels. Laut UBS ist ihr Portfolio verlustbringender Unternehmen seit Ende Juli um 21 % gestiegen. Das Portfolio profitabler Technologieaktien hingegen nur um 2,1 %. Der Nasdaq 100 hingegen legte um 5,9 % zu. Diese Gruppe spekulativer Titel (darunter SoundHound AI und Unity) notiert nun nahe ihrem höchsten Stand seit Ende 2021. Damals erlebte man den Boom der Nullzinspolitik während der Pandemie, bevor die Blase platzte.
Doch die Erholung ist nicht unumstößlich. Dieselbe unprofitable Gruppe verlor am Dienstag nach Powells Warnung 2,1 %. Selbst mit zwei weiteren Zinssenkungen die Zinsen arbeiten cash und fernen Gewinnprognosen
Goldman Sachs traceinen ähnlichen Junk-Tech-Korb, der sich seit April fast verdoppelt hat. Er steht nun auf dem höchsten Stand seit Februar 2022. Aktien wie OpenDoor, IonQ und Lemonade legten zwischen 50 % und 280 % zu. Auch SoundHound und Xometry verzeichneten deutliche Kursgewinne. Doch das Ausmaß dieser Bewegung reicht noch nicht an den Höhenflug der Jahre 2020/21 heran, als der Korb um 420 % zulegte und den Großteil davon später wieder abgab.
Selbst jetzt liegt der Goldman- tracnoch 50 % unter dem Höchststand von 2021. Manche Anleger halten diesen Anstieg für rationaler. Doch wenn sich die Wirtschaft abschwächt, werden diese cashUnternehmen härter getroffen als ihre profitablen Konkurrenten. Der S&P 500 steigt zwar vorerst weiter, aber unter der Oberfläche wachsen die Risiken.

