Kanada könnte seine angeschlagene Wirtschaft sanieren, indem es der 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten wird – zumindest glaubt das Donald Trump.
Der US-Präsident dent der diese Idee bereits mehrfach wiederholt hat, sagt, ein Zusammenschluss der beiden Nationen würde Kanada aus seiner seiner Ansicht nach prekären Finanzlage retten. Sein jüngster Vorschlag erfolgte nach dem Rücktritt von Justin Trudeau, der laut Trump mit Kanadas finanziellen Schwierigkeiten zusammenhängt. Trump sagte auf Truth Social:
„Die Vereinigten Staaten können die massiven Defiund Subventionen, die Kanada zum Überleben braucht, nicht länger verkraften. Justin Trudeau wusste das und trat zurück. Wenn Kanada mit den USA fusionieren würde, gäbe es keine Zölle mehr, die Steuern würden drastisch sinken, und sie wären absolut sicher vor der Bedrohung durch russische und chinesische Schiffe, die sie ständig umzingeln. Gemeinsam wären sie eine großartige Nation!“
Wachstumsprognosen versus Realität
Doch wie verhält sich diese Behauptung angesichts der Zahlen, und was geschieht wirklich in der kanadischen Wirtschaft? Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass Kanada im Jahr 2025 mit einem BIP-Wachstum von 2,4 % die G7 anführen wird, vor den USA (1,9 %) und Großbritannien (1,5 %). Allerdings teilen nicht alle Experten diese Ansicht.
Capital Economics und S&P Global Ratings prognostizieren ein konservativeres Wachstum von 1,7 % bis 1,8 % und verweisen auf anhaltende strukturelle Probleme. Kanadas Bergbau- und Verarbeitungssektor verzeichnen Zuwächse dank der Verlagerung globaler Lieferketten weg von China.
Die Investitionendenterholten sich Ende 2024 nach vier Quartalen mit rückläufigen Zahlen leicht. Die Arbeitslosigkeit bleibt jedoch hoch und dürfte vor einer Besserung 7 % erreichen. Der Arbeitsmarkt ist schwach, und die Verschuldung der privaten Haushalte steigt rasant an, da die Zinssätze für Hypotheken mit festem Zinssatz angepasst wurden.
Trotz des IWF bewegt sich Kanadas Wirtschaft auf einem schmalen Grat. Ihre Abhängigkeit vom US-Handel bedeutet, dass Trumps Zölle das fragile Wachstum des Landes schnell destabilisieren könnten.
Trump: Eine beunruhigende Bedrohung
Trump drohte mit einem 25-prozentigen Zoll auf kanadische Importe, sollte Kanada den US-Forderungen nicht nachkommen. Analysten zufolge könnte dies das kanadische BIP um 2,5 % schrumpfen lassen, während die Inflation auf 7,2 % ansteigen könnte.
Schlüsselsektoren wie Energie, Automobil und Fertigung würden am stärksten betroffen sein. Die Exporte von Rohstoffen könnten um 60 % sinken, und die Exporte von Kraftfahrzeugen könnten einen Rückgang von 39 % verzeichnen.
Der Handel Kanadas mit den USA ist enorm und beläuft sich auf 3,6 Milliarden Dollar täglich. Über drei Viertel davon entfallen auf Vorleistungen für Unternehmen, was die enge Verflechtung der beiden Volkswirtschaften verdeutlicht.
Sollte es zu einem Handelskrieg kommen, könnten die Lieferketten in ganz Nordamerika ins Chaos stürzen. Trumps Zölle würden letztlich genau die wirtschaftliche Instabilität hervorrufen, die sein Fusionsvorschlag angeblich beheben sollte.
Die rückläufige Zuwanderung beeinträchtigt das Arbeitskräfteangebot
Kanadas Wachstum steht auch unter internem Druck. Strengere Einwanderungsrichtlinien bremsen das Bevölkerungswachstum und verringern das Arbeitskräfteangebot sowie die Verbrauchernachfrage.
Dies könnte zwar die Krise auf dem Wohnungsmarkt etwas lindern, birgt aber das Risiko einer langfristigen wirtschaftlichen Stagnation. Niedrigere Zinsen, die voraussichtlich bis Mitte 2025 auf 2,25 % sinken werden, könnten zwar die Konsumausgaben ankurbeln, reichen aber möglicherweise nicht aus, um die demografische Verlangsamung auszugleichen.
Die Inflation, die 2023 von 8,1 % im Vorjahr auf 3,4 % gesunken war, dürfte voraussichtlich wieder über 2 % steigen. Dies begrenzt den Spielraum der Bank von Kanada bei Zinssenkungen, ohne eine erneute Finanzkrise auszulösen.
Trump stellt seinen Vorschlag als Sicherheitsfrage dar. Er hat Kanada dafür kritisiert, die NATO-Verteidigungsausgabenziele nicht zu erreichen. Geopolitisch gesehen bedeutet seine Rückkehr an die Macht eine bedeutende Veränderung in der US-Außenpolitik.
Es wird erwartet, dass seine Regierung in den Bereichen Handel, Einwanderung und Außenpolitik eine härtere Linie verfolgen wird, was Kanada möglicherweise dazu zwingen könnte, sich stärker an den amerikanischen Interessen zu orientieren.

