Teslas Marktkapitalisierung liegt je nach Quelle zwischen 370 Milliarden und 1,6 Billionen US-Dollar. Die Zahlen variieren, je nachdem, ob man das Unternehmen als weiteren Elektroautohersteller oder als Technologieunternehmen sieht, das auf Robotaxis und humanoide Roboter setzt.
Laut Bloomberg liegen die 12-Monats-Kursziele der Analysten für die Tesla-Aktie zwischen 115 und 500 US-Dollar – eine so große Spanne, dass sie im S&P 500 nahezu beispiellos ist. Genau hier setzt die Diskussion an.
Nicholas Colas, Mitbegründer von DataTrek Research, erklärt, der Aktienkurs sei größtenteils auf Teslas noch unbewiesene Ambitionen zurückzuführen. Das aktuelle Geschäft reiche nicht aus, um den Preis zu rechtfertigen. Was den Kurs antreibe, so Colas, sei der Glaube an das zukünftige Potenzial von Tesla. Und dieser Glaube sei eng mit Elon Musk verknüpft, der mehr Einfluss auf den Aktienkurs seines Unternehmens habe als wahrscheinlich jeder andere lebende CEO.
Robotaxis-Test für Elon Musks Versprechen
Elon Musk sagt, die Zukunft gehöre der Vollautomatisierung. Der nächste Meilenstein auf dem Weg zu dieser Vision ist der für den 22. Juni in Austin geplante Start des Robotaxi-Systems. Es soll mit einer kleinen Flotte von Model Y-Fahrzeugen betrieben werden. Doch seine tracbei der Einhaltung von Zeitplänen ist durchwachsen. Musk bezeichnete sich selbst einmal als „den Jungen, der FSD rief“
Investoren, die ihm folgen, scheinen das nicht zu kümmern. Herbert Ong, der einen auf Tesla fokussierten YouTube-Kanal mit über 100.000 Abonnenten betreibt, sagt: „Das Autogeschäft ist eigentlich nur ein Nebenschauplatz.“ Musk stimmt dem zu. Er sagte letztes Jahr: „Wer nicht glaubt, dass Tesla das autonome Fahren revolutionieren wird, sollte meiner Meinung nach nicht in das Unternehmen investieren.“
Die von Elon Musk propagierte Software für autonomes Fahren ist noch nicht vollständig autonom. Sie benötigt menschliche Überwachung. Das System nutzt Kameras, nicht Lidar oder Radar, was laut Musk kostengünstiger und einfacher zu skalieren ist. Kritiker sehen das anders. Sie argumentieren, dass der Einsatz von Kameras riskanter sei, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen oder widrigen Wetterbedingungen. Die US-amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht das System derzeit nach mehreren schweren Unfällen.
Der langfristige Plan sieht einen Fahrdienst mit fahrerlosen Tesla-Fahrzeugen vor. Langfristig soll ein Modell namens Cybercab auf den Markt kommen, doch bisher haben diese Pläne noch keine Umsätze generiert. Es handelt sich noch um Ideen, nicht um tragfähige Geschäftsmodelle.
Das Geschäft mit Elektrofahrzeugen schwächt sich ab, da die Konkurrenz aufholt
Während Musk die Automatisierung vorantreibt, gerät das Kerngeschäft mit Elektrofahrzeugen unter Druck. Im Jahr 2024 stammten rund 80 % von Teslas Umsatz aus dem Autoverkauf. Der Rest entfiel auf Energiespeicher, Solaranlagen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Doch der chinesische Konkurrent BYD holt rasant auf. Im April übertraf BYD Tesla in Europa. Analysten gehen davon aus, dass BYD Tesla bis Jahresende weltweit überholen könnte.
Im vergangenen Jahr verkaufte Tesla knapp 1,8 Millionen Fahrzeuge. Das ist weniger als ein Drittel der Verkaufszahlen von General Motors und weniger als die Hälfte der von Ford. Analysten erwarten für dieses Jahr einen leichten Rückgang auf 1,7 Millionen Fahrzeuge. Produktionsstopps beim neuen Model Y, schwache Verkaufszahlen in den USA und der EU sowie Elons politischer Bruch mit Donald Trump haben dem Unternehmen geschadet. Die Folgen dieser Auseinandersetzung, insbesondere seine MAGA-Äußerungen, haben Teslas Marke geschadet.
Die Gewinnmarge der Automobilsparte, die einst branchenführend war, dürfte auf 17 % sinken. Damit liegt sie in etwa auf dem Niveau von Ford und GM. Zwar profitiert sie noch von Emissionszertifikaten, doch auch diese könnten gefährdet sein, da das Weiße Haus unter Trump eine Lockerung der Emissionsnormen anstrebt.
Trotz all dem wird Tesla mit dem etwa 138-Fachen des für 2025 erwarteten Gewinns gehandelt. GM und Ford liegen im einstelligen Bereich. Colas schätzt, dass nur 20 US-Dollar des aktuellen Aktienkurses von Tesla (322 US-Dollar) auf tatsächlichen Gewinnen beruhen. Die restlichen 95 % sind reine Spekulation.
Analysten wie Adam Jonas von Morgan Stanley, Tom Narayan von RBC und Stephen Gengaro von Stifel betrachten Tesla eher als riskantes Investment denn als stabiles Unternehmen. Jonas bewertet die Ideen für autonomes Fahren und Robotaxis mit 250 US-Dollar pro Aktie, die Roboter hingegen mit null. Narayan setzt den Wert der Roboter auf 5 US-Dollar. Gengaro geht sogar noch höher vor – auf 311 US-Dollar für FSD und Robotaxis, 29 US-Dollar für Optimus.
Optimus, der humanoide Roboter, der laut Musk „unsichere, monotone oder langweilige Aufgaben“ übernehmen soll, wurde bereits in Demos gezeigt und dabei von Menschen ferngesteuert. Musk behauptet dennoch, er könne eines Tages 10 Billionen Dollar Umsatz generieren. Das wäre das Hundertfache von Teslas aktuellem Jahresumsatz.
Waymo (im Besitz von Alphabet) befördert mit 1.500 Robotaxis bereits über 250.000 Fahrgäste pro Woche in vier US-Städten. Das Unternehmen stellt keine eigenen Fahrzeuge her, sondern modifiziert elektrische Jaguar-Modelle. Die letzte Bewertung lag bei rund 45 Milliarden US-Dollar. Weit entfernt von Tesla.
Tesla ist zudem das wertvollste Unternehmen der „Magnificent Seven“, einer Gruppe von sechs Tech-Giganten und Elons Firma. Das KGV von Microsoft liegt bei etwa 32. Teslas ist mehr als viermal so hoch.
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