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Russlands kriegsbedingter Wirtschaftsboom steht vor einer Abrechnung

VonJai HamidJai Hamid
Lesezeit: 3 Minuten
Putin
  • Russlands kriegsbedingte Wirtschaft steht vor Inflation und hohen Zinssätzen.
  • Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe haben mit stark steigenden Kreditkosten zu kämpfen.
  • Die Energieexporte leiden unter Sanktionen und Zahlungsproblemen.

Russlands Wirtschaftsmaschine, einst durch Krieg und Staatsausgaben auf Hochtouren gebracht, verliert nun an Schwung. Knapp drei Jahre nach dem Einmarsch in die Ukraine wirkt Moskaus optimistische Stimmung – mit vollen Restaurants und geschäftigen Luxusgeschäften – wie ein dünner Schleier über einer weitaus fragileren Realität.

Die Inflation ist enorm gestiegen, die Zinsen liegen bei schockierenden 21 Prozent, und in praktisch jedem Wirtschaftssektor zeigen sich Risse. „Eine relativ gute Phase für die russische Wirtschaft, die auf zuvor angehäuften Ressourcen beruhte, ist vorbei“, sagte Oleg Vyugin, ein angesehener Ökonom und ehemaliger Zentralbankbeamter.

Inflation und hohe Zinsen treffen alle

Die russische Zentralbank steht vor einer unmöglichen Aufgabe. Die Inflation liegt mehr als doppelt so hoch wie das Zielniveau, und ihre Antwort darauf – Zinserhöhungen auf ein Niveau, das seit Kriegsbeginn nicht mehr erreicht wurde – schlägt fehl. Unternehmen ächzen unter der Last rekordhoher Kreditkosten.

Autohäuser gehören zu den ersten Opfern. Das Marktforschungsunternehmen Autostat warnt, dass eine Insolvenzwelle große Teile der Branche vernichten könnte. Als Nächstes sind die Landwirte betroffen. Da die Frühjahrsaussaat bald beginnt, benötigen sie Kredite zum Überleben, doch die hohen Zinsen machen die Kreditaufnahme zu einem riskanten Unterfangen.

Selbst staatliche Konzerne sind nicht immun. Der Pipelinebetreiber Transneft und die russische Staatsbahn haben ihre Investitionsprogramme aufgrund der hohen Kreditkosten drastisch gekürzt. Auch private Unternehmen wie der Stahlhersteller Severstal und der Aluminiumproduzent Rusal fahren ihre Aktivitäten zurück. Rusal, einer der weltweit größten Aluminiumproduzenten, erwägt eine Produktionskürzung um 10 Prozent.

Doch die Probleme hören damit nicht auf. Für den Durchschnittsrussen fressen die hohen Preise das Geld auf. Die Mittelschicht, gestützt durch einen angespannten Arbeitsmarkt mit steigenden Löhnen, kommt zurecht. Für Haushalte mit niedrigem Einkommen sieht die Lage jedoch ganz anders aus. Sie kämpfen darum, mitzuhalten, da die Inflation ihre ohnehin geringe Kaufkraft aufzehrt.

Energieexporte und Währungsprobleme erhöhen den Druck

Energie ist nicht mehr das Sicherheitsnetz, das sie einmal war. Die ohnehin schon unberechenbaren Ölpreise stellen eines der größten Risiken für das Jahr 2025 dar. Sollten sie weiter fallen, wird die Regierung gezwungen sein, harte Einschnitte vorzunehmen, warnte die Ökonomin Sofya Donets. Und die jüngste Entscheidung der Ukraine, den Erdgastransit durch ihr Territorium zu beenden, wird laut Analysten weitere 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte des BIP kosten.

Auch der Rubel steht unter Druck. Er hat gegenüber dem Dollar viel zu stark an Wert verloren, und die durch US-Sanktionen verursachten Probleme im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr verschärfen die Lage zusätzlich. Importabhängige Branchen spüren die Auswirkungen deutlich.

Sanktionen haben die Kreditaufnahme im Ausland zu einem logistischen Albtraum gemacht. Yuan-denominierte Anleihen, die einst eine wichtige Stütze darstellten, werden aufgrund von Zahlungsverzögerungen und Währungsknappheit nur noch selten emittiert. Dies führt zu cash und begrenzten Handlungsoptionen für Unternehmen.

Eine risikoreiche wirtschaftliche Zukunft

Und nun steht die russische Zentralbank vor einem neuen Problem: der Stagflation. Sie vereint die Schattenseiten des Lebens – hohe Inflation und gleichzeitig schwaches Wachstum. Die überhitzte Wirtschaft, angeheizt durch die Kriegsausgaben im ersten Halbjahr 2024, stößt nun mit voller Wucht auf angebotsseitige Engpässe, darunter einen Arbeitskräftemangel.

Gouverneurin Elvira Nabiullina betonte die Wichtigkeit der Vermeidung einer Stagflation und hob hervor, dass dies der Albtraum jeder Zentralbank sei. Ob Russland dieser Gefahr entgehen kann, ist allerdings eine andere Frage. Die Binnennachfrage zeigt erste Anzeichen einer Abschwächung, was letztendlich zur Senkung der Inflation beitragen könnte.

Doch die Preise bleiben vorerst schmerzhaft hoch. Und die Wachstumsprognosen sind düster. Die Zentralbank rechnet damit, dass das BIP-Wachstum im Jahr 2025 auf bis zu 0,5 % sinken könnte, ein Rückgang gegenüber den im Vorjahr geschätzten 3,5 % bis 4 %. Die Inflation, so hofft die Bank, wird bis 2026 wieder das Ziel von 4 % erreichen.

Das Wirtschaftsministerium zeigt sich unterdessen etwas optimistischer und prognostiziert für dieses Jahr ein Wachstum von 2,5 Prozent.dent Wladimir Putin hat die Bedenken heruntergespielt und die Verlangsamung als Teil eines umfassenderen Plans zur Stabilisierung der Inflation dargestellt.

Das Verbrauchervertrauen ist nach wie vor erstaunlich stabil. Laut einer Umfrage des Lewada-Zentrums vom Dezember blicken zwei Drittel der Russen optimistisch in die Zukunft. Zwar ist das Vertrauen im Vergleich zu den Höchstständen während des Krieges Anfang des Jahres etwas gesunken, liegt aber immer noch höher als im Jahr 2022.

Bislang haben hohe Löhne und ein angespannter Arbeitsmarkt die Auswirkungen für viele abgemildert. Doch da die Kreditkosten hoch bleiben und die Preise weiter steigen, dürfte dieser Optimismus nicht von Dauer sein.

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Haftungsausschluss. Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung dar. Cryptopolitan/ übernimmt keine Haftung für Investitionen, die auf Grundlage der Informationen auf dieser Seite getätigt werden. Wirtronempfehlen dringend, vor jeder Anlageentscheidung eigene Recherchen durchzuführendent oder einen qualifizierten Fachmann zu konsultieren

Jai Hamid

Jai Hamid

Jai Hamid berichtet seit sechs Jahren über Kryptowährungen, Aktienmärkte, Technologie, die Weltwirtschaft und geopolitische Ereignisse mit Markteinfluss. Sie hat für Blockchain-Fachpublikationen wie AMB Crypto, Coin Edition und CryptoTale Marktanalysen, Berichte über große Unternehmen, Regulierungen und makroökonomische Trends verfasst. Sie absolvierte die London School of Journalism und präsentierte ihre Kryptomarkt-Analysen bereits dreimal in einem der führenden afrikanischen Fernsehsender.

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