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Deutschlands Wirtschaft schwächelt erneut, während der kranke Mann Europas eine weitere Chance zur Erholung verpasst

In diesem Beitrag:

  • Die Inflation in Deutschland stieg im August auf 2,1 Prozent und übertraf damit die Prognosen, was die Haushalte unter Druck setzte.
  • Die Arbeitslosigkeit erreichte 3,025 Millionen, wodurch die Arbeitslosenquote aufgrund der Abschwächung des Arbeitsmarktes auf 6,4 % stieg.
  • Die US-Zölle im Rahmen von Trumps neuem Handelsabkommen zielen nun auf wichtige Sektoren wie die Pharmaindustrie ab.

Deutschland hat mal wieder eine Chance verspielt, sich aus dem Schlamassel zu befreien.

Am Freitag zeigten neue Wirtschaftsdaten von Destatis eine steigende Inflation, eine rasante Zunahme der Arbeitslosigkeit und keine Anzeichen einer Erholung in Sicht, während sich das Land auf die vollen Auswirkungen von Donald Trumps jüngster Handelsblockade vorbereitet.

Die Inflationsrate stieg im August auf 2,1 % und übertraf damit die Prognosen von 2 %. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den 1,8 % im Juli, die niedriger als erwartet ausgefallen waren.

Die Kerninflation, also die Inflationsrate ohne Energie und Lebensmittel, blieb jedoch unverändert bei 2,7 %, genau wie im Vormonat. Das bedeutet, dass der Druck in allen Wirtschaftsbereichen zunimmt, nicht nur durch steigende Lebensmittel- oder Benzinpreise.

Das war nicht das einzige Warnsignal. Die Arbeitslosenzahlen schnellten in die Höhe. 3,025 Millionen Menschen waren im vergangenen Monat in Deutschland . Damit stieg die Arbeitslosenquote auf 6,4 Prozent – ​​ein deutliches Zeichen dafür, dass sich der Arbeitsmarkt täglich weiter verschlechtert.

US-Zölle verschärfen den Exportdruck

Die deutsche Konjunkturabschwächung wird auch durch die globale Politik stark beeinträchtigt. Ein im Juli geschlossenes Handelsabkommen zwischen der EU und den USA führte zu einem neuen Zoll von 15 % auf eine breite Palette europäischer Produkte, die in die USA exportiert werden.

Was die Unternehmen überraschte, war eine Anfang des Monats erfolgte Aktualisierung: Die Zölle werden nun auch auf wichtige Branchen wie die Pharmaindustrie ausgeweitet, die bisher ausgenommen waren. Diese plötzliche Entscheidung hat die deutschen Exporteure, von denen viele ohnehin schon mit geringen Gewinnmargen arbeiten, verunsichert.

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Die große Frage ist, wer die Kosten trägt. In den USA werden Preiserhöhungen erwartet. In Deutschland und der gesamten Eurozone ist die Lage jedoch unklar. Einige Unternehmen könnten die Preise senken, um überschüssige Waren loszuwerden, die sich in Amerika nicht verkaufen lassen.

Andere könnten in Europa die Preise erhöhen, um die Verluste in den USA auszugleichen. So oder so, der Schlag trifft die Konkurrenz im eigenen Land hart.

Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein. Deutschlands BIP wuchs im ersten Quartal um 0,3 Prozent. Im zweiten Quartal schrumpfte es dann um weitere 0,3 Prozent. Das ist kein Wachstum, das ist Stagnation. Das Land balanciert seit Monaten am Rande einer Rezession, und die neuesten Zahlen zeigen, dass sich die Lage nicht bessert.

Carsten Brzeski, globaler Leiter des Bereichs Makroökonomie bei ING, erklärte in einer Mitteilung: „Es bleibt abzuwarten, wie europäische und US-amerikanische Unternehmen auf die US-Zölle reagieren werden.“

Er warnte davor, dass die Inflation in Deutschland die EZB von einer Zinssenkung im nächsten Monat abhalten könnte. „Ein eher innenpolitischer Faktor wird die Abkühlung des deutschen Arbeitsmarktes sein, die den Lohndruck und folglich auch den Inflationsdruck mindern dürfte“, fügte Carsten hinzu.

Die EZB hält an ihren Lockerungsmaßnahmen fest, solange die Verbraucherprognosen über dem Zielwert liegen

Die Europäische Zentralbank befindet sich in einer Zwickmühle. Sie beließ die Zinsen im Juli unverändert bei 2 % und es wird nicht erwartet, dass sie diese bei ihrer nächsten Sitzung am 11. September ändern wird.

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Dies geschieht trotz zunehmender Anzeichen dafür, dass Deutschland und andere Volkswirtschaften der Eurozone unter den Folgen des Handelskonflikts und der schwachen Nachfrage leiden.

Auch die Verbraucher in der Eurozone rechnen nicht mit einer baldigen Entlastung. Die jüngste Verbrauchererwartungsumfrage der EZB, die ebenfalls am Freitag veröffentlicht wurde, zeigte, dass die Menschen weiterhin davon ausgehen, dass die Inflation über dem Zielwert der EZB bleiben wird.

In den folgenden zwölf Monaten blieb die mittlere Prognose bei 2,6 %, genau wie im Juni. Selbst in drei Jahren stiegen die Erwartungen von 2,4 % auf 2,5 %. Und in fünf Jahren? Immer noch unverändert bei 2,1 % – seit acht Monaten in Folge.

Damit steht die EZB vor einem unklaren Weg. Sie will die Inflation wieder auf 2 % senken, ein Ziel, das sie offiziell „defi“ – vermutlich über einen Zeitraum von etwa drei Jahren – anstrebt. Doch angesichts der stagnierenden Inflation und der zunehmenden Handelsspannungen wirkt dieses Ziel derzeit eher wie Wunschdenken als wie ein konkreter Plan.

Im Moment humpelt der kranke Mann Europas nicht etwa der Genesung entgegen, er liegt mit dem Gesicht nach unten auf dem Bürgersteig, und niemand hält an, um ihm zu helfen.

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