Die insolvente Kryptowährungsbörse FTX befindet sich in einem komplexen Restrukturierungsprozess. Ein vom Insolvenzverwalter vorgelegter Planentwurf tron Widerstand. Die unterschiedlichen Ansichten könnten das Insolvenzverfahren verlängern und werfen Fragen zum weiteren Vorgehen auf.
Einzelheiten des FTX-Entwurfsplans für eine „neu gestartete“ Offshore-Börse
Der am Montag eingereichte Planentwurf von FTX bietet einen detaillierten Einblick in die geplante Umstrukturierung des Unternehmens. Zu den wichtigsten Punkten gehört die Einrichtung einer neuen Offshore-Börse exklusiv für Nutzer außerhalb der USA, sogenannte „Dotcom-Kunden“. Jeder Inhaber einer Dotcom-Kundenberechtigung erhält einen anteiligen Gewinn aus einem mit der FTX.com-Börse verbundenen Vermögenspool, abzüglich bestimmter Ausschüttungen und Kosten.
Der Insolvenzverwalter hat zudem vorgeschlagen, ein neues Unternehmen, gegebenenfalls mit Drittinvestoren, zu gründen, um diese neue Offshore-Plattform zu betreiben. Alternativen wie eine Fusion oder eine ähnliche Transaktion werden ebenfalls geprüft. US-Kunden werden hingegen gesondert behandelt.
Ein bemerkenswerter Aspekt des Plans ist die Möglichkeit, dem Kundenstamm des Dotcom-Unternehmenscash wie Aktien, Token oder andere Anteile an der neuen Offshore-Börse anzubieten. Weiterhin wurde festgelegt, dass Ansprüche im Zusammenhang mit FTT-Token erlöschen, ohne dass eine Ausschüttung an die Inhaber erfolgt, und dass Ansprüche von Nicht-Kunden, einschließlich solcher auf regulatorische Strafen und Steuern, nachrangig behandelt werden.
Die Gläubiger kritisieren den Plan und fordern transparente Kommunikation
Trotz seines umfassenden Charakters wurde der Planentwurf nicht von allen Beteiligten positiv aufgenommen. Der Gläubigerausschuss, der einen Großteil der FTX-Geschuldner vertritt, kritisierte den Entwurf als bloße „Ideen“ und bemängelte das Fehlen formeller Gespräche zu dessen Erörterung. Dieser Mangel an Einbindung führte zu Enttäuschung und Spannungen.
Der offizielle Gläubigerausschuss der ungesicherten Gläubiger erzielte zwar Einigkeit mit der Interimsleitung von FTX hinsichtlich der Wiederaufnahme des Betriebs, fühlte sich jedoch bezüglich der neuen Offshore-Börse übergangen. Die Gläubiger fordern einen regulatorisch konformen Recovery-Token, die Wiederaufnahme des FTX-Börsenbetriebs zur Verbesserung der Gläubigererlöse sowie Mitspracherecht bei zukünftigen Planungen.
Der Ausschuss kritisierte zudem die Ausgaben von über 330 Millionen US-Dollar für Beratungsgebühren, wodurch es sich um eine der teuersten Unternehmensinsolvenzen der Geschichte handelte, sowie das Fehlen eines Plans zur Erzielung von Erträgen aus dem fast 2,6 Milliarden US-Dollar cash Barvermögen des Unternehmens. Er unterbreitete Vorschläge zur optimalen Nutzung des verbleibenden Vermögens von FTX und seinen Tochtergesellschaften, war jedoch der Ansicht, dass die derzeitigen Insolvenzverwalter von FTX nicht ausreichend zur Erfüllung ihrer rechtlichen Verpflichtungen beitrugen.
Die Anwälte der Gläubiger drohten damit, jeden Sanierungsplan abzulehnen, der keine substanziellen Beiträge von ihnen enthalte, und warnten davor, dass ein einseitiger Planansatz angesichts der monatlichen Anwaltskosten von über 50 Millionen Dollar nicht finanzierbar sei.
Der von FTX vorgeschlagene Sanierungsplan hat die widerstreitenden Interessen und Ansichten zwischen dem Unternehmen und seinen Gläubigern offengelegt. Diese Uneinigkeit könnte den Restrukturierungsprozess durch mögliche Rechtsstreitigkeiten verzögern und dadurch zusätzliche Kosten und Komplexität verursachen.
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