Álvaro Santos Pereira, Mitglied des EZB-Rats, erklärte am Mittwoch, dass die Eurozone im Wesentlichen Preisstabilität erreicht habe, und betonte, dass umfassendere Reformen der Europäischen Union nun entscheidend für die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit des Währungsraums seien.
In einem Interview mit dem portugiesischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen erklärte Pereira, die Inflation in der Eurozone habe sich um das EZB-Ziel von 2 % stabilisiert – ein Niveau, das weithin als mit dem mittelfristigen Ziel der Bank vereinbar gilt. Dies folgt auf eine Phase, in der sich die Inflation nach den geldpolitischen Straffungs- und Lockerungsmaßnahmen des vergangenen Jahres verlangsamt und stabilisiert hatte. Pereira ist zudem Gouverneur der portugiesischen Zentralbank.
Er sagte, EZB-dent Christine Lagarde habe deutlich gemacht, dass die Zentralbank gut aufgestellt sei und Preisstabilität gewährleistet sei. Pereira fügte hinzu, die Geldpolitik habe ihre Aufgabe erfüllt und die Wirtschaft, wo nötig, gestützt.
Das bedeutet, dass die EZB der Ansicht ist, bereits alle notwendigen Schritte unternommen zu haben, um das Wirtschaftswachstum zu fördern und Preisstabilität zu gewährleisten. Die Bank hat die Zinssätze seit mehreren Monaten weder angehoben noch gesenkt. Tatsächlich sind die Zinssätze in den letzten vier Sitzungen unverändert geblieben.
Die Regierungen müssen bei den Reformen eine Vorreiterrolle einnehmen
Pereira erklärte, es liege nun an den europäischen Regierungen und der Europäischen Union, wichtige Veränderungen herbeizuführen. Diese Strukturreformen seien bedeutende Schritte, die langfristig zu einem schnelleren Wirtschaftswachstum und einer effizienteren Funktionsweise beitragen könnten.
Er bezeichnete Europas Wirtschaftswachstum als „anämisch“, also sehr schwach. Pereira ist der Ansicht, dass die Regierungen handeln müssen, damit Europa die Stärken seines großen Binnenmarktes nutzen kann. Ein Binnenmarkt zeichnet sich durch den unkomplizierten Handel zwischen allen Mitgliedsländern aus, der es den Menschen ermöglicht, grenzüberschreitend Waren zu kaufen und zu verkaufen, ohne auf größere Probleme zu stoßen.
Pereira erklärte, dass die Verantwortung in dieser Phase bei den Regierungen und der Europäischen Kommission liege. Er fügte hinzu, dass diese Reformen, insbesondere innerhalb des Binnenmarktes, durchgeführt werden müssten, wenn Europa das Potenzial seiner 450 Millionen Konsumenten optimal nutzen wolle.
Anders ausgedrückt: Die EZB kann mit Geldpolitik nur begrenzt etwas bewirken. Um das Wirtschaftswachstum zu stärken und zu beschleunigen, müssen Regierungen tiefgreifende Reformen umsetzen, darunter die Verbesserung der Geschäftstätigkeit, die Förderung der Qualifizierung von Arbeitnehmern und die Erleichterung des internationalen Handels.
Die Zinssätze bleiben stabil, da sich die Inflation dem Zielwert annähert
Die EZB steuert die Wirtschaft hauptsächlich durch die Anpassung der Zinssätze, die die Kosten für Kredite bestimmen. Bei hohen Zinssätzen wird die Kreditaufnahme teurer, wodurch Privatpersonen und Unternehmen weniger ausgeben. Bei niedrigen Zinssätzen ist die Kreditaufnahme günstiger, was Ausgaben und Investitionen erleichtert.
Pereira erklärte, da die Inflation nahe am 2%-Ziel liege, müsse die EZB die Zinssätze derzeit nicht anpassen. Dies sei ein Zeichen für eine stabile Wirtschaft, die keinen größeren Inflationsproblemen gegenüberstehe.
Er erwähnte auch einige gut durchgeführte geldpolitische Maßnahmen, darunter die Festlegung der Zinssätze, die sich für die Wirtschaft bewährt hätten. Die EZB habe Unternehmen und Familien in schwierigen Zeiten geholfen. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass die EZB nicht alles allein bewältigen könne.
Die Zentralbank kann zur Preisstabilisierung beitragen, doch die Regierungen müssen auch durch umfassende Reformen und Verbesserungen das Wachstum fördern. Preisstabilität ist für alle wichtig. Armut kann nicht entstehen, wenn die Preise zu schnell steigen, da dies Dinge wie Lebensmittel, Strom oder Transport unerschwinglich machen würde.
Wenn die Preise zu stark fallen, wird das Wachstum von Unternehmen erschwert und es drohen Arbeitsplatzverluste. Die Aufgabe der EZB besteht darin, für einen langsamen und stetigen Preisanstieg von etwa 2 % pro Jahr zu sorgen. Pereiras Äußerungen verdeutlichen den europäischen Staats- und Regierungschefs zudem, dass geldpolitische Maßnahmen allein nicht ausreichen.

