Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat Automobilhersteller vor aggressiven Preiskämpfen gewarnt. Das Ministerium kündigte an, hart gegen den von ihm als „involutionär“ bezeichneten Wettbewerb vorzugehen, der Chinas schnell wachsenden Elektrofahrzeug- und Automobilsektor gefährde.
Die am Samstag veröffentlichte Erklärung erfolgte kurz nachdem der chinesische Automobilherstellerverband CAAM eine branchenweite Initiative gestartet hatte, in der die Automobilunternehmen aufgefordert wurden, einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten und Praktiken zu vermeiden, die den Markt destabilisieren könnten.
Das MIIT erklärte, es werde die regulatorische Aufsicht verstärken und gegebenenfalls eingreifen, um die Ordnung auf dem Markt wiederherzustellen.
Zunehmende Besorgnis über Chinas Preiskriege bei Elektrofahrzeugen
Im Zentrum der Warnung des MIIT steht die eskalierende Preiskampfwelle, die den chinesischen Markt für Elektrofahrzeuge . Im vergangenen Jahr haben Automobilhersteller, vom Marktführer BYD bis hin zu etablierten Anbietern wie Geely und Chery, die Preise für Dutzende von Modellen drastisch gesenkt, um ihre Marktanteile zu halten oder auszubauen.
BYD beispielsweise senkte Ende Mai die Preise für mehr als 20 Modelle und löste damit eine neue Welle von Preisnachlässen in der gesamten Branche aus.
Die Intervention des MIIT stellt eine Abweichung von der üblichen Vorgehensweise Chinas im Produktionssektor dar. Der regulatorische Ansatz für den Automobilmarkt scheint sich von der Förderung von Wachstum um jeden Preis hin zur Sicherstellung langfristiger Nachhaltigkeit und Qualität in allen strategischen Branchen, einschließlich der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben (NEVs), die mittlerweile über 40 % der Neuwagenverkäufe im Land ausmachen, gewandelt zu haben.
Der Automobilverband CAAM schloss sich vergangene Woche in einer Stellungnahme den Bedenken des Ministeriums an. Zwar würdigte er das beeindruckende Wachstum des NEV-Sektors, doch erklärte der Verband, die Rentabilität sinke aufgrund zunehmend schädlicher Preistaktiken. Wettbewerbsfähige Preise seien zwar legal und erwünscht, doch der Verband warnte davor, dass dies nicht auf Kosten der Branchengrundlagen gehen dürfe.
Tu Le, Geschäftsführer von Sino Auto Insights, gab Einblicke in die anhaltenden Preiskämpfe und erklärte, dass die derzeitigen Preisstrategien noch in diesem Jahr zu einem „Blutbad“ führen könnten, das insbesondere schwächere Akteure wie Neta und Polestar treffen würde.
Branchenanalysten halten das Eingreifen des MIIT für zeitgemäß, bezweifeln aber die Wirksamkeit der neuen Regulierungsmaßnahmen. Manche befürchten, dass Unternehmen ohne durchsetzbare Strafen oder eine grundlegende Überarbeitung ihrer Preispolitik weiterhin dem Absatzvolumen den Vorrang vor dem Wert einräumen könnten.

