Der Zahlungsdienstleister Visa hat die Visa Tokenized Asset Platform (VTAP) eingeführt, eine B2B-Lösung für Geschäftsbanken zur Ausgabe von Fiatgeld-gedeckten Token im Ethereum Netzwerk. In einer Mitteilung vom 3. Oktober erklärte das Unternehmen, das Produkt werde Banken dabei helfen, Fiatwährungen mit Blockchain-Netzwerken zu verbinden.
Die offizielle Ankündigung erfolgte wenige Tage, nachdem mehrere Visa-Führungskräfte erstmals bekannt gegeben hatten, dass das Produkt in Vorbereitung sei und einige Geschäftsbanken sich bereits für einen Testlauf angemeldet hätten. Visa betonte, dass die Einführung von VTAP einen Fortschritt in seinen Fähigkeiten als Anbieter digitaler Zahlungen darstelle.
Visa teilte mit:
„Visa nutzt seine Expertise in neuen Technologien wie Smarttrac, um Banken die Ausgabe und den Transfer von Fiat-gedeckten Token über Blockchain-Netzwerke zu ermöglichen.“
Vanessa Colella, Global Head of Innovation and Digital Partnership bei Visa, beschrieb VTAP unterdessen als einen weiteren Weg, mit dem das Unternehmen den Takt für die digitale Zahlungsbranche vorgibt. Sie fügte hinzu, dass Visa bereits Erfahrung mit Tokenisierung habe und nun Banken dabei helfen werde, diese Innovation in ihre Abläufe zu integrieren.
Banken integrieren bereits Visas VTAP
Obwohl sich die Lösung auf der Visa Developer Platform noch in der Testphase befindet, planen einige Banken offenbar, sie in ihre Abläufe zu integrieren. Visa gab bekannt, dass die spanische Großbank Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) bereits die Kernfunktionen des VTAP testet und 2025 ein Pilotprojekt für ausgewählte Kunden starten wird.
Laut Francisco Maroto, Leiter Blockchain und digitale Vermögenswerte bei BBVA, ermöglicht die Zusammenarbeit mit Visa die Erforschung tokenisierter Lösungen und den Einsatz der Blockchain-Technologie im Bankensektor.
Er sagte:
„Diese Zusammenarbeit stellt einen wichtigen Meilenstein in unserer Erforschung des Potenzials der Blockchain-Technologie dar und wird uns letztendlich dabei helfen, unsere Bankdienstleistungen zu erweitern und den Markt mit neuen Finanzlösungen auszubauen.“
Visa hob zudem einige Vorteile der Plattform hervor und betonte, dass sie sich problemlos in jede Bank integrieren lasse, programmierbar sei und mit verschiedenen Blockchains interoperabel sei. Bereits im aktuellen Entwicklungsstadium können Banken sie nutzen, um Fiat-gedeckte Token wie Stablecoins, digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) und tokenisierte Einlagen zu prägen, auszugeben, zu transferieren und zu vernichten.
Die potenziellen Anwendungsfälle könnten jedoch darin bestehen, dass es sich zu einem Werkzeug für den Handel mit tokenisierten realen Vermögenswerten (RWAs) und Rohstoffen entwickelt, die Abwicklung von Transaktionen auf der Blockchain nahezu in Echtzeit automatisiert und Interbanken-Geldtransfers sowie grenzüberschreitende Überweisungen ermöglicht.
Die großen traditionellen Zahlungsdienstleister konzentrieren sich auf Blockchain und Kryptowährungen
Visas VTAP-Programm setzt die Tradition des Unternehmens fort, Blockchain-Technologien zu integrieren und damit zu experimentieren, um seine Geschäftsprozesse zu optimieren. Das Unternehmen, das maßgeblich an mindestens zwei Pilotprojekten für digitale Zentralbankwährungen (CBDC) beteiligt war, testet – ähnlich wie sein Konkurrent MasterCard – bereits seit Längerem Blockchain-Lösungen.
Vor wenigen Tagen brachte Mastercard in Zusammenarbeit mit dem Web3-Infrastrukturunternehmen Mercuryo eine Bitcoin -Debitkarte ohne Verwahrung auf den Markt, mit der Karteninhaber direkt mit BTC bezahlen können. Die Web3-Karte befindet sich noch in der Pilotphase und ist derzeit nur in Europa erhältlich. Sie unterstreicht, wie das Unternehmen Blockchain-Technologien integriert.
Die meisten TradFi-Unternehmen scheinen sich derweil für Tokenisierung und Interoperabilität zu interessieren. Neben Visa, einem Anbieter von Nachrichteninfrastruktur für Banken, experimentiert auch Swift mit Lösungen, die tokenisierte Vermögenswerte für Banken ermöglichen und eine einheitliche Plattform für Transaktionen zwischen traditionellen Finanzinstituten und Blockchain-Protokollen schaffen sollen.
Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, dass Banken in Asien, Europa und Nordamerika Transaktionen mit digitalen Währungen und Vermögenswerten über seine Plattform abwickeln können. Obwohl es sich voraussichtlich um eine Pilotphase handelt, stellt dies einen bedeutenden Schritt zur Optimierung der Verbindungen zwischen traditionellen Finanzdienstleistungen (TradFi) und der Blockchain dar und ermöglicht institutionellen Anlegern einen sicheren und regulierten Zugang.

