Die Wohnungslage in den USA hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Von Hypothekenzinsen über Hauspreise bis hin zu Mieten ist alles außer Kontrolle geraten.
Hauskäufer springen ab. Mieter gehen in den Ruin. Bauträger frieren Projekte ein. Und Analysten sprechen aus, was niemand hören will: Das Ganze kommt uns erschreckend bekannt vor. Die Warnzeichen sind so deutlich, dass viele den heutigen Markt mit der Zeit vor dem Crash von 2008 vergleichen.
Die Hypothekenzinsen liegen im Juli 2025 bei 6,82 %. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt von 2,99 % Mitte 2021. Gleichzeitig sind die Immobilienpreise seit 2020 um über 45 % gestiegen. Ein durchschnittliches Haus in den USA kostet derzeit 355.328 US-Dollar, 2,7 % mehr als noch vor einem Jahr. Kein Wunder also, dass viele zögern.
Daten von Realtor.com erreichten die Verkäufe neuer Eigenheime in diesem Frühjahr den niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Allein im Juni wurden 15 % der laufenden Kaufverträge storniert.
Die Mieten schmälern die Einkommen, da Wohnungen verschwinden
Doch der Einbruch trifft Mieter noch härter. Eine detaillierte Analyse von The Daily Upside zeigt, dass in den USA derzeit 7,1 Millionen bezahlbare Mietwohnungen fehlen. Auf 100 Mieter mit niedrigem Einkommen kommen nur 35 Wohnungen. Das bedeutet, dass 75 % dieser Mieter mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Miete ausgeben.
Diese angespannte Lage spiegelt sich in den nationalen Obdachlosenzahlen wider, die den größten Anstieg seit der Großen Rezession verzeichneten. Immer mehr Familien schlafen in Autos oder sind gezwungen, in Mehrfamilienhäusern unterzukommen. Und nicht nur die ärmsten Amerikaner spüren die Folgen. Selbst Familien der Mittelschicht leben von Gehaltszahlung zu Gehaltszahlung und müssen zusehen, wie die Miete alles auffrisst.
Während Käufer zögern, bleiben viele Verkäufer hartnäckig. Statt zu verhandeln, nehmen sie ihre Immobilienangebote komplett vom Markt. Ein neuer Bericht von Realtor.com zeigt, dass die Zahl der Immobilienstreichungen im bisherigen Jahresverlauf um 35 % gestiegen ist und sogar 47 % höher liegt als im Vorjahreszeitraum.
Die Zahl der aktiven Immobilienangebote stieg unterdessen nur um 28,4 % bzw. 31,5 %. Verkäufer im Süden und Westen stehen unter zunehmendem Druck, da das Angebot steigt und die Vermarktungsdauer länger ist als vor der COVID-Pandemie. Im Osten und Norden hingegen sind die Hauspreise trotz geringerer Verkaufszahlen leicht gestiegen.
Bauunternehmen schränken ihre Aktivitäten ein, da sich die Bautätigkeit verlangsamt
Berücksichtigt man die Entwicklungen im Baugewerbe, sieht die Lage noch düsterer aus. Der Neubau hat sich deutlich verlangsamt. Die Zahl der Baubeginne ist im Vergleich zum Vorjahr um 10 % gesunken, und das Vertrauen der Bauunternehmen ist auf ein Niveau gefallen, das seit 2012 nicht mehr erreicht wurde.
In einigen Teilen des Landes, wie Florida und Texas , droht nun ein Wohnungsüberschuss. Beide Bundesstaaten erlebten während der Pandemie einen regelrechten Bauboom, doch die Nachfrage ist inzwischen gesunken. In dichtbesiedelten Städten herrscht hingegen genau das gegenteilige Problem: Es gibt nicht genügend Wohnraum und keine konkreten Lösungsansätze.
Die ungleiche Verteilung von Wohnraum ist nur ein Teil des Problems. In Märkten, die von Technologie- oder Kryptospekulationen getrieben werden, sind die Investoren zurück und stiften Chaos. Seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus Anfang des Jahres ist das Vertrauen der Anleger in Kryptowährungen wieder sprunghaft angestiegen.
Seine jüngste Entscheidung, letzte Woche das erste Gesetz mit Fokus auf Kryptowährungen zu unterzeichnen, hat die Situation nur noch verschärft. Inzwischen werden Immobilien in bestimmten Vierteln von volatilen, kryptogetriebenen Investitionszyklen mitgerissen. Die Folge? Noch mehr Unberechenbarkeit in einem ohnehin schon abwärts gerichteten Markt.
Der Crash von 2008 begann, als Banken riskante Immobilienkredite an Menschen mit schlechter Bonität, sogenannte Subprime-Kreditnehmer, vergaben. Diese Kredite wurden zu komplexen Finanzprodukten gebündelt und weltweit an Investoren verkauft.

