Polymarket sieht Japan als seinen nächsten großen Markt

- Polymarket hat Mike Eidlin zum Japan-Repräsentanten ernannt und strebt die staatliche Genehmigung bis 2030 an.
- Das japanische Recht kennt derzeit keine Rechtskategorie für Prognosemärkte, wodurchtraczwischen Glücksspielgesetzen und Wertpapierregulierung gefangen sind.
- Dieser Schritt signalisiert, dass Polymarket nun bereit ist, langfristige regulatorische Strategien zu verfolgen, anstatt sie zu umgehen, und spiegelt damit seine Vorgehensweise bei CFTC, ICE und Nasdaq Private Markets wider.
Polymarket expandiert langsam, aber gezielt in einen der am strengsten regulierten Finanzmärkte der Welt. Laut Bloombergplant die Prognosemarktplattform, bis 2030 mit vollständiger staatlicher Genehmigung in den japanischen Markt einzutreten und hat bereits einen Repräsentanten in Japan ernannt. Mike Eidlin, zuletzt Leiter des Japan-Geschäfts des Krypto-Unternehmens Jupiter, soll die Expansion vorantreiben.
Japanische Nutzer haben aufgrund der „regulatorischen Anforderungen“ der Plattform seit Jahren keinen Zugriff auf Polymarket. In einem Land, in dem Wetten auf ungewisse Ergebnisse grundsätzlich verboten sind, bedeutet der Markteintritt, bei null anzufangen. Die vierjährige Frist für die Genehmigung deutet jedoch darauf hin, dass es sich um einen langwierigen Regulierungsprozess in einem Land handeln wird, für das es derzeit keine rechtliche Kategorie gibt, die auf Prognosemärkte zutrifft.
Warum Japan und warum gerade jetzt?
Japan hat rund 124 Millionen Einwohner, eine ausgeprägte Einzelhandelskultur und laut der japanischen Finanzdienstleistungsbehörde (FSA) im letzten Jahr etwa 12 Millionen registrierte Krypto-Konten. Genau diesen Markt möchte eine Prognosemarktplattform erobern. Polymarket steht jedoch aktuell vor dem Problem, dass Wetten mit jeglichem Einsatz auf ungewisse Ergebnisse unter Artikel 185 des japanischen Strafgesetzbuches fallen. Dieser verbietet grundsätzlich Glücksspiel außerhalb staatlich genehmigter Kategorien wie Pferderennen oder Lotterien.
Dieser Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Plattform strategisch expandiert. Zuletzt wurde sie im April mit 15 Milliarden US-Dollar bewertet, nachdem die Intercontinental Exchange ihre Investition abgeschlossen hatte. Aktuell verhandelt sie über eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 400 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig unternimmt Kalshi, Polymarkets größter Konkurrent, ernsthafte Anstrengungen, die Marktführerschaft zu seinen Gunsten zu brechen. Das Handelsvolumen von Polymarket an seiner Offshore-Börse und in seiner US-App sank im April um 9 % auf 10,3 Milliarden US-Dollar. Dies war der erste Rückgang seit acht Monaten. Kalshi hingegen erreichte im gleichen Zeitraum ein Volumen von 14,8 Milliarden US-Dollar.
Der Zeitplan für 2030 ist realistisch, gerade so
Japans Regulierungsapparat arbeitet in seinem eigenen Tempo. Die FSA befindet sich mitten in einer mehrjährigen Reform, die bestimmte Krypto-Assets vom Zahlungsdienstegesetz in das Finanzinstrumente- und Börsengesetz umklassifiziert. Das entsprechende Gesetz wird noch in diesem Jahr erwartet, und Spot-Krypto-ETFs sind bis 2028 geplant. Prognosemärkte stehen derzeit nicht auf der Agenda. Nach geltendem japanischem Recht könnten Event-tracin eine von drei Kategorien fallen: illegales Glücksspiel gemäß Artikel 185 des Strafgesetzbuches, reguliertes Finanzprodukt gemäß dem Finanzinstrumente- und Börsengesetz oder ein „Punkte- und Datenprodukt“, das Prognosen ohne direkte cash simuliert, ähnlich wie Pachinko durch indirekten Preisaustausch funktioniert. Jeder dieser Wege führt zu einer völlig anderen Version dessen, was Polymarket anbieten dürfte.
Auch im Inland formiert sich Konkurrenz. Der Tokioter Glücksspielriese Gumi kündigte in Zusammenarbeit mit Gc Labs im Oktober 2025 seinen eigenen KI- und Blockchain-basierten Vorhersagemarkt an, der sich durch Fairness, Transparenz und Rechtskonformität auszeichnet. POYP setzt auf ein reines Punktesystem, das – ähnlich wie das Preisaustauschsystem beim Pachinko – bewusst das Glücksspielgesetz umgeht. Beide Ansätze deuten darauf hin, dass japanische Anbieter bereits Prototypen für eine speziell auf Japan zugeschnittene Version dieses Produkts entwickeln.
Was dies über Polymarket aussagt
Die eigentliche Neuigkeit ist nicht Japan an sich, sondern dass Polymarket nun bereit ist, jahrelang in den regulatorischen Gremien zu verweilen, anstatt sie zu umgehen. Der Weg über die CFTC in den USA, die Partnerschaft mit ICE, der Datendeal mit Nasdaq Private Market für die Bewertung von Startups und nun auch Japan weisen alle in dieselbe Richtung. Polymarket bereitet sich darauf vor, reguliert zu werden, anstatt toleriert zu werden. Ob Japan diese Geduld bis 2030 belohnt, ist eine andere Frage. Die Bereitschaft, so lange zu warten, ist die eigentliche Neuigkeit.
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Anush Jafer
Anush ist Krypto-Analyst und Journalist mit vier Jahren Branchenerfahrung. Er berichtet über Stablecoins, On-Chain-Analysen, regulatorische Entwicklungen und makroökonomische Entwicklungen im Kryptobereich. Außerdem moderiert er die Live-Markt-Streams und Podcasts von Cryptopolitan.
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