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JPMorgan prognostiziert, dass die EZB die Leitzinsen der Eurozone im Dezember um einen halben Prozentpunkt senken wird

VonJai HamidJai Hamid
3 Minuten Lesezeit
  • JPMorgan prognostiziert, dass die EZB die Zinssätze im Dezember aufgrund sich verschlechternder Wirtschaftsdaten aus der Eurozone früher als erwartet um einen halben Prozentpunkt senken wird.
  • Die Inflation in der Eurozone stieg im November auf 2,3 %, doch die schwache Geschäftstätigkeit und die schleppende Kerninflation setzten die EZB unter Druck, Maßnahmen zu ergreifen.
  • Händler haben die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte auf 20 % erhöht, doch die uneinheitlichen Signale der EZB-Politiker lassen die Entscheidung ungewiss.

JPMorgan hat die Märkte mit einer revidierten Prognose, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinssätze im nächsten Monat um einen halben Prozentpunkt senken wird, aufgerüttelt.

Der Bankenriese, der den Schritt ursprünglich im Januar erwartet hatte, geht nun davon aus, dass der Dezember den Ausschlag für eine größere Zinssenkung geben wird. Die Begründung: „Die Wirtschaftsdaten entwickeln sich schneller als erwartet.“

Die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone ging im November zurück. Die Inflation in Deutschland blieb hinter den Prognosen zurück, und die Kerninflationsrate der Region veränderte sich nicht wie erwartet. Laut JPMorgan sprechen diese Signaletrondafür, dass die EZB aggressivere Maßnahmen ergreift.

Die Händler reagierten umgehend. Die Geldmärkte verdoppelten ihre Wetten auf eine Zinssenkung um 50 Basispunkte und erhöhten die Wahrscheinlichkeit auf 20 %, gegenüber 10 % wenige Tage zuvor. Deutsche Staatsanleihen folgten diesem Beispiel: Die Renditen zweijähriger Anleihen sanken um fünf Basispunkte auf 1,95 % – ein Niveau, das seit Ende 2022 nicht mehr erreicht wurde.

Der JPMorgan-Ökonom Greg Fuzesi erläuterte in einer Kundenmitteilung den Wandel und nannte mehrere Faktoren. Der starke Rückgang des Einkaufsmanagerindex (PMI), die schwache Inflation im Dienstleistungssektor, anhaltende Handelsunsicherheiten und weiterhin zu restriktive Zinssätze bildeten die Grundlage seiner Argumentation.

Uneinigkeit in der EZB-Führung befeuert Spekulationen

Die EZB ist für ihre widersprüchlichen Aussagen bekannt, und auch diesmal ist es nicht anders. François Villeroy de Galhau, Mitglied des EZB-Rats, forderte zwar weitere Zinssenkungen, vermied es aber, ein konkretes Tempo festzulegen. Er ließ die Möglichkeit offen, dass künftige Entscheidungen von den sich verändernden Rahmenbedingungen abhängen.

Isabel Schnabel hingegen vertrat Anfang der Woche eine schärfere Ansicht. Sie argumentierte, dass die Kreditkosten bereits nahe einem neutralen Niveau lägen, was darauf hindeute, dass weitere Senkungen möglicherweise nicht so dringlich seien.

Trotz dieser unterschiedlichen Ansichten ist Fuzesi von JPMorgan der Meinung, dass die Daten mehr aussagen als die interne Politik. „Auch wenn interne Dynamiken im EZB-Rat mitunter zu schwer nachvollziehbaren Ergebnissen führen können, deuten die Daten darauf hin, dass eine Zinssenkung um 50 Basispunkte bereits im Dezember gerechtfertigt ist“, schrieb er.

Die bevorstehende Zinsentscheidung wird die vierte Zinssenkung der EZB in diesem Jahr sein. Die Märkte haben weitgehend mit einer geringeren Senkung um 25 Basispunkte gerechnet, doch die Argumente für eine stärkere Senkung gewinnen an Bedeutung. Die Inflation in der Eurozone stieg im November auf 2,3 % und lag damit wieder über dem EZB-Zielwert von 2 %. Die Kerninflation – ohne volatile Güter wie Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak – blieb den dritten Monat in Folge unverändert bei 2,7 %.

Die anhaltende Inflation im Dienstleistungssektor, die zwar leicht von 4 % auf 3,9 % zurückging, bringt eine weitere Komplikation in die Berechnungen der EZB. Ökonomen hatten mit einer höheren Inflation in Deutschland gerechnet, doch diese blieb aus, was den Druck auf die politischen Entscheidungsträger erhöht, entschlossen zu handeln.

Die Wirtschaftsdaten bereiten den Weg für Dezember

Die wirtschaftlichen Aussichten der Eurozone sind unsicher. Die Geschäftstätigkeit, gemessen am PMI, ist weiterhin rückläufig. Der Inflationsdruck steigt zwar insgesamt leicht an, bleibt aber branchenübergreifend uneinheitlich. Der jüngste Anstieg von 2 % im Oktober auf 2,3 % folgt auf monatelang schwächere Zahlen, was teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die Energiedeflation an Bedeutung verliert.

Trotzdem agiert die EZB nicht isoliert. Externe Faktoren, wie die weltweiten Folgen der Wahl von Donald Trump zum US-dent, erhöhen die Unsicherheit. Sollten Handelszölle eingeführt werden, könnten diese die europäischen Exporte stark beeinträchtigen und die Aufgabe der EZB zusätzlich erschweren. Diese Risiken werden die aktualisierten Prognosen der EZB-Mitarbeiter, die kurz vor der Sitzung am 12. Dezember erwartet werden, maßgeblich beeinflussen.

Melanie Debono, leitende Euro-Ökonomin bei Pantheon Macroeconomics, bezweifelt, dass eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt wahrscheinlich ist. Sie verweist auf die rekordniedrige Arbeitslosigkeit in der Eurozone und das höhere Lohnwachstum im dritten Quartal als Faktoren, die die EZB möglicherweise zurückhalten.

„Die endgültige Entscheidung wird eine knappe Angelegenheit bleiben“, sagte Debono und prognostizierte, dass die EZB im Dezember wahrscheinlich bei einer kleineren Senkung um 25 Basispunkte bleiben und im Januar und März ähnliche Senkungen folgen lassen werde.

Die Märkte sind nervös, bleiben aber vorsichtig. Spekulationen über eine größere Zinssenkung haben nach den leicht verbesserten Wachstumsprognosen und der im Oktober wieder anziehenden Inflation nachgelassen. EZB-Politiker, darunter Schnabel, haben zudem die Bedeutung eines maßvollen Vorgehens betont und damit signalisiert, dass eine massive Zinssenkung möglicherweise noch nicht die richtige Lösung ist.

Anleihemärkte und politische Risiken

Neben den Sorgen um Inflation und Wachstum steht die EZB auch unter Druck von den Anleihemärkten. Deutsche Staatsanleihen legten nach dem Bericht von JPMorgan deutlich zu, doch nicht alle sind überzeugt, dass die Zentralbank aggressiv eingreifen wird. 

EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel stellte klar, dass die EZB nicht gegen durch politische Risiken verursachte Kursschwankungen von Staatsanleihen vorgehen wird. In Frankfurt erklärte Nagel: „Die Entwicklung einzelner Staatsanleihen spiegelt in der Regel die politische Lage im jeweiligen Land wider.“

Die EZB verfügt über Instrumente wie das Transmission Protection Instrument (TPI), um die Märkte zu stabilisieren, wenn die Geldpolitik gefährdet ist. Das 2022 eingeführte TPI ermöglicht es der EZB, unter strengen Auflagen Staatsanleihen zu erwerben. Nagel lehnte jedoch den Einsatz dieses Mechanismus für politische Zwecke ab und erklärte: „Es ist nicht Aufgabe der Geldpolitik, einzelne Länder zu retten.“

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Haftungsausschluss. Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung dar. Cryptopolitan/ übernimmt keine Haftung für Investitionen, die auf Grundlage der Informationen auf dieser Seite getätigt werden. Wirtronempfehlen dringend, vor jeder Anlageentscheidung eigene Recherchen durchzuführendent oder einen qualifizierten Fachmann zu konsultieren

Jai Hamid

Jai Hamid

Jai Hamid berichtet seit sechs Jahren über Kryptowährungen, Aktienmärkte, Technologie, die Weltwirtschaft und geopolitische Ereignisse mit Markteinfluss. Sie hat für Blockchain-Fachpublikationen wie AMB Crypto, Coin Edition und CryptoTale Marktanalysen, Berichte über große Unternehmen, Regulierungen und makroökonomische Trends verfasst. Sie absolvierte die London School of Journalism und präsentierte ihre Kryptomarkt-Analysen bereits dreimal in einem der führenden afrikanischen Fernsehsender.

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