Gurbir Grewal betonte in einer Rede auf der jährlichen Konferenz „SEC Speaks“ der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) die defider aktuellen Compliance-Verfahren der Kryptowährungsbranche. Auf der zweitägigen Veranstaltung des Practicing Law Institute äußerte er seine Bewunderung für die Branche. In seinem rund 15-minütigen Vortrag ging er insbesondere auf die zunehmend innovativen Methoden anderer Marktteilnehmer ein, die Regulierung durch die SEC zu umgehen.
Grewals Ansichten sind eine natürliche Folge der verschärften Haltung der Regulierungsbehörde gegenüber Kryptowährungen, da die Branche zunehmend mit ihr im Konflikt steht. Dieses Vorgehen der Behörde hat häufig Kritik an der SEC hervorgerufen, die oft der sogenannten „Regulierung durch Durchsetzung“ beschuldigt wird. Dabei schafft die Organisationdentfür Regulierungen durch die Einleitung von Durchsetzungsverfahren, anstatt im Vorfeld klare Regeln zu erlassen. Diese Problematik ist ein zentraler Bestandteil des anhaltenden Konflikts zwischen verschiedenen Akteuren im Regulierungsbereich darüber, ob Kryptowährungen wie Wertpapiere reguliert werden sollten.
Howey-Test und Krypto-Regulierung
Im Zentrum der Analysen stand Grewals Erläuterung des Howey-Tests, eines Standards, der auf einem Urteil des Obersten Gerichtshofs von 1946 basiert. Dieser Test, den die SEC heute anwendet, dient der Klassifizierung von Vermögenswerten alstracund damit als Wertpapiere. Grewal bekräftigte, dass der Howey-Test in allen Fällen, in denen Gewinnabsicht und -erwartung bestehen, als Maßstab herangezogen werden müsse, da andernfalls andere von der Kryptoindustrie vorgeschlagene Rahmenbedingungen nicht Bestand hätten.
Diese Haltung deckt sich mit der des SEC-Vorsitzenden Gary Gensler, der stets die Ansicht vertritt, dass die meisten Kryptowährungen als Wertpapiere reguliert werden müssen. Die Frage, welche Einstufung das Gericht zugrunde legt, führte zu der Klage. Zusammen mit Coinbase zog das Unternehmen eine Parallele zwischen Krypto-Assets und Sammlerstücken, um sich gegen die Einstufung von Krypto-Assets als Wertpapiere zu wehren. Grewals Aussage machte jedoch deutlich, dass er mit dieser vergleichenden Analyse nichts zu tun hat, da die SEC allzu eifrig darauf bedacht ist, den Howey-Test als Hauptbewertungskriterium auf Krypto-Assets anzuwenden.
Ziel ist Klarheit und Einhaltung der Vorschriften
Grewals Kritik beschränkt sich nicht nur auf regulatorische Fragen wie den Umfang der Tests, sondern konzentriert sich auch auf die Probleme der Integrität in der Kryptowährungsbranche. Er hat die auf dem Markt begangenen Verstöße hervorgehoben, sowohl die realitätsfernen als auch die sorgfältig inszenierten Machenschaften, die darauf abzielen, die Aufsichtsfunktion der SEC zu umgehen. Das Verhalten dieser Personen belegt eine Fehlinterpretation oder völlige Gleichgültigkeit gegenüber den rechtlichen Grundlagen des amerikanischen Marktes.
Entgegen dieser Kritik räumte Herr Grewal ein, dass die SEC dafür kritisiert worden sei, eine Vollzugsbehörde ohne entsprechenden Regulierungsrahmen zu sein und ihre Befugnisse überschritten zu haben. Er stellte klar, dass seine Meinung nicht die offizielle Position der Behörde widerspiegele, betonte aber, dass das Problem weiterhin angegangen werden müsse, um mehr Compliance und klare Regeln und Vorschriften in der Kryptoindustrie zu erreichen.
Der kontinuierliche Dialog mit politischen Entscheidungsträgern der SEC legt maßgeblich den Grundstein für die zukünftige Regulierung von Kryptowährungen. Mit der Zeit wachsen die Anforderungen der Branche, und klare, einheitliche Richtlinien spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Grewal sprach bei der Veranstaltung „SEC Speaks“ unter anderem über die Problematik und die Komplexität der Schaffung eines regulatorischen Umfelds, das konsistent ist und zukünftige Marktentwicklungen fördert. Der Howey-Test ist dabei ein Instrument, um daraus zu lernen.

