Es gab Berichte, wonach China den Export von Seltenen Erden einschränkt, um seine beherrschende Stellung in der Branche zu sichern. Nun verschärft Peking seine Maßnahmen und fordert Listen und sogar Pässe von Fachkräften mit sensiblem Wissen an.
der Seltene-Erden- Chinas profitierte das Land von ausländischen Experten, die die chinesischen Arbeitskräfte in den neuesten Technologien schulten. Doch nun, viele Jahre später, schottet sich China ab und schützt seine Technologie und sein Wissen vor ausländischen Interessen.
Peking fordert eine Liste des technischen Personals an
China verstärkt seine Bemühungen, die Seltene-Erden-Industrie besser zu kontrollieren, indem es Unternehmen anweist, detaillierte Listen ihrer Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen einzureichen. In einigen Fällen verlangt die Regierung von diesen Mitarbeitern die Abgabe ihrer Pässe.
Das chinesische Handelsministerium hat kürzlich Unternehmen der Seltenen Erdenbranche angewiesen, umfassende Daten zu ihren Mitarbeitern mit technischer Expertise bereitzustellen. Zu den angeforderten Informationen gehören die Fachgebiete, der Bildungshintergrund, die Forschungserfahrung und weitere persönliche Daten der Mitarbeiter.
Diese Maßnahme zielt darauf ab, ein nationales Register von Personen mit Kenntnissen über Seltene Erden zu schaffen, um die unbefugte Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen an ausländische Unternehmen zu verhindern.
Die Untersuchung der Regierung betrifft alle an der Verarbeitung der Rohmineralien beteiligten Personen sowie die Fachkräfte, die Seltene Erden in Hochleistungsmagnete umwandeln. Diese Magnete sind unverzichtbare Komponenten in Elektrofahrzeugen, Drohnen, Windkraftanlagen und modernen Waffensystemen.
Einigen Mitarbeitern wurde laut Insidern bereits mitgeteilt, dass sie ihre Pässe bei ihren Unternehmen oder den örtlichen Behörden abgeben müssen. Dieses Vorgehen ähnelt den bestehenden Regelungen für Regierungsbeamte und Angestellte staatlicher Betriebe, die vor Auslandsreisen eine Genehmigung beantragen müssen.
Kürzlich verurteilte Premierminister Li Qiang auf dem „Sommer-Davos“ des Weltwirtschaftsforums in Tianjin öffentlich die Instrumentalisierung des Handels und rief die Länder zur Zusammenarbeit statt zum Wettbewerb durch wirtschaftspolitische Zwangsmittel auf. Diese Prinzipien scheinen jedoch im Bereich der Seltenen Erden keine Anwendung zu finden.
China dominiert derzeit den globalen Markt für Seltene Erden und produziert rund 90 % der weltweiten Seltene-Erden-Magnete, die weltweit in Hightech- und Verteidigungsanwendungen eingesetzt werden.
Globale Handelsspannungen
Vor einigen Monaten führte China ein neues Lizenzsystem für den Export von Seltenen Erden und Seltenen-Erden-Magneten ein, das bisher globale Lieferketten gestört und bei westlichen Herstellern Besorgnis ausgelöst hat.
Einige Unternehmen in den USA und Europa, die stark von chinesischen Exporten abhängig sind, haben bereits über Verlangsamungen und vorübergehende Produktionsausfälle aufgrund von Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung berichtet.
Chinas Vormachtstellung bei Seltenen Erden beruhte jahrelang zum Teil auf seiner Fähigkeit, internationale Wettbewerber preislich zu unterbieten. Angesichts zunehmender geopolitischer Bedenken scheint das Land seine Strategie jedoch anzupassen und sich nun auf langfristige technologische Vorteile anstatt auf kurzfristige Handelsvolumina zu konzentrieren.
Die Verarbeitung von Seltenen Erden ist technisch komplex, da sie die Trennung chemisch ähnlicher Elemente aus dem Rohmaterial erfordert. Chinesische Wissenschaftler haben hierfür fortschrittliche, patentierte Verfahren entwickelt, die daher verständlicherweise geschützt sind.
Die Fokussierung auf Personal mit vertraulichen Informationen ist auf die Besorgnis in Peking hinsichtlich ausländischer Spionage und Wirtschaftssabotage zurückzuführen.
Im vergangenen September gab das chinesische Ministerium für Staatssicherheit bekannt, dass ein chinesischer Staatsbürger wegen des Verkaufs von Informationen über die Seltene-Erden-Vorkommen des Landes an nicht genannte ausländische Interessen zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Das Ministerium erklärte, ausländische Organisationen würden „alle Mittel nutzen, um an unsere internen Daten zu gelangen“, und warnte, solche Leaks könnten China im internationalen strategischen Wettbewerb benachteiligen
Die Bedenken sind nicht unbegründet, da Chinas Dominanz in diesem Sektor zu einem Problem für westliche Regierungen geworden ist, die ihre Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten verringern wollen.
Die USA, die EU, Australien und andere Länder haben Initiativen zur Wiederbelebung der heimischen Seltene-Erden-Produktion gestartet, doch die Fortschritte sind schleppend. Eines der Haupthindernisse bleibt der Mangel an technischem Know-how außerhalb Chinas – genau die Kluft, die Peking offenbar bewusst groß halten will.

