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US-Unternehmen kaufen nun Seltene Erden aus Europa, trotz des Handelsfriedens zwischen China und den USA.

VonJai HamidJai Hamid
3 Minuten Lesezeit
  • Trotz eines Handelsabkommens mit China kaufen US-amerikanische Rüstungsunternehmen in rasantem Tempo Seltene Erden aus Europa.
  • Die europäischen Lagerbestände schrumpfen rapide, da die lokalen Käufer mit Verzögerungen, Verwirrung und mangelnder Koordination zu kämpfen haben.
  • Die US-Regierung sichert ihre Lieferkette mit Finanzmitteln und langfristigen Verträgen ab, während die EU ihre entsprechenden Richtlinien noch einführt.

Amerikanische Firmen reißen sich jetzt um die seltenen Erden in Europa, obwohl China und die USA offiziell vereinbart hatten, den Streit um diese Rohstoffe für ein Jahr beizulegen. Egal.

Peking blockiert weiterhin den Verkauf an Unternehmen mit Verbindungen zur Verteidigungsindustrie und kontrolliert die weltweite Versorgung. Dadurch sind die verbleibenden Seltenen Erden außerhalb Chinas deutlich wertvoller und gleichzeitig nur begrenzt verfügbar. Branchenkenner befürchten, dass Europa seine nutzbaren Vorräte in nur wenigen Monaten aufgebraucht haben könnte.

Während die europäische Rüstungsindustrie noch darüber streitet, wie diese Materialien beschafft werden sollen, agieren US-amerikanische Käufer schnell und leeren Lagerhäuser auf dem gesamten Kontinent.

Sie warten nicht auf Papierkram. Sie nehmen sich, was sie brauchen, und lassen die Einheimischen zurück. Und das alles mit voller Koordination der Lieferanten, klarer Logistik und direkter staatlicher Unterstützung.

Die Amerikaner handeln schnell, während Europa zögert.

Tim Borgschulte, Finanzchef des Berliner Unternehmens Noble Elements, formulierte es so: „Wenn wir uns ansehen, wie lange es im Durchschnitt dauert, beispielsweise eine Tonne Terbium an einen europäischen Partner zu verkaufen, sprechen wir von drei bis vier Wochen; bei den Amerikanern sind es eher drei bis vier Tage.“

Diese Geschwindigkeit macht sich nun überall bemerkbar. Seltene Erden wie Terbium, Neodym, Dysprosium – um nur einige zu nennen – werden von US-amerikanischen Rüstungsunternehmen in einem Tempo aufgekauft, mit dem europäische Käufer nicht mithalten können. Warum? Ganz einfach.

Laut Jan Giese von der Frankfurter Firma Tradium GmbH nutzen US-Unternehmen ihre cash und ihren Einfluss, um sich frühzeitigtracin der Lieferkette zu sichern. Sie kaufen frühzeitig ein und schützen ihre Lieferanten vor chinesischen Vergeltungsmaßnahmen, indem sie die Geschäfte diskret abwickeln. Dadurch erhalten sie zwei Dinge, die Europa fehlen: Material und Kontrolle.

Europäischetracversuchen derweil, direkt einzukaufen. Ohne Zwischenhändler, ohne Unterstützung durch Lieferanten und mit kaum Planung. Laut Borgschulte wissen viele seiner europäischen Kunden bis zur letzten Sekunde nicht einmal, welche Art und Menge an Seltenen Erden sie benötigen. Das führt zu überstürzten Abschlüssen, Engpässen und hohen Preisen.

Giese brachte es auf den Punkt: „Die Amerikaner haben ein Gefühl der Dringlichkeit, finanzielle Stärke und Leute mit Mandaten und Fachkompetenz, die Entscheidungen treffen – alles Dinge, die Europa schmerzlich vermisst.“

Und das sind nicht nur leere Worte. Ein Insider eines großen deutschen Rüstungsunternehmens erklärte, die US-Konkurrenten hätten den Markt bereits weitgehend leergeräumt. Was übrig bleibt, ist teuer und knapp. Chinesische Güter, die vor April 2025, also vor Inkrafttreten des Rüstungsexportverbots, verkauft wurden, konnten zuletzt noch ungehindert gehandelt werden. Jetzt ist alles angespannt, und der Warenumschlag ist so rasant, dass niemand mehr tracüber die verfügbaren Mengen behält.

Europa reagiert mit Regeln, cashund verpassten Chancen.

Die US-Regierung ist an MP Materials beteiligt, dem Betreiber der einzigen Seltene-Erden-Mine in Amerika. Darüber hinaus garantiert das Verteidigungsministerium einen Mindestabnahmepreis für zehn Jahre und schützt MP damit vor Marktschwankungen. So sieht echte Unterstützung aus.

Auf der anderen Seite arbeitet die EU weiterhin an Rahmenbedingungen. Sie verabschiedete 2024 das Gesetz über kritische Rohstoffe und steht kurz vor dem Start von RESourceEU, einem Programm zur Verringerung der Abhängigkeit von China durch den Aufbau alternativer Lieferketten. Die deutsche Förderbank KfW legte letztes Jahr einen Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro zur Unterstützung von Rohstoffinvestitionen auf. Bislang hat der Privatsektor jedoch kaum von dieser Unterstützung profitiert.

Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, erklärte, sein Unternehmen führe wöchentliche Belastungstests an Rohstoffen durch. Er räumte ein, dass der Automobilbereich (überraschenderweise nicht der Verteidigungsbereich) vor größeren Problemen stehe, da er einen höheren Bedarf an Seltenen Erden habe.

„Wir haben derzeit Milliarden auf Lager“, sagte. Aber nicht jeder ist Rheinmetall. Kleinere Firmen können es sich nicht leisten, Material zu horten oder das Risiko einzugehen, auf ungenutzten Beständen sitzen zu bleiben.

Hans Christoph Atzpodien, Präsident des Bundesverbands der deutschen Verteidigungsindustrie, wies die Behauptung zurück, Europa sei unvorbereitet gewesen. Er sagte, der eigentliche Engpass sei nicht der Bergbau, sondern die Weiterverarbeitung.

Europa, einschließlich Deutschland, verfügt über unterirdische Vorkommen an Seltenen Erden. Die Raffination wurde jedoch stets nach China ausgelagert. Das rächt sich nun. Die Verarbeitung dieser Mineralien erzeugt giftige Abfälle und erfordert Technologien, über die die meisten EU-Länder schlichtweg nicht verfügen.

In Frankreich haben Unternehmen Rentner zurückgeholt, um in Vergessenheit geratene Fähigkeiten wiederzubeleben. Deutschland verhandelt mit Kanada über eine mögliche Zusammenarbeit im U-Boot-Bereich, die auch Investitionen in den kanadischen Bergbau umfassen würde. Kanada verfügt über Reserven von über 15 Millionen Tonnen Seltener Erden.

Doch das reicht noch nicht. Thorsten Benner vom Global Public Policy Institute sagte, der gesamte Kontinent müsse so handeln, als befände er sich im Krisenmodus. „Es muss heißen: ‚Alles, was nötig ist‘ – genau wie in der Eurokrise“, sagte er.

Im Moment sind es allerdings nur diejenigen auf der anderen Seite des Atlantiks, die so tun, als sei die Situation dringlich.

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