SAP gab am Dienstag bekannt, dass es in den nächsten zehn Jahren mehr als 20 Milliarden Euro (23,3 Milliarden US-Dollar) in seine eigenen Cloud-Systeme in ganz Europa investieren wird.
Das deutsche Softwareunternehmen erweitert nicht nur seine Cloud-Tools, sondern entwickelt auch eine Lösung für KI und Datenkontrolle in der EU – ganz ohne Zwischenhändler. Von der Hardware bis zu den Cloud-Diensten wird alles innerhalb Europas angesiedelt sein.
SAP bestätigte, dass es eine neue Infrastructure-as-a-Service (IaaS)-Plattform anbieten wird, damit Unternehmen über das eigene Netzwerk von SAP auf Rechenleistung zugreifen können.
Diese Art von Diensten werden üblicherweise von Microsoft oder Amazon betrieben, SAP bietet jedoch eine Version an, die alles lokal verwaltet. Zusätzlich gibt es eine neue Option für die Installation vor Ort.
Das bedeutet, dass Kunden die von SAP betriebene Infrastruktur direkt in ihren eigenen Rechenzentren installieren können. Niemand sonst kümmert sich darum. Es sind keine Grenzübertritte erforderlich.
SAP fügt lokale Optionen hinzu, um Daten innerhalb Europas zu halten
Der Grund für diesen Schritt ist einfach: EU-Recht. SAP erklärte, das Ziel sei es, Kundendaten innerhalb der Europäischen Union zu speichern, um die DSGVO-Bestimmungen . „Innovation und Datensouveränität dürfen nicht getrennt betrachtet werden – sie müssen Hand in Hand gehen“, sagte Thomas Saueressig, SAP-Vorstandsmitglied und verantwortlich für Kundenservice und -abwicklung. Er äußerte sich am Dienstag im Rahmen einer virtuellen Pressekonferenz.
Saueressig stellte klar, dass europäische Unternehmen zwar vollen Zugang zu den neuesten Technologien wie künstlicher Intelligenz benötigen, dieser aber streng kontrolliert werden muss. Er sagte, sie müssten diese „im Rahmen einer umfassenden Souveränität“ nutzen können
Dieses Streben nach Souveränität ist kein Zufall. Im vergangenen Jahr haben Technologieunternehmen und Regierungen begonnen, ihre Abhängigkeit von ausländischen Systemen zu überdenken.
Die Spannungen zwischen den Ländern haben die Nutzung externer Cloud-Plattformen riskant gemacht. Daher versuchen Staaten nun, wichtige Recheninfrastruktur wieder ins Inland zu verlagern. Dabei handelt es sich um die Server und Systeme, die für das Training und den Betrieb leistungsstarker KI-Tools benötigt werden.
SAP ist damit nicht allein. Auch Amazon und Microsoft haben eigene Cloud-Lösungen angekündigt, um die Daten europäischer Nutzer innerhalb der EU zu halten.
Alle kämpfen um dasselbe Terrain, doch SAP verfolgt einen anderen Ansatz. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Europa und unterliegt bereits EU-Recht. Es muss sich nicht an US-amerikanische Vorschriften anpassen. Der gesamte Betrieb bleibt lokal.
Die Europäische Kommission treibt dieses Thema mit Nachdruck voran. Sie hat KI zu einem zentralen Thema für die gesamte EU gemacht. Laut Kommission hinkt Europa technologisch seit Jahren den USA und China hinterher. Deshalb investiert sie nun auch eigene Mittel.
Anfang des Jahres legte die Kommission einen separaten Plan vor, 20 Milliarden Euro in KI-Gigafabriken zu investieren. Dabei handelt es sich um riesige Anlagen mit Supercomputern, die KI-Modelle der nächsten Generation von Grund auf entwickeln und ausführen sollen.
SAP bestätigte die enge Einbindung in die Initiative. Gleichzeitig erklärte das Unternehmen jedoch, nicht die Federführung zu übernehmen, sondern lediglich Teil des Entwicklungsteams zu sein.
Dennoch ist die Überschneidung zwischen Cloud und KI offensichtlich. Um KI sicher und nutzbar zu machen, benötigt man eine sichere lokale Infrastruktur. Diese lässt sich nicht aufbauen, wenn sich alle Server im Ausland befinden. Deshalb braucht Europa eine souveräne Cloud – nicht nur aus Gründen der Compliance, sondern auch, um seine eigenen KI-Systeme zu betreiben.

