Der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell, hat diese Woche die Finanzmärkte erschüttert und ihnen einen Realitätscheck verpasst, der die Händler in Aufruhr versetzte.
Am Mittwoch skizzierte einen vorsichtigen Ansatz für Zinssenkungen im Jahr 2025. Aktien brachen um 3 % ein, Anleihenkurse brachen ein, und die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit sieben Monaten. Der Ausverkauf war brutal – die stärkste Marktreaktion nach einer Sitzung seit Beginn der Pandemie.
Anleger, die jahrelang von Zinssenkungen und billigem Geld berauscht waren, reagierten verärgert auf die Nachricht. Powells Botschaft war eindeutig: Die Fed bremst die Geldpolitik. Nach drei aufeinanderfolgenden Zinssenkungen rechnen die Verantwortlichen nun mit nur noch zwei weiteren Senkungen in den nächsten zwölf Monaten.
Für Händler, die auf eine kontinuierliche Lockerung der Geldpolitik zur Stützung der Vermögenspreise gesetzt hatten, war dies verheerend. Die defider letzten zwei Jahre? Sie ist vorbei.
Powells „neutrale“ Haltung verunsichert die Märkte
Powells Vorsicht kam nicht völlig unerwartet. Die Wirtschaftsdaten zeichnen ein gemischtes Bild: Die Inflation liegt weiterhin über dem 2%-Ziel der Fed, während sich die US-Wirtschaft als überraschend widerstandsfähig erwiesen hat.
Händler hatten bereits höhere Renditen eingepreist und den Zinssatz für zehnjährige US-Staatsanleihen seit September um 75 Basispunkte erhöht. Doch selbst erfahrene Marktteilnehmer waren überrascht, wie nahe die Fed dem Ende ihres Zinssenkungszyklus zu kommen scheint.
Die Märkte reagierten schnell – und heftig. Der Swap-Markt rechnet nun mit weniger als zwei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte im Jahr 2025. Einige Händler, beispielsweise im Optionsmarkt für den Secured Overnight Financing Rate (SOFR), spekulieren sogar darauf, dass die Fed ihre Kursänderung rückgängig macht und die Zinsen im nächsten Jahr erneut anhebt.
Und dann ist da noch der Unsicherheitsfaktor: der designiertedentDonald Trump. Nur wenige Wochen vor seinem Einzug ins Weiße Haus hat Trump eine aggressive Wirtschaftspolitik versprochen.
Höhere Zölle und Steuersenkungen stehen zur Debatte – Maßnahmen, vor denen Ökonomen warnen, da sie die Inflation anheizen könnten. Powells Vorsicht ist in diesem Zusammenhang verständlich, doch sie macht die ohnehin schon angespannte Lage der Händler nicht einfacher.
Die globalen Märkte spüren die Auswirkungen
Euro, Pfund und Schweizer Franken verloren jeweils über 1 %, während der Offshore-Yuan den niedrigsten Stand seit 2023 erreichte. Auch die Schwellenländer blieben von den Turbulenzen nicht verschont.
Die indische Rupie fiel unter 85 Rupien pro Dollar und erreichte damit ein neues Rekordtief. Die Rendite zehnjähriger indischer Staatsanleihen stieg auf 6,78 Prozent, und der NSE Nifty 50 Index gab um 0,6 Prozent nach.
Eine Kombination aus schwachen regionalen Währungen, Kapitalabflüssen und einem stark wachsenden Handelsdefizit defidie Rupie zusätzlich unter Druck.
Unterdessen erlitten risikoreichere Segmente der Wall Street, die von Zinssenkungen und Optimismus hinsichtlich Trumps Wachstumspolitik profitiert hatten, schwere Verluste. Der Goldman-Sachs- Index der am stärksten leerverkauften Aktien fiel um fast 5 Prozent – der stärkste Tagesverlust seit Februar.
Ein Aktienkorb, der verlustbringende Technologieunternehmen trac, verzeichnete einen Kursrückgang von 6,4 Prozent – den stärksten Einbruch seit zwei Jahren. Tesla-Aktien brachen um 8,3 Prozent ein, während Bitcoin, der sich bei rund 108.000 US-Dollar bewegte, um 5 Prozent nachgab.
Ein kriegerischer Kurswechsel mit nachhaltigen Auswirkungen
Die Entscheidung der Fed, die Zinsen am Mittwoch um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 % bis 4,5 % zu senken, hätte eigentlich Erleichterung bringen sollen. Doch die Prognosen zur zukünftigen Entwicklung überschatteten die Zinssenkung.
Powells Punktediagramm, ein Instrument zur Darstellung der Zinserwartungen der politischen Entscheidungsträger, prognostiziert für 2025 lediglich zwei Zinssenkungen, im Vergleich zu vier im September vorhergesagten. Anleger, die ohnehin schon aufgrund der hartnäckigen Inflation und des soliden Wirtschaftswachstums besorgt sind, befürchteten, die Fed könnte die Zinssenkungen ganz einstellen – oder die Geldpolitik sogar noch einmal anheben.
Die Aktienkurse reagierten entsprechend. Der Dow Jones Industrial Average fiel um über 1.100 Punkte und verzeichnete damit den zehnten Verlusttag in Folge – ein Novum seit 1974. Der S&P 500 und der Nasdaq gaben um 3 % bzw. 3,6 % nach.

