Facebook Libra und die dazugehörige Calibra-Wallet sahen sich zweifellos mehr Widerstand und Kontroversen ausgesetzt als jede andere Stablecoin, und das schon vor ihrer Markteinführung.
Von der US-Regierung über internationale Bankenorganisationen bis hin zu den G-7-Staaten haben sich die meisten kritisch gegenüber dem von Facebook Inc. eingeführten Stablecoin geäußert, wenngleich dieser in Zusammenarbeit mit 99 anderen Investoren entstanden ist.
Facebook-Verbindung zwischen Libra und Calibra
Für alle, die es noch nicht wissen: Facebook Libra und Calibra sind Teil desselben Projekts. Libra ist die Blockchain, die den Libra-Stablecoin steuert, während Calibra die Wallet ist, die standardmäßig mit dem Stablecoin ausgeliefert wird.
Die Verbindung zwischen Facebook Libra und Calibra geht jedoch tiefer als bei einem herkömmlichen Stablecoin und einer Wallet. Einem Bericht von Cindicator zufolge ist die Libra-Blockchain zwar nicht vollständig dezentralisiert, weist aber dennoch einen gewissen Grad an Dezentralisierung auf, da jedes der 100 investierenden Unternehmen eine Stimme hat.
Calibra hingegen wird von Facebook kontrolliert; daher ist es weder dezentralisiert, noch vermittelt es den Nutzern ein Gefühl der Sicherheit in Bezug auf ihre Geldbörsen.
In ähnlicher Weise wären die Blockchain und die hundert (100) investierenden Unternehmen sich der realendentder Nutzer bewusst, Calibra hätte alle realendentund darüber hinaus auch deren persönliche Informationen, da die verwaltende Stelle Facebook ist.
Dies birgt ein enormes Manipulationsrisiko, das US-amerikanische Abgeordnete dazu veranlasst, Facebook mit der Katastrophe vom 11. September zu vergleichen. Erschwerend kommt hinzu, dass Calibra die technischen Möglichkeiten zur Nutzermanipulation besitzt, während die Blockchain diese offensichtlich nicht bietet.
Das Datenschutzproblem wird durch die KYC-Regeln (Know Your Customer) noch verstärkt. Während die Libra-Blockchain offensichtlich keine KYC-Pflicht hat, ist diese bei Calibra obligatorisch. Für diejenigen, die Libra dennoch ausprobieren möchten, gibt es jedoch einen gewissen Ausgleich.
Facebook Libra hat die volle rechtliche Kontrolle über die Blockchain; daher kann jede Libra-bezogene Aktivität durch rechtliche Schritte unterbunden werden. Calibra hingegen besitzt keine derartige Macht über Libra. Zwar kann Calibra Benutzerkonten einfrieren oder freigeben, aber es kann die Libra-Blockchain nicht nach Belieben manipulieren.
Ob Facebook Libra und Calibra eine „Guter Polizist, böser Polizist“-Strategie verfolgen, müssen die Nutzer entscheiden, und bis zum Start hat das Projekt noch einen langen Weg vor sich.
Facebook Libra und Calibra in einer klaren Gut-Böse-Polizisten-Routine