Ein einmonatiger Abwärtstrend bei Kryptowährungspreisen setzt die Digital Asset Treasury Companies (DATs) zusätzlich unter Druck, und die erheblichen Verluste von Evernorth bei seiner jüngsten XRP Investition kristallisieren sich schnell als eines der deutlichsten Anzeichen für diese Belastung heraus.
Evernorth sorgte kürzlich mit dem Erwerb großer Mengen an XRP. Laut einer aktuellen Analyse des On-Chain-Datenanbieters CryptoQuant.
Evernorth und DATs geraten unter Druck, da die Kryptoverluste zunehmen
Nur wenige Wochen nach dem Aufbau seiner XRPPosition weist Evernorth nun unrealisierte Verluste in Höhe von rund 78 Millionen US-Dollar auf. Dieser Kursverfall verdeutlicht die hohe Sensibilität von DATs gegenüber Preisschwankungen – nicht nur bei Bitcoin und Ethereum, sondern auch bei anderen Token mit geringerer Liquidität und höherer Volatilität.
Evernorth ist nicht allein. Die Aktien von Strategy (MSTR), die weithin als erstes prominentes Modell für Bitcoin Treasury-Management gelten, sind im letzten Monat im Zuge des Bitcoin Kursrückgangs um mehr als 26 % gefallen. Laut Marktdaten liegen die Aktien von Strategy nun mehr als 50 % unter ihrem Allzeithoch.
Trotz all dieses Drucks steht Strategy noch relativ gut da. Einem Bericht von BitcoinTreasuries zufolge belaufen sich die durchschnittlichen Kosten der Reserven des Unternehmens auf rund 74.000 US-Dollar pro BTC, was bedeutet, dass es weiterhin einen erheblichen Buchgewinn auf seine Bitcoin Bestände hält.
Noch besorgniserregender sind die Unternehmen, deren Hauptvermögen in anderen wichtigen Kryptowährungen liegt. BitMine, das mehr Ethereum hält als jedes andere Unternehmen weltweit, verzeichnet nun einen Verlust von fast 2,1 Milliarden US-Dollar auf seine nicht realisierten Ether-Reserven. Das Unternehmen besitzt aktuell fast 3,4 Millionen ETH, wobei allein im letzten Monat über 565.000 ETH hinzukamen. Dies deutet darauf hin, dass die Akkumulation trotz nachlassender Marktdynamik anhielt.
Diejenigen Analysten, die den Sektor beobachten, sehen Unternehmen, die eng mit der Entwicklung des Kryptomarktes verknüpft sind – und deren Bewertungen immertrondamit korrelieren –, als weniger Puffer für Unternehmen ohne diversifizierte Umsatzmodelle, wenn die Preise einbrechen.
Einem kürzlich erschienenen Bericht zufolge haben Privatanleger insgesamt rund 17 Milliarden Dollar direkt durch Investitionen in Unternehmen verloren, die das DATs- Modell übernommen haben.
Auch die Prämie, die diese Unternehmen früher für ihren Nettovermögenswert ihrer Kryptobestände erzielten, war zum Zeitpunkt der Analyse nahezu vollständig verschwunden, was auf einen deutlichen Stimmungswandel hindeutet. Das mit der Spekulation auf steigende Kryptopreise verbundene Risiko rückt für Aktienanleger und Analysten immer stärker in den Vordergrund.
Marktforscher und Risikokapitalanalysten vergleichen das Comeback des DAT mit der Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre. In beiden Fällen entstand eine Welle von Unternehmen rund um eine revolutionäre neue Technologie. Langjährige Überzeugungen und Innovationen beflügelten andere. Schnelle Gewinnmöglichkeiten und spekulative Euphorie der Anleger trieben wiederum andere an.
Unternehmen wie Breed Capital sind der Ansicht, dass Bitcoin-zentrierte Treasury-Fonds mit Blick auf die Zukunft besser aufgestellt sein könnten. Die Liquidität von Bitcoin, das institutionelle Engagement und das relativ stabile regulatorische Umfeld bedeuten, dass er weniger anfällig für abrupte Markteinbrüche ist als Token mit geringeren Orderbüchern.
Die DAT-Industrie steht unter kritischem Druck
Die Situation bei Evernorth dürfte die ohnehin schon verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber DAT-Unternehmen noch verschärfen – insbesondere gegenüber solchen, deren Geschäftsstrategiendent von steigenden Tokenpreisen als von stabilen operativen Einnahmen abhängen.
Investoren konzentrieren sich nun darauf, ob diese Unternehmen in der Lage sind, einen nachhaltigen cash zu generieren, ob ihre Treasury-Richtlinien vor Abwärtsrisiken schützen und ob sie über eine sinnvolle Diversifizierung (real oder erwartet) und Liquidität verfügen.
Genau diese Fragen werden darüber entscheiden, welche Unternehmen diesen Marktsturm überstehen und welche am Ende untergehen und eine „Umstrukturierung“ benötigen.

