- Entscheidung zur Konsultation über eine digitale Euro-„Politik“ laut Burkhard Balz
- Befürchtungen, dass ein Rückstand im Wettlauf um digitale Währungen die geldpolitischen Maßnahmen Europas schwächen wird
Die Diskussion um eine digitale Zentralbankwährung für die EU wurde im Jahr 2020 bisher mit dem Bedarf an vermehrten cash Transaktionen infolge der Coronavirus-Pandemie begründet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bisher keine weiteren Gründe für die Beschleunigung der Einführung eines digitalen Euro genannt. Die EZB betonte, dass jede digitale Währung cash , nicht ersetzen würde. Burkhard Balz, Politiker und Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, vertritt jedoch nicht diese offizielle Linie.
Balz stellte heute klar: „Die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung ist eine politische und keine technische Entscheidung.“ Er fügte hinzu, dass die gesellschaftlichen Auswirkungen eines digitalen Euros im Hinblick auf Alternativen geprüft werden müssten.
Warum ist der digitale Euro eine „politische Entscheidung“?
Erstmals werden in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich mehr Kartenzahlungen als cash . 80 % der Zentralbanken arbeiten mittlerweile an digitalen Währungen. Es besteht die Befürchtung, dass die zunehmende Nutzung virtueller Währungen wie Bitcoin die Wirksamkeit der Geldpolitik ernsthaft infrage stellt. Der Vermögensverwaltungsökonom Frederik Ducrozet bestätigt, dass Facebooks Plan zur Einführung der Kryptowährung Libra das Umdenken der Zentralbanken beschleunigt hat. Eine geringere Nutzung europäischer Banken zugunsten digitaler Vermögenswerte würde die Eurozone zudem finanziell schwächen.
Die Einführung eines digitalen Euro wäre eine gewaltige Herausforderung. Die EZB hat bereits Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Geldwäsche. China und Russland haben ihre Bemühungen um die Einführung einer digitalen Währung bereits verstärkt; China testet derzeit seinen digitalen Yuan. Die USA verfolgen einen vorsichtigeren Ansatz. Jay Powell dementierte gestern, dass bereits eine Entscheidung über eine digitale Währung gefallen sei, und betonte, dass es wichtiger sei, die richtige Lösung zu finden, als der Erste zu sein.
Die dreimonatige öffentliche Konsultation in Europa hat begonnen ; eine Entscheidung wird Mitte 2021 erwartet. Die Entwicklung eines digitalen Euro könnte weitere vier Jahre in Anspruch nehmen. China hat hier gegenüber der EZB eindeutig einen Vorsprung.

