Die chinesischen Märkte erholen sich rasant, und US-amerikanische Vermögenswerte leiden darunter. Seit Jahresbeginn haben chinesische Aktien und Staatsanleihen ihre amerikanischen Pendants in US-Dollar gerechnet übertroffen.
Der MSCI China Index notiert erstmals seit Mai 3 % über dem MSCI USA Index. Noch vor zwei Wochen lagen chinesische Aktien 14 % zurück.
Dieser Umschwung ist ein starkes Indiz für Chinas Comeback, denn chinesische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 7 bis 10 Jahren bieten Anlegern in diesem Jahr 2 % höhere Renditen als US-Staatsanleihen.
Hongkongs Märkte boomen
Hongkong führt die Liste an, der Hang Seng Index stieg um 6,2 % und schloss bei 22.443,73 Punkten.
Der Hang Seng China Enterprises Index, der die Wertentwicklung chinesischer Unternehmen an der Hongkonger Börse trac, stieg unterdessen um über 7 %. Er verzeichnete damit den 13. Tag in Folge Kursgewinne – die längste Serie seit Januar 2018.
Die Händler sind begeistert. Unternehmen wie Longfor Holdings legten um über 25 % zu. Die Shimao Group, ein weiterer wichtiger Akteur, schoss um 87 % in die Höhe und erreichte damit ihren höchsten Wert seit über einem Jahr.
Die Kaisa Group folgte dem gleichen Trend und legte um 40,48 % zu. Selbst Schwergewichte wie China Overseas Land & Investment verzeichneten einen Anstieg von 12,31 %.
China Vanke lag mit einem Anstieg von 39,6 % nicht weit dahinter.

Pekings Immobilienrettungsplan
Die staatlichen Konjunkturmaßnahmen sind der eigentliche Motor dieser Markterholung. Um den angeschlagenen Immobiliensektor zu retten, hat Peking einige weitreichende Reformen eingeleitet.
Die Beschränkungen für den Kauf von Wohnimmobilien in Guangzhou wurden aufgehoben. Auch die Frist für die Steuerzahlung beim Kauf von Wohnimmobilien in Shanghai wurde verkürzt.
In Shenzhen wurden einige Kaufbeschränkungen aufgehoben, sodass die Menschen in bestimmten Bezirken mehr Immobilien erwerben können.
Hedgefonds haben in Rekordhöhe Geld in chinesische Aktien investiert.
Die Märkte auf dem Festland sind zwar derzeit wegen der Feiertage der Goldenen Woche geschlossen, aber alle Augen sind gespannt darauf, was passieren wird, wenn sie am 8. Oktober wieder öffnen.
Unterdessen gewinnt die Entdollarisierung immer mehr an Bedeutung. Die BRICS-Staaten treiben diese Agenda weiterhin voran und versuchen, die Abhängigkeit der Welt von Amerika und dem Dollar zu verringern.
Der Hauptgrund dafür sind geopolitische Spannungen. Über 40 Länder unterliegen US-Sanktionen in irgendeiner Form, und niemand möchte, dass seine Vermögenswerte eingefroren oder ohne Vorwarnung vom Weltwirtschaftssystem abgeschnitten werden.
Chinas grenzüberschreitendes Interbanken-Zahlungssystem (CIPS) expandiert rasant. In diesem Jahr traten 62 neue Teilnehmer dem System bei.
Russland spielt in diesem Bereich ebenfalls eine große Rolle und arbeitet eng mit China zusammen, um die eigenen Währungen (oder eine gemeinsame BRICS-Währung) im Welthandel zu fördern.
Der für später im Monat geplante BRICS-Gipfel dürfte die Bemühungen um die Entdollarisierung auf eine neue Ebene heben, da Russland weiterhin auf eintronBündnis der Mitgliedsländer drängt.
Eine Idee ist ein auf Blockchain basierendes Zahlungssystem, das als „BRICS-Brücke“ bezeichnet wird. Indien und Malaysia wickeln den Handel bereits in ihren eigenen Währungen ab.
US-Finanzministerium verkauft Ölpakete und Veränderungen im Ölhandel
Wie bereits erwähnt, hat China US-Staatsanleihen in rasantem Tempo abgestoßen. Im ersten Quartal verkauften sie Anleihen im Wert von rund 53,3 Milliarden US-Dollar.
Belgien hat im gleichen Zeitraum auch Staatsanleihen im Wert von 22 Milliarden Dollar abgestoßen.
Und dann ist da noch das Öl. Es ist einer der meistgehandelten Rohstoffe der Welt, und traditionell wurden Ölgeschäfte in Dollar abgewickelt. Auch das ändert sich.
Aktuell werden rund 20 % der Ölgeschäfte ohne US-Dollar abgewickelt. Länder in Südostasien, Lateinamerika und dem Nahen Osten wollen ihre Reserven diversifizieren.
Bei einem kürzlich stattgefundenen ASEAN-Treffen erörterten die Finanzminister die Verringerung ihrer Abhängigkeit vom Dollar und vom Euro.
Bevor die Entdollarisierung jedoch wirklich Fuß fassen kann, müssen einige große Herausforderungen bewältigt werden. Ein Hauptproblem besteht darin, dass es keine einzelne Währung gibt, die den Dollar ersetzen könnte.
Der chinesische Renminbi wird zwar häufig erwähnt, aber ihm fehlt die nötige Liquidität und das Vertrauen, um eine globale Reservewährung zu sein. So weit ist er einfach noch nicht.
Ein weiteres Problem ist die Währungsvolatilität. Die Währungen der BRICS-Staaten sind größtenteils instabil, da viele von ihnen noch immer in irgendeiner Form an den US-Dollar gekoppelt sind, was eine vollständige Unabhängigkeit erschwert.
Tatsächlich ist die Welt an den Umgang mit Dollar gewöhnt. Es wird viel Zeit und koordinierte Anstrengungen erfordern, diese Dominanz zu überwinden.

