Der Kryptoverwahrer BitGo hat nach einem starken Umsatzanstieg Pläne für einen Börsengang in den USA bekannt gegeben. Aus dem Börsenprospekt geht hervor, dass sich der Umsatz im ersten Halbjahr 2025 nahezu vervierfacht hat, was das beschleunigte Wachstum des Sektors digitaler Vermögenswerte unterstreicht.
Laut der bei der US-Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission) eingereichten Unterlagen erwirtschaftete BitGo in den sechs Monaten bis zum 30. Juni 2025 einen Umsatz von 4,19 Milliarden US-Dollar, gegenüber 1,12 Milliarden US-Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Der Gewinn hingegen ging zurück: Der Nettogewinn sank auf 12,6 Millionen US-Dollar, verglichen mit 30,9 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Analysten erklärten den Rückgang mit steigenden Kosten aufgrund des Unternehmenswachstums zur Deckung der Nachfrage institutioneller Kunden.
BitGo, gegründet 2013, ist eines der größten Krypto-Verwahrungsunternehmen in den USA. Es konzentriert sich auf die Speicherung und den Schutz digitaler Vermögenswerte für institutionelle Anleger. Angesichts der stark gestiegenen Beliebtheit von Verwahrungsdiensten im Mainstream-Bereich betrachten neue Investoren Dienstleistungen wie die von BitGo als unerlässlich.
Die letzte bekannte Bewertung des Unternehmens lag bei 1,75 Milliarden US-Dollar im Rahmen einer Finanzierungsrunde im Jahr 2023.
BitGo will sich dem Börsengangsboom in der Kryptoindustrie anschließen
BitGo plant, seine Aktien unter dem Kürzel „BTGO“ an der New Yorker Börse zu notieren. Goldman Sachs und Citigroup sind die führenden Konsortialbanken, was das große Interesse der Wall Street an der Infrastruktur für digitale Vermögenswerte.
Der Börsengang erfolgte zu einem Zeitpunkt, als sich der US-Markt nach monatelanger Stagnation Anfang 2025 wieder erholte. Analysten prognostizieren, dass dieser Zeitraum zu den aktivsten Börsengängen seit 2021 zählen wird. Anders als in den Vorjahren wird die neue Welle jedoch von Krypto-Unternehmen getragen, die nun die gesamte Marktentwicklung bestimmen.
Der Stablecoin-Emittent Circle, die Handelsplattform Bullish und der Blockchain-Kreditgeber Figure haben in diesem Jahr ihr Börsendebüt gefeiert. Beide verzeichneten amtronKursgewinne, was darauf hindeutet, dass Anleger zunehmend Interesse an Aktien von Unternehmen aus dem Kryptowährungsbereich zeigen. Ihre positive Entwicklung hat das Vertrauen gestärkt, dass die Nachfrage über Privatanleger hinaus auch institutionelle Anleger erreicht.
Die Faktoren, die diese Dynamik antreiben, sind laut Marktexperten vielfältig. Erfolge in Washington im Regulierungsbereich haben für mehr Klarheit im Umgang mit digitalen Vermögenswerten gesorgt und die Angst vor abrupten politischen Änderungen verringert. Die Zulassung und der Ausbau von Krypto-ETFs haben im Laufe der Zeit Milliarden von Dollar an Kapitalzuflüssen generiert und digitale Währungen als festen Bestandteil gängiger Anlageportfolios etabliert.
„Investoren betrachten digitale Vermögenswerte mittlerweile als eigenständige Anlageklasse und nicht mehr nur als etwas aus einer Fantasiewelt, in der man täglich Milliarden verdienen kann“, so Josef Schuster, Gründer und CEO des IPO-Analyseunternehmens IPOX. Dieser Mentalitätswandel hat große Investmentbanken dazu veranlasst, engere Beziehungen zu Krypto-Unternehmen aufzubauen, sei es durch Direktinvestitionen oder die Begleitung von Börsengängen.
Die Häufung von Krypto-Börsengängen trägt auch dazu bei, die öffentliche Wahrnehmung des IPO-Marktes selbst zu verändern. Während einst Technologie- oder Gesundheitsunternehmen mit aufsehenerregenden Debüts dominierten, rücken nun Unternehmen im Bereich digitaler Vermögenswerte in den Vordergrund. Für BitGo bietet dieser Optimismus eine ideale Ausgangslage, um von der wachsenden Begeisterung der Anleger für Unternehmen zu profitieren, die Infrastruktur und Sicherheit im Sektor gewährleisten können.
Kryptowährungen rücken näher an den Mainstream der Finanzwelt heran
BitGos Entscheidung für einen Börsengang zeigt, wie sehr Kryptowährungen den Finanzmarkt durchdrungen haben. Einst als Randerscheinung abgetan, profitiert die Branche heute von Milliardeninvestitionen institutioneller Anleger und immer ambitionierteren Regulierungen.
Der starke Umsatzanstieg deutet auf wachsendes Vertrauen in die Krypto-Infrastruktur hin, insbesondere in deren Verwahrungsplattform, die die Sicherheit der Vermögenswerte großer Investoren gewährleistet. Der Gewinnrückgang verdeutlicht jedoch die Gratwanderung zwischen Unternehmenswachstum und der Vermeidung sinkender Gewinnmargen.
Der Börsengang von BitGo wird für Anleger ein Lackmustest sein, ob sie der Wall Street die nötige Standhaftigkeit (und Toleranz) entgegenbringen, um Krypto-Infrastrukturunternehmen zu unterstützen, die langfristig Wert schaffen. Seine Performance könnte Einfluss darauf haben, wie Regulierungsbehörden, Institutionen und Privatanleger künftig ähnliche Börsengänge bewerten.
Wenn der Börsengang gelingt, könnte dies andere Krypto-Unternehmen dazu anregen, ebenfalls an die Börse zu gehen und digitale Vermögenswerte im globalen Finanzwesen zu verankern.

