Bitcoin erlebt einen schwierigen Tag. Der Kurs der weltweit bekanntesten Kryptowährung stürzte ab, verlor 3,20 % und fiel nach der bemerkenswerten Erholung vom Einbruch am 5. August unter 60.000 US-Dollar.
Was genau ist heute passiert, das Bitcoin so stark einbrechen ließ? Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle, die die Situation zusätzlich verschärfen. Zunächst einmal wurden die US-Verbraucherpreisindexdaten (VPI) veröffentlicht, und die sind enorm.

Die neuesten Daten zeigen, dass sowohl der Gesamt- als auch der Kern-Verbraucherpreisindex um 0,2 % gestiegen sind. Das klingt nach wenig, ist aber in der Finanzwelt eine wichtige Nachricht. Es bedeutet, dass sich die Inflation weiter abschwächt, was die US-Notenbank Federal Reserve möglicherweise zu einer Zinssenkung im September veranlassen könnte.
Man könnte meinen, das wäre gut für Bitcoin, oder? Niedrigere Zinsen bedeuten normalerweise mehr Geld, das in risikoreiche Anlagen wie Kryptowährungen fließt. Aber so einfach ist es nicht.
Der Liquidationsalbtraum
Bitcoin verlor über eine Milliarde Dollar an gehebelten Long-Positionen, als er versuchte, sich über 50.000 Dollar zu halten. Die Liquidation gehebelter Positionen löst einen Dominoeffekt aus, der den Verkaufsdruck erhöht und die Preise weiter drückt.
Und es betrifft nicht nur Kryptowährungen – auch Aktien geraten stark unter Druck. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq verzeichneten heute Verluste.
Noch vor den heutigen Inflationsdaten veröffentlichte die USA enttäuschende Beschäftigungsdaten, die die Befürchtung neu entfachten, dass wir auf eine Rezession zusteuern könnten.
Wenn Menschen sich Sorgen um eine Rezession machen, ziehen sie ihr Geld tendenziell aus risikoreicheren Anlagen wie Bitcoinab und investieren es in sicherere. Das ist eine schlechte Nachricht für Krypto-Investoren, die ohnehin schon verunsichert sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass große Unsicherheit hinsichtlich der Regulierung herrscht. Es gab einige bedeutende Marktbewegungen, wie beispielsweise den Transfer großer Vermögensmengen durch Jump Crypto.
Dies hat Spekulationen über mögliche Liquidationen ausgelöst, insbesondere angesichts laufender behördlicher Untersuchungen. Niemand mag Unsicherheit, vor allem nicht in einem so volatilen Markt wie dem Kryptomarkt.
Und dann ist da noch die bevorstehende US-dent. Krypto-Investoren bangen um den möglichen Sieg von Kamala Harris über Donald Trump, der als kryptofreundlicher gilt.
On-Chain-Chaos und ETF-Probleme
On-Chain-Liquidationen sind ein weiterer wichtiger Faktor für den heutigen Kursrückgang. Über 350 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten wurden über verschiedene DeFi Protokolle liquidiert. Dies betrifft auch wichtige Kryptowährungen wie Ether, Wrapped Staking ETH (wstETH) und Wrapped Bitcoin (wBTC).
Auch zentralisierte Börsen stehen nicht besser da. Die jüngsten Verbraucherpreisdaten könnten zwar eine Zinssenkung der Fed im September wahrscheinlicher machen, doch das hilft Bitcoin derzeit nicht. Im Gegenteil, es könnte die Lage sogar verschlimmern.
Analysten von Bitfinex zufolge deutet ein den Erwartungen entsprechender Verbraucherpreisindex darauf hin, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen wahrscheinlich senken wird. Dies könnte ihrer Ansicht nach einen Aufwärtstrend für Bitcoinauslösen, allerdings nur, wenn sich der Markt beruhigt.
Im Moment sehen wir das Gegenteil – die Wale verkaufen, da sich der Preis wichtigen Widerstandsmarken zwischen 64.000 und 65.000 Dollar nähert, was den Verkaufsdruck nur noch verstärkt.
Aurelie Barthere, leitende Forschungsanalystin bei Nansen, meldete sich ebenfalls zu Wort. Sie wies darauf hin, dass der seit dem zweiten Quartal anhaltende Disinflationstrend weiterhin intakt sei.
Dies verschafft der Fed etwas Spielraum für Zinssenkungen, ohne sich allzu große Sorgen um die Inflation machen zu müssen. Doch damit sich Bitcoin und andere Kryptowährungen erholen können, benötigen wir weitere positive Nachrichten zur US-Wirtschaft, insbesondere aus Verbrauchersicht.
Und wie sieht es mit ETFs aus? Man sollte meinen, dass angesichts all der Diskussionen um Zinssenkungen mehr Geld in Bitcoin und Ethereum -ETFs fließen würde. Und damit läge man – gewissermaßen – richtig.
Wir verzeichneten Anfang dieser Woche positive Mittelzuflüsse mit einem Nettozufluss von 38,94 Millionen US-Dollar zum 13. August. Die günstigen Verbraucherpreisdaten haben jedoch noch keine Kaufwelle ausgelöst.
Stattdessen beobachten wir, dass die Investoren abwarten und auf mehr Klarheit hoffen, bevor sie wieder einsteigen.
Die Analysten von Bitfinex sind hingegen optimistisch. Sie gehen davon aus, dass es im Vorfeld der Zinssenkung im September zu einer anhaltenden Rallye am Kryptomarkt kommen könnte.

