Dollar erreicht Einjahreshoch, Bitcoin fällt aufgrund von Spekulationen über eine Zinserhöhung der US-Notenbank unter 63.000 US-Dollar

- Der Anstieg des Dollars auf ein Einjahreshoch nahe 101 lässt sich auf eine restriktive Geldpolitik der Fed trac, nicht auf das schwindende Iran-Risiko
- EintronDollar setzt bitcoin durch Preisgestaltung und Liquidität unter Druck, und zinsgetriebene Kursanstiege treffen ihn am härtesten
- Die Abflüsse aus Spot-ETFs seit Mitte Mai verstärkten den Rückgang, das Tempo verlangsamte sich jedoch bis Ende Juni
Der Dollar-Index (DXY) erreichte am 23. Juni 101 Punkte und damit den höchsten Stand seit Mai letzten Jahres. Der Grund für diesen Anstieg ist für Kryptowährungen von großer Bedeutung. Anstatt lediglich eine Nachfrage nach sicheren Anlagen aufgrund der Lage im Nahen Osten zu sein, könnte dieser Anstieg ein Indiz dafür sein, dass die US-Notenbank die Zinssenkungen abgeschlossen hat und möglicherweise wieder mit Zinserhöhungen beginnt.
Bitcoin spürte die Auswirkungen sofort. Die jüngsten Nachrichten der US-Notenbank (Fed) zu künftigen Zinsentscheidungen führten dazu, dass der BTC-Kurs unter die Marke von 63.000 US-Dollar fiel und nun unter 62.500 US-Dollar notiert. Der DXY- trac, der den US-Dollar gegenüber einem Währungskorb wichtiger Währungen abbildet, würde mit einem Anstieg auf 101 Punkte den Großteil der Verluste des Vorjahres auf einen Schlag ausgleichen.
Analysten und Händler beobachten die Stärke des Dollars im Hinblick auf die Entwicklungen im Iran-USA-Konflikt. Die USA und der Iran streben eine 60-tägige Waffenruhe an, in deren Rahmen die Gespräche über ein endgültiges Abkommen zwischen beiden Seiten fortgesetzt werden sollen. Der Rohölpreis ist stark auf rund 76 US-Dollar gefallen, ein Niveau, das seit Anfang März nicht mehr erreicht wurde. Der Energieschock, der die Märkte weltweit erschüttert hat, lässt nach.
Aktuell steigt der Dollar, obwohl die Kriegsängste nachlassen. Wäre der Anstieg tatsächlich auf den Iran zurückzuführen, hätte das Gegenteil eintreten müssen. Lässt man die geopolitischen Faktoren außer Acht, bleiben die Zinserwartungen übrig, und diese haben sich deutlich nach oben verschoben.
Neun Beamte der US-Bundesregierung sehen nun eine Erhöhung unter Warsh
Der Tonfall der Fed-Prognosen zu künftigen Zinssätzen hat sich unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warshmaticverändert. Neun von neunzehn Mitgliedern gehen nun davon aus, dass es in diesem Jahr mindestens eine Zinserhöhung geben wird. Die Inflation lag im Mai bei 4,2 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel von 2 Prozent. Dieser Wert fließt maßgeblich in die aktuellen Prognosen ein.
Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung liegt bis September bei 70,3 %, bis Oktober bei 78,3 % und bis Dezember bei 86,1 %. Noch vor Kurzem ging es in der Debatte darum, wie viele Kürzungen bevorstehen. Jetzt geht es um die Anzahl der Erhöhungen.

Quelle: CME Group
Die Stärke des Dollars trifft Bitcoin am härtesten, wenn es um Zinssätze geht
Bitcoin wird in US-Dollar gehandelt. EintronDollar verteuert BTC für alle, die Euro, Yen oder Won halten. Ein steigender Dollar signalisiert zudem tendenziell eine geringere Liquidität und höhere Renditen, was Kapital in cash und Staatsanleihen lenkt und von renditelosen Anlagen abzieht.
Dieser inverse Zusammenhang ist meist schwach. Er verstärkt sich jedoch in einem bestimmten Fall deutlich: wenn der Dollar aufgrund von Zinserwartungen und nicht aus Angst steigt. Genau diese Konstellation herrscht aktuell. Der Dollar steigt nicht, weil Anleger verängstigt sind, sondern weil sie befürchten, dass Geld bald teurer wird. Und genau diese Form der Dollarstärke verträgt Bitcoin am schlechtesten.
ETF-Abflüsse richten echten Schaden an
Bitcoin Spot-ETFs haben sich vom Rückenwind zum Bremsklotz gewandelt. Laut Daten von SoSoValue verzeichnen Bitcoin Spot-ETFs nun seit sieben Wochen in Folge Abflüsse. Seit der Woche vom 15. Mai sind 6,01 Milliarden US-Dollar aus Bitcoin -Spot-ETFs abgeflossen. Dieselben Produkte, die Bitcoin zu neuen Höchstständen verholfen haben, beschleunigen nun den Abwärtstrend, und Rücknahmen in diesem Umfang zwingen unabhängig von der Markteinschätzung zum Verkauf.

Quelle: SoSoValue
Für Bitcoin ist ein Schlusskurs über 62.000 US-Dollar ein wichtiger Faktor, der auch mit dem 200-Wochen-Durchschnitt übereinstimmt. Fast alle aktuellen Gegensignale lassen sich auf eine Ursache trac: die vom Markt plötzlich erwartete Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank. Die positive Markteinschätzung setzt voraus, dass diese Überzeugung zunächst erschüttert wird.
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Anush Jafer
Anush ist Krypto-Analyst und Journalist mit vier Jahren Branchenerfahrung. Er berichtet über Stablecoins, On-Chain-Analysen, regulatorische Entwicklungen und makroökonomische Entwicklungen im Kryptobereich. Außerdem moderiert er die Live-Markt-Streams und Podcasts von Cryptopolitan.
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