Die Märkte gerieten am Sonntagabend in einen regelrechten Zusammenbruch, nachdem die Vereinigten Staaten den Iran mit einem direkten Militärschlag bombardiert hatten und der Iran daraufhin die Straße von Hormus, die wichtigste Ölroute der Welt, sperrte.
Das hat heftige Kursstürze an allen wichtigen Märkten ausgelöst, von Aktien bis Bitcoin, von Öl bis zum Dollar und Euro. Das globale Finanzsystem reagiert, als hätte man ihm einen Tiefschlag versetzt. So etwas haben wir noch nie erlebt.
Der Ölpreis legte als erstes einen fulminanten Start hin. In der ersten Handelssitzung nach Öffnung des Terminmarktes stieg US-Rohöl um 1,76 US-Dollar bzw. 2,38 % auf 75,60 US-Dollar pro Barrel. Brent-Rohöl legte um 1,80 US-Dollar bzw. 2,34 % zu und notierte bei 78,81 US-Dollar. Kurzzeitig erreichte Brent sogar die Marke von 81 US-Dollar, was einem Anstieg von 5,7 % entsprach, bevor der Preis wieder nachgab.
Zum Redaktionsschluss waren die Preisgewinne bereits wieder dahin. Der Ölpreis war um 0,5 % gefallen, was für Beobachter völlig unverständlich war. Händler richten ihr Augenmerk nun auf Teheran und warten gespannt auf die nächsten Schritte. Irans Außenminister Hossein Amir-Abdollahian erklärte am Sonntag, Iran behalte sich „ alle Optionen “ zur Verteidigung seiner Souveränität vor. S&P Global Platts wies darauf hin, dass der Preisanstieg vollständig ins Stocken geraten könnte, sollte Iran nicht reagieren.
Bitcoin stürzt ab, erholt sich und fällt dann erneut, während die ETF-Zuflüsse einbrechen
Der Kryptomarkt reagierte blitzschnell. Bitcoin war am Sonntag auf 98.000 US-Dollar gefallen – der niedrigste Stand seit über einem Monat. Knapp eine Stunde später erholte er sich und notierte wieder über 102.000 US-Dollar, bevor er erneut nachgab. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels lag der Kurs bei 100.879 US-Dollar. Der Markt erlebte ein Desaster. Kryptopositionen im Wert von über einer Milliarde US-Dollar wurden innerhalb von nur 24 Stunden liquidiert, und über 95 % davon waren Long-Positionen.

Die Lage verschärfte sich, als die Zuflüsse in Bitcoin -ETFs zum Erliegen kamen. Laut CoinGlass-Daten flossen zwischen Montag und Mittwoch 1,04 Milliarden US-Dollar. Am Donnerstag stagnierte dieser Wert jedoch. Am Freitag kamen lediglich 6,4 Millionen US-Dollar hinzu. Am selben Tag verließdent Donald Trump den G7-Gipfel vorzeitig und kündigte eine zweiwöchige Überprüfung der US-Optionen im Iran-Konflikt an.
Die Annahme, Bitcoin würde als sicherer Hafen fungieren, hat sich als falsch erwiesen. Stattdessen wird er nun wie eine risikoreiche Technologieaktie gehandelt. Laut Kaiko, einem Anbieter von Kryptodaten, hat die Korrelation von Bitcoinmit dem Nasdaq in den letzten Wochen rasant zugenommen.
Aktienindizes geben in Asien, Europa und den USA nach
Auch die Futures auf US-Aktien begannen zu fallen. Der Dow Jones Industrial Average sank um 109 Punkte bzw. 0,3 Prozent. Die S&P-500-Futures verloren ebenfalls 0,3 Prozent, während die Nasdaq-100-Futures um 0,4 Prozent nachgaben.
Auch die asiatischen Märkte eröffneten mit deutlichen Verlusten. In Japan fiel der Nikkei 225 um 0,56 % und der Topix um 0,49 %. Am stärksten betroffen waren Technologieunternehmen: Screen Holdings brach um 4,78 % ein, Lasertec Corp. sank um 4,31 % und Disco Corp. gab um 3,38 % nach. Auch Branchengrößen wie Advantest und Softbank blieben nicht verschont und verloren 1,66 % bzw. 0,76 %.
In Südkorea bot sich ein ähnliches Bild. Der Kospi-Index verlor 1,05 %. Der Kosdaq, der kleinere Unternehmen umfasst, wurde sogar noch stärker getroffen und gab um 1,78 % nach. Besonders stark betroffen waren die führenden Automobilhersteller des Landes. Die Aktien von Hyundai Motor fielen um 4,05 %, die von Kia Corp um 4,15 %.
Der australische S&P/ASX 200 gab ebenfalls deutlich nach und verlor 0,76 %. In Hongkong deuteten die Futures für den Hang Seng Index auf weitere Verluste hin. Sie notierten bei 23.396 Punkten und lagen damit deutlich unter dem Schlusskurs des Vortages von 23.530,48 Punkten, was auf weiteres Abwärtspotenzial schließen lässt.
Auch die japanischen Autohersteller hatten kein Glück. Zum Redaktionsschluss verzeichnete Nissan Motor einen Kursverlust von 2,22 Prozent, Mazda Motor einen Rückgang von 2,17 Prozent. Mitsubishi Motors verlor 1,87 Prozent, Honda Motor 1,55 Prozent und Toyota 1,36 Prozent.
In Europa sahen die Märkte nicht viel besser aus. Der IBEX 35 stieg um 0,77 % auf 13.850,3 Punkte, und der deutsche DAX legte um 1,27 % auf 23.350,55 Punkte zu. Der FTSE in London fiel hingegen um 0,2 % auf 8.774,65 Punkte, und der französische CAC 40 notierte unverändert bei 7.589,66 Punkten. Der breiter gefasste europäische Index STOXX 600 bewegte sich kaum und stieg lediglich um 0,13 % auf 536,53 Punkte. Der Euro notierte bei 1,15 US-Dollar, nachdem er noch vor einer Stunde ein Hoch von 1,80 US-Dollar erreicht hatte.

