Die Londoner Börse erlebt den höchsten Kursverfall seit der Großen Rezession

Die Londoner Börse (LSE) erlebt einen Reputationsverlust, da Unternehmen sie schneller verlassen als jemals zuvor seit der Finanzkrise von 2008, die berüchtigt als „Die Große Rezession“ bezeichnet wurde.
Die Zahlen sind erschreckend: 88 Unternehmen haben sich bis 2024 entweder von der Börse zurückgezogen oder ihren Hauptnotierungsstandort von London verlegt. Damit bleiben nur noch 18 neue Unternehmen übrig, um die entstandene Lücke zu füllen. Sie drängen in Richtung der vermeintlich lukrativeren Bedingungen in New York.
Trotz unzähliger Versprechen, Reformen und Marketingkampagnen seitens der britischen Regierung, der Aufsichtsbehörden und der LSE selbst konnte der Trend nicht gestoppt werden.
FTSE-100-Unternehmen führen den Abgang aus London an.
Unter den Abwanderern befinden sich auch die großen Player des FTSE 100, dem Kronjuwel der Londoner Börse. Seit 2020 haben sechs Schwergewichte den Sprung nach New York gewagt und ihre gesamte Marktkapitalisierung – fast 280 Milliarden Pfund – mitgenommen. Zum Vergleich: Das entspricht einem Verlust von rund 14 % der gesamten Marktkapitalisierung des FTSE 100 innerhalb von nur vier Jahren.
Der jüngste Abtrünnige? Ashtead, ein Ausrüstungsvermietungsriese mit einem Wert von 23 Milliarden Pfund. Der Vorstand hat genug von Londons schleppenden Märkten und sieht in New York eine bessere Zukunft.
Damit reiht sich das Unternehmen in die Riege von Giganten wie dem Glücksspielriesen Flutter (Bewertung: 39 Milliarden Pfund) und dem Baustoffkonzern CRH (Bewertung: 55 Milliarden Pfund) ein. Beide haben innerhalb der letzten 18 Monate den US-Markt verlassen und die bessere Liquidität sowie einen größeren Investorenkreis in den USA als Gründe angeführt.
Die Gründe für diese Abwanderung von Unternehmen sind kein Geheimnis. Liquidität ist entscheidend, und die US-Märkte bieten sie im Überfluss. Unternehmen, die ihren Börsengang nach New York verlegen, werden von einem größeren Investorenkreis und höheren Handelsvolumina angelockt.
Goldman Sachs wies letztes Jahr darauf hin, dass sich die Bewertungslücke zwischen US-amerikanischen und britischen Unternehmen vergrößert. Der FTSE 100, der von traditionellen Branchen wie Energie und Bergbau dominiert wird, konnte in diesem Jahr beachtliche 8 % zulegen.
Vergleicht man dies jedoch mit dem technologieorientierten S&P 500 in den USA, der um atemberaubende 27 % gestiegen ist, wird die Situation deutlich. Für schnell wachsende Unternehmen und ihre Investoren ist die Wahl klar.
Londons Reformen: Zu wenig, zu spät
Die britische Regierung hat mit einer Reihe von Reformen versucht, die Londoner Börse (LSE) vor dem Aus zu bewahren. Änderungen der Pensionsbestimmungen und der Börsenzulassungsvorschriften sollten die LSE wettbewerbsfähiger machen. David Schwimmer, der Vorstandsvorsitzende der LSE, hatte einst behauptet, die Annahme höherer Bewertungen in den USA sei ein „Mythos“.
Sharon Bell, Strategin bei Goldman Sachs, erklärte, Unternehmen, die höhere Bewertungen anstreben, fühlten sich aufgrund mangelnden Interesses inländischer Investoren gezwungen, London zu verlassen. Ein CEO eines FTSE-100-Unternehmens nannte Ashteads Entscheidung zum Umzug „sehr bedauerlich“.
Die Regierung verweist gern auf Beispiele für das „Vertrauen“ in die britischen Kapitalmärkte, wie den bevorstehenden Börsengang von Canal+ in London, einem französischen Pay-TV-Anbieter, dessen Wert auf über 6 Milliarden Euro geschätzt wird. Doch ein einzelner Börsengang löst kein systemisches Problem. Selbst Führungskräfte aus dem mittleren Management der FTSE-250-Unternehmen sind skeptisch.
Und dann ist da noch der politische Aspekt. Die „America First“-Rhetorik der US-Führung verstärkt die Abwanderung von Unternehmen nur noch zusätzlich.
Ein Markt in der Krise oder eine Chance für Kryptowährungen?
Die Londoner Börse (LSE) hat sich unterdessen als Drehscheibe für Krypto-Enthusiasten neu positioniert. Im Mai 2024 führte sie Krypto-ETNs (Exchange Traded Notes) ein, die institutionellen Anlegern Zugang zu Bitcoin und Ethereum ermöglichen, ohne die Vermögenswerte direkt zu halten. Diese Entscheidung war zwar mutig, konnte den allgemeinen Marktrückgang aber kaum abfedern.
Die ETNs sind physisch gedeckt, d. h. die zugrunde liegenden Bitcoin und Ethereum werden sicher verwahrt, größtenteils in Offline-Speichern. Die Instrumente sind für professionelle Anleger bestimmt, da Privatanleger gemäß den FCA-Regeln weiterhin ausgeschlossen sind.
Seit ihrem Start verliefen die Ergebnisse gemischt. Bitcoin hält sich stabil bei rund 60.000 £, während Ethereum bei etwa 4.000 £ gehandelt wird. Doch Kryptowährungen sind kein Allheilmittel für die Probleme der Londoner Börse (LSE). Selbst mit der Neuausrichtung auf andere Anlageklassen schrumpft der traditionelle Aktienmarkt der Börse weiter.
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Jai Hamid
Jai Hamid ist Finanzjournalistin mit sechs Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über Kryptowährungen, Aktienmärkte, Technologie, die Weltwirtschaft und geopolitische Ereignisse mit Markteinfluss. Sie hat für Blockchain-Fachpublikationen wie AMB Crypto, Coin Edition und CryptoTale gearbeitet und dabei Marktanalysen, Berichte über große Unternehmen, Regulierungen und makroökonomische Trends verfasst. Sie absolvierte die London School of Journalism und war bereits dreimal in einem der führenden afrikanischen Fernsehsender zu sehen, um Einblicke in den Kryptomarkt zu geben.
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