Im ständigen Wechselspiel der Marktkennzahlen erscheint die Zukunft der US-Wirtschaft so ungewiss wie ein nebliger Morgen in San Francisco. Optimismus und Besorgnis brodeln im Finanzkessel, und nun schlägt Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase, Alarm: zu , das an Wirtschaftsgeschichten erinnert, die besser in den Geschichtsbüchern bleiben.
Dimon spricht von einer Zukunft, in der die Zinsen auf bis zu 8 % steigen könnten – ein Niveau, das seit den Zeiten der Musikkassette nicht mehr erreicht wurde. Was bedeutet das? Nun, zunächst einmal könnte es jeden wichtigen Wirtschaftssektor in den USA und uns nach Stabilität suchen lassen.
Sich verändernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Jamie Dimon beschwört diese potenziellen wirtschaftlichen Umwälzungen nicht einfach nur herauf. Er hat ein Szenario entworfen, in dem die USA mit der sogenannten Stagflation konfrontiert werden könnten – jener unerwünschten Diva, bei der Stagnation und Inflation gemeinsam die Party sprengen und sich hartnäckig halten. Für jeden, der an den Aktien- und Anleihemärkten aktiv ist, ist das ein wahrer Albtraum.
Stellen Sie sich Folgendes vor: Die Aktienkurse sind astronomisch hoch, und wenn die Zinsen sprunghaft ansteigen, könnten wir erleben, wie diese Kurse wie ein Stein von einer Klippe stürzen.
Und hier kommt der Clou: JPMorgan hat seine Position durch die Übernahme einer angeschlagenen Regionalbank gestärkt und sein Vermögen auf stolze 2,7 Billionen Dollar erhöht. Doch Dimons Einschätzung ist ganz klar keine weitere Untergangsprophezeiung. Es ist eine wohlüberlegte Warnung, die von der Weitsicht eines Mannes zeugt, der schon so manche Wirtschaftskrise erlebt hat.
Während Dimon vor einem drohenden Wirtschaftskollaps warnt, sieht Roger Altman von Evercore die Lage etwas optimistischer. Er verweist auf eine US-Wirtschaft, die den Rezessionsgefahr gerade noch entgeht und auf eine – wie viele hoffen – sanfte Landung zusteuert.
Es wirkt, als würden Altman und Dimon zwei völlig unterschiedliche Wirtschaftssysteme betrachten. Altmans USA präsentieren sich als Land überraschender Stärke, wo BIP-Wachstum und ein robuster Arbeitsmarkt jegliche Untergangsszenarien widerlegen. Im März sank die Arbeitslosenquote auf beeindruckende 3,8 % – ein Wert, der jedes Ökonomenherz höherschlagen lässt.
Gegensätzliche Ansichten am Horizont
Aber meine Frage lautet: Wer hat die richtige wirtschaftliche Perspektive? Auf der einen Seite Dimon, der einen möglichen wirtschaftlichen Abschwung voraussieht. Auf der anderen Seite Altman und sein Team, die sich im wirtschaftlichen Sonnenschein sonnen.
Die Aktienmärkte sind unberechenbar und reagieren auf jedes Gerücht über Zinsänderungen oder Inflationsspitzen. Erst diese Woche stürzten die Märkte ab und passten ihre Erwartungen schneller an, als man „Zinserhöhung“ sagen kann. Trotzdem hat sich die US-Wirtschaft als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen, die Prognosen übertroffen und die Schwarzmaler zum Schweigen gebracht.
Zur Zeit.
Dennoch dürfen wir die Warnsignale am Markt nicht ignorieren. Ökonomen wie David Rosenberg deuten mit der Sahm-Regel, einem Rezessionsindikator, der so zuverlässig ist wie ein Schweizer Uhrwerk, auf drohende Probleme hin und lassen vermuten, dass Teile der USA bereits am Rande einer Rezession stehen könnten. Die Wirtschaftsindikatoren sind uneinheitlich, und ihre Deutung ist nichts für schwache Nerven.
Da haben wir's! Wirtschaftsprognosen hängen ebenso sehr von den Zahlen ab wie von der Perspektive derer, die sie lesen. Ob jemand wirklich Dimons Visionen folgt oder eher einer optimistischeren Melodie, wird die Zeit zeigen.

