Die Graph Foundation erweitert ihr Mandat und übernimmt eine direkte Rolle in der Protokollentwicklung

Die Graph Foundation ändert ihre Arbeitsweise und verlagert ihren Schwerpunkt von einer primär koordinierenden und finanzierenden Rolle hin zum direkten Aufbau, der Wartung und der Skalierung des Graph-Netzwerks.
Das neue Mandat stellt eine bedeutende organisatorische Veränderung für The Graph dar, das Blockchain-Dateninfrastrukturprotokoll, das bis Anfang 2026 mehr als 1,27 Billionen Anfragen an über 75.000 Projekte bearbeitet hat. Die Stiftung erklärt, die Umstellung solle die Umsetzung verbessern, die Produktentwicklung beschleunigen und eine effektivere Reaktion auf den zunehmend wettbewerbsintensiven Blockchain-Datenmarkt ermöglichen.
Seit der Gründung von The Graph im Jahr 2018 steht die offene und erlaubnisfreie Zugänglichkeit von Blockchain-Daten im Mittelpunkt der zugrundeliegenden Philosophie. Die Stiftung hat dieses Ziel in der Vergangenheit durch die Verwaltung der Finanzmittel, die Finanzierungdent Entwicklerteams und die Koordination der Mitwirkenden im gesamten Ökosystem unterstützt.
Dieses Modell eignete sich besonders für die frühe Entwicklungsphase von The Graph, als dietracvon Mitwirkenden und die Etablierung dezentraler Indexierungsstandards im Vordergrund standen. Laut der Stiftung reichen die veränderten Marktbedingungen jedoch nicht mehr aus.
Vom Ökosystemkoordinator zum aktiven Betreiber
Mit ihrem erweiterten Mandat beabsichtigt die Graph Foundation, selbst Betreiber, Betreuer und Entwickler des Protokolls zu werden.
Bisher wurde ein Großteil der Protokollentwicklung vondent Teams durchgeführt, die durch langfristige Fördergelder unterstützt wurden. Obwohl diese Mehrteamstruktur die Entwicklung und Erweiterung von The Graph förderte, argumentiert die Stiftung, dass die Abhängigkeit von externen Roadmaps nun zu Koordinationsengpässen und einer verlangsamten Umsetzung führen kann.
Die Organisation restrukturiert sich daher, um ihre internen technischen Kapazitäten auszubauen und ihre Abhängigkeit von externen Teams für wesentliche Protokolloperationen zu verringern. Ein Governance-Vorschlag sieht außerdem vor, 20 % der Protokollausgaben zur Finanzierung dieser erweiterten Aufgaben umzuleiten, vorbehaltlich der Aufsicht durch den Graph Council.
Die Änderung bedeutet nicht, dass die bisherigen Kernentwicklungsteams aus dem Ökosystem verschwinden. Vielmehr erwartet die Stiftung, dass die Zusammenarbeit in Bereichen wie Kettenintegrationen, spezialisierten Datendiensten und gezielter Produktentwicklung fortgesetzt wird. Geändert hat sich die Finanzierungsstruktur: Breite operative Zuschüsse weichen einer strategischeren Ressourcenverteilung.
Erweiterung des Graphen über Teilgraphen hinaus
Die Produktentwicklung wird einen wichtigen Teil der erweiterten Aufgaben der Stiftung ausmachen.
Subgraphen, die Entwicklern die Möglichkeit bieten, Blockchain-Daten zu organisieren und abzufragen, bleiben ein zentraler Bestandteil von The Graph. Das Protokoll erweitert jedoch seinen Fokus auf ein breiteres Spektrum an Datendiensten, darunter Echtzeit-Streaming, Token-Analysen, institutionelle Infrastruktur und KI-Anwendungen.
Subgraph Studio soll sich zu einer einheitlichen Benutzeroberfläche entwickeln, über die Entwickler verschiedene Arten von Blockchain-Datenprodukten veröffentlichen, finden und nutzen können. Die Stiftung plant, im Rahmen dieser umfassenderen Plattform Dienste wie Subgraphen, Substreams, Token-Analysen und RPC-Endpunkte zu unterstützen.
Die Stiftung legt zudem Wert auf eine durchgängig dezentrale Studio-Architektur, in der Anfragen über das Graph Network und seine Indexer geleitet werden. Die geplante Entwicklung umfasst die native Integration von Substreams sowie zusätzliche Möglichkeiten zur Datennutzung jenseits von GraphQL, darunter SQL und die direkte Datenbankabfrage.
Ein weiterer Teil der Strategie besteht darin, spezialisierte Datendienstleister zutrac. Anstatt dass die Stiftung jedes Produkt selbst entwickeln oder jeden Kunden selbst erreichen muss, können externe Unternehmen mithilfe von The Graph als zugrundeliegender Infrastruktur Geschäftsmodelle entwickeln und so potenziell zusätzliche Nachfrage nach dem Netzwerk und seinen Indexern generieren.
Die Stiftung wird zudem die direkte Verantwortung für den Blockchain-Integrationsprozess von The Graph übernehmen. Ziel ist es, die Expansion in neue Blockchains enger mit den durch das Protokoll generierten Einnahmen zu verknüpfen und dabei Integrationen zu priorisieren, die die Entwicklernachfrage und den langfristigen Netzwerkwert widerspiegeln.
DeFi, Institutionen und KI werden zu wichtigen Prioritäten
Die Stiftung hat drei Bereiche als besondere Schwerpunktedent: dezentrale Finanzen, institutionelle und Unternehmensanwendungen sowie KI-gestützte Anwendungen.
Im DeFiwird die verstärkte Nutzung von Substreams Priorität haben. Die Technologie ist für die Verarbeitung großer Datenmengen auf Blockchain-Basis und die Unterstützung von Anwendungen mit geringem Latenzbedarf ausgelegt. Geplante Dienste umfassen eine Token-API mit standardisierten Token-Metriken, während Tycho Echtzeitzugriff auf die Liquidität dezentraler Börsen ermöglichen soll.
Für institutionelle Nutzer sieht The Graph Substreams als Alternative zum herkömmlichen RPC-Polling. Das deterministische Datenverarbeitungsmodell soll Anwendungsfälle wie Compliance, Verwahrung, Forensik und regulatorische Berichterstattung durch die Bereitstellung reproduzierbarer Blockchain-Daten unterstützen.
Die Stiftung sieht zudem Chancen darin, dass Finanzinstitute beginnen, mit datenschutzorientierten Anwendungen auf öffentlichen Blockchains zu experimentieren. In diesem Umfeld könnte The Graph als Verifizierungsschicht fungieren, die es autorisierten Parteien ermöglicht, Informationen anhand der zugrunde liegenden Blockchain-Daten zu validieren.
KI stellt einen weiteren wichtigen Wachstumsbereich dar. Das Graph-Ökosystem entwickelt Werkzeuge wie das Model Context Protocol und Agent-zu-Agent-Schnittstellen für Blockchain-Abfragen in natürlicher Sprache sowie eine Infrastruktur, die es KI-Agenten ermöglicht, Daten autonom zu bezahlen.
Die Stiftung entwickelt außerdem ein agentenbasiertes Produkt mit Fokus auf portablem digitalem Speicher. Das geplante System ermöglicht es Nutzern, verschlüsselte Erinnerungen, Präferenzen und Interaktionsverläufe über verschiedene KI-Modelle und Agenten hinweg zu speichern, anstatt diese Informationen in einzelnen zentralen Diensten zu belassen. Weitere Details werden in zukünftigen Ankündigungen erwartet.
Netzwerkanreize neu denken
Auch die Wirtschaftsstruktur von The Graph wird sich verändern.
Eine Initiative, das „Rewards Eligibility Oracle“, zielt darauf ab, die Belohnungen für Indexer enger mit der tatsächlichen Leistungserbringung zu verknüpfen. Anstatt Teilnehmer lediglich für die Einhaltung ihrer Zuteilungen zu belohnen, wird die Berechtigung zunehmend widerspiegeln, ob Indexer aktiv nützliche Netzwerkdienste bereitstellen.
Die Stiftung entwickelt separat eine Initiative für liquides Staking, die gestakte GRT in stGRT umwandelt und den Teilnehmern so mehr Flexibilität bei gleichzeitigem Erhalt des Staking-Risikos bietet. Direkte Indexer-Zahlungen sollen es Verbrauchern und Gateway-Betreibern ermöglichen, Indexer für die Bereitstellung bestimmter Subgraphen gemäß vereinbarter Service-Levels zu vergüten.
Zusammengenommen spiegeln diese Initiativen ein umfassenderes Bestreben wider, die Anreize des Protokolls mit messbarer Beteiligung und Nachfrage in Einklang zu bringen.
Eine praxisorientiertere Zukunft für The Graph
Die Graph Foundation betont, dass ihr neues Mandat keinen Rückzug von der Dezentralisierung darstellt. Vielmehr unterscheidet sie zwischen dezentraler Netzwerkinfrastruktur und der Organisationsstruktur, die für die effektive Entwicklung und Wartung dieser Infrastruktur erforderlich ist.
dent Indexer und Gateway-Betreiber werden weiterhin die erlaubnisfreie Architektur des Netzwerks stützen, während die Stiftung eine größere Verantwortung für die strategische Umsetzung, die Produktentwicklung und die Ressourcenverteilung übernimmt.
Das Ergebnis ist ein praxisorientierteres Modell für eine Organisation, die die Entwicklung bisher eher aus der Ferne koordiniert hat. Die Stiftung wird in den kommenden Monaten weitere Details, darunter konkrete Ergebnisse und Zeitpläne, bekanntgeben.
Für The Graph spiegelt diese Änderung das Bestreben wider, die ursprüngliche Vision offener Blockchain-Daten an einen Markt anzupassen, der sich seit 2018 erheblich weiterentwickelt hat. Das Prinzip bleibt bestehen: Blockchain-Daten sollen als offene, öffentliche Ressource dienen. Geändert hat sich die Rolle der Stiftung bei der wirtschaftlichen und technischen Umsetzung dieses Prinzips.
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