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Offener Brief von 68 Ökonomen warnt: EU verliert Kontrolle über das Geld ohne digitalen Euro

In diesem Beitrag:

  • Mehr als 60 Ökonomen warnten die EU-Gesetzgeber davor, dass Europa ohne einen funktionierenden digitalen Euro die Kontrolle über sein Geld verlieren könnte.

  • Sie sagten, Europa sei in vielen Ländern bereits auf US-amerikanische Zahlungsdienstleister angewiesen, ohne dass es inländische Backup-Systeme gebe.

  • Die Banken betreiben Lobbyarbeit gegen das Projekt, weil sie befürchten, günstige Privatkundeneinlagen unterhalb der 3.000-Euro-Grenze zu verlieren.

Mehr als 60 Ökonomen warnten die EU-Gesetzgeber davor, dass Europa die Kontrolle über sein Geld verlieren könnte, wenn das Projekt des digitalen Euro scheitert. Dies geht aus einem offenen Brief hervor, der vor einer für nächste Woche geplanten Anhörung an die Mitglieder des Europäischen Parlaments geschickt wurde.

Der Brief wurde von Ökonomen aus Universitäten und politischen Institutionen in ganz Europa unterzeichnet, darunter der französische Akademiker Thomas Piketty, Dirk Bezemer (Professor für Ökonomie der internationalen Finanzentwicklung, Universität Groningen), Peter Blom (Co-Vorsitzender des Sustainable Finance Lab, ehemaliger CEO der Triodos Bank), Arnoud Boot (Professor für Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte, Universität Amsterdam) und Kristof Bosmans (Außerordentlicher Professor, Abteilung für Mikroökonomie und öffentliche Finanzen, Universität Maastricht), neben vielen anderen.

Ökonomen skizzieren die Risiken der ausländischen Zahlungsdominanz

Ökonomen erklärten, das europäische Zahlungssystem werde mittlerweile von einer kleinen Gruppe außereuropäischer Unternehmen kontrolliert. In dreizehn Ländern der Eurozone basieren alltägliche Einzelhandelszahlungen vollständig auf internationalen Kartennetzwerken.

In dem Schreiben hieß es, die jüngsten Entwicklungen hätten gezeigt, wie schnell der Zugang zu Zahlungsmitteln zu einem geopolitischen Instrument werden könne. Ohnetrondigitalen Euro, so warnten die Ökonomen, werde sich die Abhängigkeit verschärfen, da die von den USA unterstützten privaten Digitalwährungen in ganz Europa an Bedeutung gewinnen.

In dem Brief hieß es, Europa würde die Kontrolle über den grundlegendsten Teil seiner Wirtschaft verlieren: das Geld selbst. Die Ökonomen erklärten, die einzige Verteidigungsmöglichkeit sei ein robuster, von der Europäischen Zentralbank ausgegebener digitaler Euro.

Sie sagten, das System müsse eine direkte Verbindung zwischen den Bürgern und der EZB. Dadurch erhielten die Menschen Zugriff auf öffentliche Gelder in digitaler Form, parallel zu ihren privaten Bankeinlagen. Die Ökonomen schrieben, das System müsse online und offline funktionieren. Es müsse den Datenschutz von Grund auf gewährleisten. Außerdem müsse es allen europäischen Einwohnern zur Verfügung stehendentauch denen ohne Geschäftskonto.

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In dem Schreiben wurde gewarnt, dass das Projekt scheitern würde, wenn Unternehmen die Annahme verweigern dürften. Sollten die Haltegrenzen zu niedrig bleiben, könnten Bürger es nicht als ernstzunehmenden Wertspeicher nutzen.

Die Ökonomen forderten das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und den Rat auf, gemeinsam zu handeln und den digitalen Euro zum Rückgrat eines souveränen Zahlungssystems zu machen, das auf europäischen Anbietern basiert.

„Der digitale Euro muss für alle Europäer zugänglich sein, die finanzielle Inklusion fördern und grenzüberschreitende Reibungsverluste verringern.“

Banken lobbyieren gegen das Projekt, da Limits und Einlagen Bedenken hervorrufen

Die europäische Bankenbranche hat sich gegen das Projekt des digitalen Euro ausgesprochen. Im November warnten vierzehn große Kreditinstitute die Abgeordneten, dass der Plan die Bemühungen privater Unternehmen, mit US-amerikanischen Zahlungssystemen zu konkurrieren, beeinträchtigen könnte. Zu dieser Gruppe gehörten die Deutsche Bank, BNP Paribas und ING.

Der Bankenausschuss kritisierte das Projekt ebenfalls. Er bezeichnete den EZB-Plan als zu komplex und zu teuer und erklärte, das System biete den Verbrauchern kaum klare Vorteile.

Hans Stegeman, Chefökonom der Triodos Bank, unterzeichnete den offenen Brief. Nach der ersten Nennung wird er nur noch mit seinem Vornamen genannt. Er erklärte, viele Banken befürchteten den Verlust von Kundeneinlagen. Diese Einlagen stellten eine günstige und stabile Finanzierungsquelle für Kreditgeber dar.

Nach den aktuellen Plänen der EZB dürften Privatpersonen bis zu 3.000 € in einer digitalen Geldbörse halten. Dieses Geld würde außerhalb des Bankensystems verwahrt und stünde Banken nicht als Einlage zur Verfügung.

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Hans erklärte, diese Veränderung bereite den Kreditgebern die größten Sorgen. Es gehe dabei um mehr als nur Gewinne und Bilanzen. „Wir wollen ein Finanzsystem, das der Gesellschaft dient und nicht umgekehrt“, sagte er. Ein öffentlichestronZahlungssystem sei ein wesentlicher Bestandteil dieses Ziels.

Die Ökonomen warnten die Abgeordneten davor, sich vom Finanzlobbyismus beeinflussen zu lassen. Ein geschwächter digitaler Euro würde das Projekt zu einem symbolischen Kompromiss degradieren, erklärten sie. In dem Schreiben hieß es, Europa bekomme möglicherweise keine weitere Chance, das Problem zu lösen.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Dirk Bezemer, Peter Blom, Arnoud Boot, Kristof Bosmans, Wouter Botzen, Rutger Claassen, Jézabel Couppey-Soubeyran, Bruno De Conti, Paul De Grauwe, Anne-Laure Delatte, Panicos Demetriades und Sandrine Dixson-Declève. Der Brief schließt mit einer direkten Frage an die EU-Politiker: Werden die Europäer im digitalen Zeitalter die Kontrolle über ihr Geld behalten oder werden andere die Kontrolle darüber für sie übernehmen?

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