Nvidia investierte im Jahr 2024 über eine Milliarde Dollar in künstliche Intelligenz (KI) und festigte damit seine Rolle als Rückgrat und Geldgeber der KI-Revolution.
Der Silicon-Valley-Gigant, der im Juni eine Marktkapitalisierung von 3 Billionen Dollar erreichte, investierte dieses cash in 50 Start-up-Finanzierungsrunden und Unternehmensübernahmen.
Innerhalb nur eines Jahres stiegen Nvidias Investitionsausgaben im Vergleich zu 2023 um 15 %, als das Unternehmen 872 Millionen US-Dollar in 39 Deals investierte. Das ist mehr als das Zehnfache dessen, was Nvidia 2022 ausgab. Der Großteil dieses cash floss in KI-Startups, also Unternehmen, die stark auf Hochleistungsrechner angewiesen sind – genau das, worauf sich Nvidia spezialisiert hat.
Eine Milliarde Dollar befeuert den KI-Wahnsinn
Weltweit haben Technologieunternehmen zig Milliarden Dollar in Nvidias GPUs investiert, die Hardware, die hochmoderne generative KI-Modelle wie ChatGPT antreibt. Die Nachfrage nach diesen Chips explodierte nach dem Debüt von ChatGPT vor zwei Jahren.
Die Investition von einer Milliarde Dollar richtete sich an Kunden mit hohen Technologieanforderungen, für die Nvidia-GPUs unverzichtbar sind. Zu den herausragenden Deals zählte eine strategische Beteiligung an Elon Musks xAI, die in Partnerschaft mit dem Konkurrenten AMD erfolgte.
Nvidia unterstützte auch führende KI-Modellentwickler wie OpenAI, Cohere, Mistral und Perplexity. Und es geht nicht nur um Finanzierung. Nvidias Inkubator Inception hat sich zu einer Brutstätte für KI-Startups entwickelt und fördert Tausende junger Unternehmen.
Das Programm bietet Vorzugspreise für Nvidia-Hardware und Cloud-Guthaben von seinen Partnern und stellt so sicher, dass diese Unternehmen die Mittel und die Gründe haben, bei ihrem Wachstum auf Nvidia zu setzen.
Die Akquisitionen und ein wachsendes Portfolio
Nvidia befand sich ebenfalls auf einer Übernahmetour. Nach der Genehmigung durch die EU-Regulierungsbehörden schnappte sich das Unternehmen Run.ai, eine israelische Plattform, die sich auf das Management von KI-Workloads spezialisiert hat.
Der KI-Riese kaufte außerdem Nebulon, OctoAI, Brev.dev, Shoreline.io und Deci und tätigte damit in einem Jahr mehr Akquisitionen als in den vier Jahren zuvor zusammen.
Die Übernahmen sind Berichten zufolge ebenso strategisch wie die Investitionen. Nvidia weitet seine Präsenz in Sektoren wie Medizintechnik, Gaming, Drohnen und sogar humanoide Roboter aus. Diese Deals stärken Nvidias Einfluss weit über GPUs hinaus.
Eines der Vorzeigeprojekte ist CoreWeave, ein Anbieter von KI-Cloud-Computing, der stark auf Chips von Nvidia setzt. Die Bewertung von CoreWeave explodierte innerhalb nur eines Jahres von 7 Milliarden auf 35 Milliarden US-Dollar, wobei Nvidia eine maßgebliche Rolle spielte.
Nvidia investierte 2023 100 Millionen US-Dollar in CoreWeave und beteiligte sich 2024 an einer Eigenkapitalfinanzierungsrunde über 1 Milliarde US-Dollar. Eine weitere bemerkenswerte Investition erfolgte in Applied Digital, ein Unternehmen, das mit einem stark fallenden Aktienkurs und hohen Schulden zu kämpfen hatte.
Nvidia führte im September eine Eigenkapitalfinanzierungsrunde über 160 Millionen US-Dollar an, die dem Unternehmen eine entscheidende Wende brachte. Der Aktienkurs stieg praktisch über Nacht um 65 %.
Ein verworrenes Netz aus Technologie und Finanzen
Nvidias Dominanz ist unbestreitbar, aber nicht ohne Herausforderungen. Einige der größten Kunden – Microsoft, Amazon und Google – arbeiten an der Entwicklung eigener Chips, um die Abhängigkeit von Nvidias GPUs zu verringern.
Sollten sie Erfolg haben, könnten Nvidias Umsätze sinken. Deshalb gewinnen kleinere KI-Unternehmen zunehmend an Bedeutung für Nvidia.
Kritiker, darunter Regulierungsbehörden in den USA, Europa und China, hinterfragen, ob Nvidias Investitionen an Bedingungen geknüpft sind. Bill Kovacic, ehemaliger Vorsitzender der Federal Trade Commission, erklärte, die Regulierungsbehörden seien sehr daran interessiert zu untersuchen, ob Nvidia Investitionen nutze, um Unternehmen an sein Ökosystem zu binden.
Nvidia bestreitet dies und erklärt, dass es den Unternehmen freistehe, ihre eigenen Technologieentscheidungen zu treffen.
In der Zwischenzeit haben Wall-Street-Giganten wie Blackstone, Pimco, Carlyle und BlackRock mehr als 11 Milliarden Dollar in „Neocloud“-Unternehmen investiert – Start-ups, die Nvidia-Chips kaufen und Cloud-Computing-Dienste an andere vermieten, die KI-Modelle entwickeln.
Diese GPUs sind so wertvoll, dass sie als Sicherheit für riesige Kredite dienen. Es handelt sich um eine Kreislaufwirtschaft: Nvidia verkauft Chips an Unternehmen, diese nutzen die Chips als Kreditsicherheit, und das Kreditgeld fließt direkt wieder in den Kauf weiterer Nvidia-Chips.
Dieser rasante Zyklus wirft Fragen zur langfristigen Nachhaltigkeit auf. Kritiker fragen sich, wie lange GPUs ihren Wert als Sicherheit behalten werden, insbesondere angesichts der ständig auf den Markt kommenden neueren und fortschrittlicheren Versionen. Das Risiko einer Überschuldung und einer Kreislauffinanzierung ist groß, doch Nvidias marktbeherrschende Stellung in der KI-Branche zeigt derzeit keine Anzeichen einer Schwächung.

