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Mukesh Ambani wird unvermittelt in Trumps Konflikt mit Indien und Russland hineingezogen

In diesem Beitrag:

  • Mukesh Ambanis Reliance steht wegen des Imports von verbilligtem russischem Öl trotz fehlender offizieller Sanktionen unter US-Druck.
  • Das Unternehmen sparte durch den Rosneft-Deal über 500 Millionen Dollar, riskiert nun aber Zölle und mögliche Sanktionen.
  • Bei dem Investorentreffen vermied Mukesh das Thema Öl und konzentrierte sich stattdessen auf Jio, KI und Projekte im Bereich saubere Energie.

Mukesh Ambani ist mitten in einen geopolitischen Schlammkampf hineingezogen worden, und wir sind uns ziemlich sicher, dass er sich das nicht ausgesucht hat.

Der reichste indische Geschäftsmann der Welt, der normalerweise die öffentliche Meinung lieber von seinem Reliance-Aufsichtsrat aus steuert, wird nun in den verfahrenen Konflikt zwischen Washington und Neu-Delhi hineingezogen – und zwar wegen einer Sache: russisches Öl. Und auch Putin.

Trumps Entscheidung, die Zölle auf indische Waren zu verdoppeln, zielt direkt auf die massiven, rabattierten Ölimporte von Reliance aus Russland ab, die dem Unternehmen angeblich in diesem Jahr Hunderte von Millionen Dollar eingespart haben.

Aber der springende Punkt ist: Russisches Öl unterliegt keinen Sanktionen, daher werden technisch gesehen keine Gesetze gebrochen. Dennoch ist die Außenwirkung verheerend. Der Kauf von Rosneft im Rahmen eines langfristigen Liefervertrags wirkt nun wie ein geopolitisches Wagnis, insbesondere da dieser Vertrag an Reliances hochmoderne Raffinerieanlage in Jamnagar gekoppelt ist.

Washington tobt, Delhi weicht aus, Reliance duckt sich weg

Mal ehrlich, Reliance will damit nichts zu tun haben. Ihre Raffinerien sind Weltklasse, und der Standort Jamnagar kann alles verarbeiten, von leichtem Rohöl bis hin zu dem Schlamm, der aus dem Bilgenraum eines Piratenschiffs gekratzt wird. Aber das Lebenselixier dieses Geschäfts ist billiges Öl.

Und Russland verteilt Rabatte wie im Diwali-Sale. Ein zehnjähriger Liefervertrag mit Rosneft trat Anfang des Jahres in Kraft und sicherte Preise deutlich unter dem Marktniveau. Laut Berechnungen von Bloomberg allein im ersten Halbjahr 2025 mindestens 571 Millionen US-Dollar. Versandkosten und Versicherung sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

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Diese Einsparungen haben nun ihren Preis. Die USA wollen, dass Indien keine russischen Ölfässer mehr kauft, sondern auf amerikanische Lieferungen umsteigt. Doch der Verzicht auf Rosneft bedeutet einen Vertragsbruch, den Verlust von Marktvorteilen und (noch wichtiger) eine Schwächung der Position der indischen Regierung.

Indien hat sich den westlichen Sanktionen nie angeschlossen. Es ist unmissverständlich klar, dass es weiterhin dort kaufen wird, wo die Preise stimmen. Reliance wird also quasi auf einenmatic Drahtseilakt gezwungen. Lustig, nicht wahr?

Und obwohl die Trump-Regierung keine Namen genannt hat, sind ihre Anschuldigungen alles andere als subtil. Handelsberater des Weißen Hauses haben Indiens reichste Familien wegen „Kriegsgewinnlerei“ angeprangert – Mukesh wurde zwar nicht namentlich erwähnt, aber mal ehrlich: Sein Unternehmen ist der größte Importeur von russischem Rohöl in Indien. Was soll man da noch sagen?

Jio, saubere Energie und das stille Ölgeschäft

Bei der vielbeachteten Investorenkonferenz von Reliance würde man erwarten, dass Öl das Hauptthema sein würde, aber laut Bloomberg plant Mukesh, dieses Minenfeld zu meiden, indem er in seiner Keynote Russland überhaupt nicht erwähnt.

Stattdessen wird der Fokus auf Jios KI-Innovationen liegen. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen: Der Übergang des Unternehmens weg von fossilen Brennstoffen hat ein Jahrzehnt gedauert.

Öl, Gas und Chemikalien machen nach wie vor über 50 % des Umsatzes von Reliance und 40 % des EBITDA aus. Der Geschäftsbereich Digitale Dienstleistungen hat die Raffinerie erst kürzlich in puncto Rentabilität überholt. Trotz aller Diskussionen um KI und Elektrofahrzeuge sichert Rohöl also weiterhin die Kosten.

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Deshalb Reliance die russischen Fässer nicht einfach weg, nur weil die USA verärgert sind. Das Unternehmen hat schon immer nach Verträgen gesucht, die ihm einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Bereits 2012 schlossen sie einen 15-Jahres-Vertrag zum Kauf von venezolanischem Rohöl ab, das bekanntermaßen schwer und verschmutzt ist. Sie hielten daran fest, bis US-Sanktionen den Handel zum Erliegen brachten. Dann kam eine Ausnahmeregelung von Biden. Doch auch diese Rettungsleine versiegte im Mai.

Was ist also der nächste Schritt? Das Unternehmen hat neue Märkte erkundet: Westafrika, Naher Osten, USA. Anfang der Woche kaufte es still und leise zwei Millionen Barrel amerikanisches Rohöl, die im Oktober verladen werden sollen. Manche sehen darin ein Friedensangebot, andere eine Absicherung.

Mukesh schweigt, wie gewohnt, öffentlich. Doch seine Taten sprechen Bände. Keine großen Ankündigungen zum Thema Öl. Im Hintergrund werden lediglich Geschäfte abgeschlossen, während sich die Aufmerksamkeit auf digitale und grüne Energie richtet. Intern konzentriert sich das Unternehmen darauf, jedes Rohöl zu kaufen, das sich wirtschaftlich lohnt, unabhängig von seiner Herkunft.

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