Während die Wirtschaft sich in ihrem Glanz erstrahlt und mit Wachstums- und Beschäftigungszahlen prahlt, die jeden Ökonomen beeindrucken würden, bleibt die Lage für einkommensschwache US-Verbraucher düster. Sie stecken in der Armut fest und versuchen verzweifelt, sich aus der Misere zu befreien – eine Situation, die durch Inflation und gnadenlose Zinsen längst erschöpft ist. Diese Lage passt so gar nicht zu dem von den gängigen Zahlen propagierten Wohlstand, der den Eindruck erweckt, als ob es allen gleichermaßen gut ginge.
Ian Borden von McDonald's äußerte sich auf einer Branchenkonferenz kürzlich aufschlussreich und verdeutlichte damit die düstere Realität für Menschen mit geringem Einkommen. Da die Ersparnisse aus der Corona-Zeit aufgebraucht sind und die Kosten für Essen zu Hause steigen, bleibt vielen nichts anderes übrig, als den Gürtel noch enger zu schnallen. Dies führt zu Problemen in Branchen wie der Fast-Food-Branche, die als direkte Folge mit einem Rückgang der Kundenzahlen rechnet. Laut Borden war dies ein Weckruf, der die McDonald's-Aktienkurse einbrechen ließ. Aber sollte uns das wirklich überraschen? Die Anzeichen dafür waren immer da: boomende Aktienmärkte und eine Arbeitslosenquote von unter vier Prozent.
Die unsichtbare Kluft
Schaut man genauer hin, wird die Kluft eklatant sichtbar. Die Ausfallraten bei Autokrediten der New Yorker Fed geben Einblick in die Schwierigkeiten junger Kreditnehmer, die sich in einem Ausmaß wiederfinden, das an die Finanzkrise erinnert. Das wirkt befremdlich für eine Wirtschaft, die angeblich auf Hochtouren läuft. Meine Frage ist: Warum äußern sich nicht mehr Unternehmen zu dieser Diskrepanz? Liegt es vielleicht daran, dass die lautesten Stimmen diejenigen am oberen Ende der Einkommensskala sind, die sich bequem vor den Realitäten der weniger Glücklichen abschirmen können?
Diese Diskrepanz ist für Unternehmen, die sich an preisbewusste Konsumenten richten, bittere Realität. Aktien von Konsumgüterherstellern haben sich kaum bewegt und hinken dem Gesamtmarkt hinterher. Sie kämpfen mit der dreifachen Belastung durch steigende Anleiherenditen, eine Abkehr von defensiven Aktien und die Tatsache, dass sich ihre Hauptkundschaft in einer schweren Finanzkrise befindet. Und das Schlimmste daran ist: Eine Entspannung ist unwahrscheinlich, solange die Zinsen weiter steigen, da sich die Wirtschaft einfach nicht abkühlen will.
Der Bankensektor bietet eine weitere Perspektive auf dieses unausgewogene Wachstum. Ein Blick auf die langfristigen Trends der US-Bankaktiva offenbart eine auffällige Machtkonzentration bei den größten Banken, allen voran JPMorgan Chase. Diese Verschiebung hin zu einer stärkeren Vermögenskonzentration bei den größten Akteuren sagt viel über die zugrunde liegende Dynamik der US-Wirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten aus.
Eine Geschichte zweier Wirtschaftssysteme
Wir erleben gerade das Bild zweier unterschiedlicher Wirtschaftssysteme: eines im Glanz des Wohlstands und eines in finanzieller Not. Die scheinbare Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft verschleiert die Nöte derer, die auf der falschen Seite des Wohlstands stehen.
Die Dominanz von Institutionen wie JPMorgan Chase ist eine schmerzliche Erinnerung daran, dass die Vorteile des Wirtschaftswachstums nicht gleichmäßig verteilt sind. Mit steigenden Zinsen und sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte der Druck auf einkommensschwache Verbraucher zunehmen.
Hinter jeder Statistik, jedem Aktienkurs und jedem Unternehmensbericht stehen Durchschnittsbürger, die versuchen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihre Herausforderungen schaffen es zwar nicht immer in die Schlagzeilen oder erschüttern den Aktienmarkt, doch sie sind der wahre Maßstab für unsere wirtschaftliche Lage. Solange Bidens stolzer Anspruch auf wirtschaftlichen Erfolg nicht berücksichtigt wird, bleibt er unvollständig – ein glänzender Schein für eine Geschichte, die noch lange nicht zu Ende ist.

