Die Gewinne in Europa übertrafen im dritten Quartal 2025 die Erwartungen deutlich und erzielten ein Gewinnwachstum je Aktie von 5,7 % für den MSCI Europe Index, was weit über der Prognose von 0 % lag, die Reuters und Bloomberg Intelligence zu Beginn des Quartals abgegeben hatten.
Nachdem die Berichtssaison fast vollständig abgeschlossen ist, haben rund die Hälfte der Unternehmen Gewinne gemeldet, die die Prognosen übertroffen haben. Dies zwingt Analysten dazu, ihre Prognosen anzuheben und all die Warnungen vor Zöllen, instabilen Währungen und makroökonomischen Risiken, die sich nie so stark bemerkbar gemacht haben, wie man es erwartet hatte, zu überdenken.
Niedrige Zinsen, straffere Kostenstrukturen, höhere Preise und eine sich langsam erholende Wirtschaft trugen alle zu dieser positiven Entwicklung bei. Der Stoxx Europe 600 liegt seit Jahresbeginn 14 % im Plus. Bankenaktien führten die Liste an und verzeichneten im Jahr 2025 bisher einen Anstieg von 55 %.
Auch die Energieunternehmen konnten sich behaupten, auch wenn ihre Einnahmen geringer als erwartet ausfielen. Die Raffineriemargen sicherten ihnen den Erfolg.
Und die Aussichten werden immer besser. Die Prognosen für das Gewinnwachstum im Jahr 2026 gehen nun von 11 % und für 2027 von 12 % aus, was nicht weit von den Prognosen für den S&P 500 von 12 % bzw. 14 % entfernt ist.
Banken, Energie und Automobile treiben die Erholung voran
Guillaume Jaisson, Leiter des Strategieteams bei Goldman Sachs, sagte: „Die Berichtssaison hält weiterhin die Erwartungen“, und fügte hinzu, dass die meisten Prognosen bestätigt wurden und die Vorhersagen nun entweder Bestand haben oder sogar nach oben gehen.
Soviel zur Vorsicht der Analysten.
Obwohl europäische Aktien zunehmend teurer erscheinen, sind sie noch lange nicht überhitzt. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) erreichte mit 15 den höchsten Stand seit rund vier Jahren. Es liegt jedoch immer noch deutlich unter dem Höchststand nach der Pandemie. Zudem wird der Stoxx 600 mit einem Abschlag von 35 % gegenüber dem S&P 500 gehandelt.
Banken und Energieunternehmen waren in diesem Quartal die wichtigsten Ertragsträger. Der Nettozinsertrag blieb stabil, und die Banken mussten keine hohen Kreditausfälle hinnehmen. Gleichzeitig profitierten die Energieunternehmen von besseren Raffineriemargen, obwohl die Ölpreise weiterhin niedrig blieben.
Philip Richards, leitender Analyst bei Business Insider, erklärte, dass der Bankensektor ein Verhältnis von übertroffenen zu verfehlten Erwartungen von etwa zehn zu eins aufwies. Barclays, NatWest, HSBC und Standard Chartered erzielten allesamt über den ErwartungentronErgebnisse.
Der aktuelle Aufwärtstrend der Gewinne in diesem Sektor, der vor fünf Jahren begann, dürfte sich voraussichtlich bis ins Jahr 2026 fortsetzen.
Im Energiesektor erzielten Shell, BP und Eni besser als erwartete Ergebnisse. BP übertraf die Prognosen für den Gewinn im dritten Quartal und verlieh dem Aufschwung damit zusätzlichen Schwung.
Der Automobilsektor (der seit über einem Jahr schwächelt) zeigte endlich einen Lebensfunken. Gewinnwarnungen waren fünf Quartale in Folge an der Tagesordnung, doch diesmal gelang dem Sektor eine positive Überraschung.
Analysten lobten die Kostensenkungs- und Restrukturierungsmaßnahmen, die zu verbesserten Margen und angehobenen Gewinnprognosen führten. Doch eines ist klar: Die Gewinne sanken im Jahresvergleich und im Vergleich zum Vorquartal weiterhin. Die Überraschung bedeutet lediglich, dass es nicht zu einem dramatischen Einbruch kam.
KI verändert Betriebsabläufe, das Management bleibt optimistisch
Unterdessen war KI in den Telefonkonferenzen zu den Quartalsergebnissen in Europa allgegenwärtig, wobei die Erwähnungen einen Rekordwert erreichten, da Unternehmen in ganz Europa verstärkt auf Automatisierung und Effizienzsteigerungen setzen.
Laurent Douillet und Kaidi Meng, beide Strategen bei BI, sagten: „KI ist kein Nischenthema mehr, sondern ein wichtiger Treiber für Produktivität und Rentabilität, wenn das Jahr 2026 vor der Tür steht.“
Technologieunternehmen dominierten natürlich das Geschehen, aber auch die Banken meldeten sich zu Wort. Hector Grisi, CEO der Banco Santander, erklärte, dass man KI einsetze, um manuelle Arbeit zu automatisieren und zu reduzieren.
Die ING Groep in den Niederlanden schätzte, dass aufgrund der Umstellung auf digitale Kreditvergabe bis Ende 2026 950 Arbeitsplätze wegfallen könnten.
Auch Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter und Energie erwähnten den Einsatz von KI zur Personalisierung, Automatisierung und zum Risikomanagement.
Auch die Stimmung unter Führungskräften hat sich gewandelt. Das Vertrauen des Managements hat fast wieder das Niveau von 2021 erreicht. Makroökonomische Sorgen? Sie nehmen ab.
Dieses Vertrauen schlägt sich auch in den Prognosen nieder: Maximilian Uleer, Leiter der Aktien- und Cross-Asset-Strategie bei der Deutschen Bank, rechnet sogar mit weiteren Gewinnsteigerungen.

