Berichten zufolge fließen beträchtliche Summen aus Japan in europäische Startups, da japanische Investoren das reifere Investitionsumfeld in Europa bevorzugen. Risikoaverse Investoren in Asien ziehen Europas boomendes Technologieumfeld dem noch jungen Markt im eigenen Land vor.
Japanische Investoren verlagern Berichten zufolge erhebliche Kapitalbeträge in europäische Tech-Startups und begründen dies mit einem günstigeren und ausgereifteren Gründerökosystem als in ihrem Heimatland. Dieser plötzliche Kapitalzufluss zwischen den beiden Kontinenten hat dazu beigetragen, dass Europas wachsende Tech-Branche im Vergleich zum reiferen japanischen Markt deutlich schneller wachsen konnte.
Laut CNBCist das europäische Startup- und Risikokapital-Ökosystem mittlerweile ein Nährboden für japanische Investmentgesellschaften, die lange Zeit im Schatten des Silicon Valley agierten.
Das Handelsabkommen zwischen der EU und Japan verstärkt den Kapitalzufluss aus Japan in die EU
NEUER BERICHT: 33 Milliarden Euro an japanischen Fördermitteln sind seit 2019 nach Europa geflossen
Der heutige Bericht, in Zusammenarbeit mit @NordicNinjaVC, beleuchtet die wachsende Technologieallianz zwischen Japan und Europa genauer.
Wichtigste Erkenntnisse:
📌70 % der 3,5 Milliarden Euro, die 2024 im Bereich Deep Tech und KI investiert werden sollen, flossen in diese Bereiche – doppelt so viel wie zuvor… pic.twitter.com/NOvENoLZR4
— Dealroom.co (@dealroomco) 10. November 2025
Untersuchungen des Risikokapitalfonds NordicNinja und der Datenplattform Dealroom zeigen, dass japanische Investoren seit 2019 an europäischen Finanzierungsrunden im Wert von über 33 Milliarden Euro (38 Milliarden US-Dollar) beteiligt waren. Dieser sprunghafte Anstieg der Finanzierungsrunden erfolgte nach dem Abschluss des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Japan. Vor dem Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Japan hatte Japan lediglich Investitionen in Höhe von 5,3 Milliarden Euro nach Europa vermittelt.
Tomosaku Sohara, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter des japanisch-europäischen Venture-Capital-Unternehmens NordicNinja, berichtete, dass Softbank vor dem Handelsabkommen das einzige japanische Kapital in Europa war. Er erklärte, dass Softbank bereits damals aktiv war und das finnische Spieleunternehmen Supercell übernommen hatte. Laut Sohara verlieh diese Übernahme dem finnischen Startup-Ökosystem neuen Schwung.
Die Studie hob hervor, dass immer mehr japanische Konzerne wie Mitsubishi, Sanden und Yamato Holdings in den europäischen Technologiesektor eingestiegen sind und diesen nun unterstützen. Der Bericht verdeutlichte zudem, dass es in Europa – gemessen an der Einwohnerzahl – mehr als doppelt so viele Risikokapital-finanzierte Startups wie in Japan gibt und 4,3-mal so viele Einhörner.
Sohara erklärte außerdem, dass japanische Investoren seit Anfang der 2000er-Jahre ein konstant hohes Investitionsinteresse gezeigt hätten. Er erläuterte, dass japanische multinationale Konzerne bereits damals Corporate-Venture-Capital-Gesellschaften gegründet hätten, als einige der heutigen Technologiegiganten und -konzerne noch in den Kinderschuhen steckten. Laut dem Experten konzentrierten sich die multinationalen Unternehmen erst einige Jahre später verstärkt auf den europäischen Technologiemarkt.
Japanische Investoren zeigen zunehmendes Interesse an Deep-Tech-Unternehmen.
Asiatische Investoren interessieren sich verstärkt für Deep-Tech-Unternehmen, die Innovationen auf Basis wissenschaftlicher oder bahnbrechender Erkenntnisse entwickeln. Im Jahr 2024 entfielen 70 % der von solchen Investoren in Europa getätigten Investitionen auf Deep-Tech- und KI-Startups. Zu den Unternehmen mit der höchsten Finanzierungssumme zählt Wayve, das britische Startup für autonome Fahrzeuge. Das Unternehmen erhielt im Mai des vergangenen Jahres über eine Milliarde US-Dollar in einer Finanzierungsrunde.
Sarah Fleischer, Mitgründerin und CEO des deutschen Startups Tozero, das sich auf das Recycling von Batteriematerialien spezialisiert hat, erklärte, japanische Unternehmen hätten im Laufe des letzten Jahrhunderts kontinuierlich Gelder zurückgelegt und investierten nun in den Ausbau ihrer Geschäftstätigkeit in Japan. Sie hob zudem hervor, dass zwischen den USA und China Beziehungen Japan zu einer wertvollen Brücke zum asiatischen Markt mache.
Sohara hob hervor, dass es in Japan nur wenige Unternehmer gibt, da die ältere Generation und Fachkräfte eine Karriere bei etablierten Unternehmen wie Toyota, Sony und Honda anstrebten. Er ließ jedoch hoffen, dass die jüngere Generation einen anderen Weg einschlägt. Er verglich die Situation mit der in Europa und erklärte, dass sich Europa zu einem Zentrum für Gründer entwickelt habe, die ein günstiges Umfeld für die Gründung ihrer Unternehmen suchen.
Soharadentzudem einige Herausforderungen für die Zusammenarbeit zwischen Japan und Europa und erklärte, dass Sprachbarrieren ein großes Hindernis für die Entwicklung darstellen. Er fügte hinzu, dass Englisch in Japan nicht weit verbreitet sei und dass lokale Übersetzungsprobleme und Missverständnisse eine entstehende Allianz schnell zum Scheitern bringen könnten.

