Die Europäische Kommission hat vorläufige Feststellungen veröffentlicht, in denen Meta und TikTok der Verletzung des EU-Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) beschuldigt werden, einer wegweisenden Verordnung zur Verbesserung der Online-Sicherheit und -Transparenz. Dies ist das erste Mal, dass Meta formell nach dem DSA angeklagt wurde.
Die Untersuchung ergab, dass beide Plattformen keinen ausreichenden Zugang zu öffentlichen Daten für Forscher boten, was die Bemühungen um eine Bewertung ihrer Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und Sicherheit behinderte.
Meta wird außerdem vorgeworfen, irreführende Designpraktiken, sogenannte „Dark Patterns“, anzuwenden, die es Nutzern erschweren, illegale Inhalte zu melden. Diese Praktiken verstoßen gegen die Anforderungen der DSA an ein transparentes Melde- und Handlungsverfahren.
Als Reaktion darauf bestritt ein Sprecher von Meta die Behauptungen und erklärte, das Unternehmen habe bereits Änderungen umgesetzt, die den DSA-Standards entsprächen.
Die EU fordert Technologieunternehmen dringend auf, die festgelegten Vorschriften einzuhalten
Die EU hat verschiedene Regelungen zur Kontrolle großer Technologieunternehmen erlassen. Ein Beispiel ist der Digital Services Act, der den Einfluss dieser Tech-Giganten einschränkt. Quellen zufolge hat die EU-Kommission zudem mehrere Untersuchungen auf Grundlage eines weiteren wichtigen Gesetzes, des Digital Markets Act .
Die Vorwürfe der Kommission gegen Meta haben in der Tech-Branche hitzige Debatten ausgelöst. Ben Walters, ein Sprecher des Technologieunternehmens, erklärte dazu, dass man jegliche gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe bezüglich eines angeblichen Verstoßes gegen das DSA zurückweise.
Er wies ferner darauf hin, dass das Unternehmen sich bemühe, in dieser Angelegenheit eine gemeinsame Basis zu finden, da es noch mit der Europäischen Kommission über diese Fragen verhandle.
Auf Nachfrage von Journalisten erklärte Walters, dass man seit Einführung des DSA in der Europäischen Union diverse Anpassungen an den Optionen zur Meldung von Inhalten, dem Beschwerdeverfahren und den Tools für den Datenzugriff vorgenommen habe. Walters ist daher der Ansicht, dass Meta mit diesen Änderungen die gesetzlichen Anforderungen erfülle.
TikTok lehnte eine Stellungnahme gegenüber Journalisten ab. Die EU betonte jedoch, dass der Zugang zu Informationen von Social-Media-Plattformen für Forscher wichtig sei. Dies ermögliche es der Öffentlichkeit, mögliche Auswirkungen technologiebedingter Aktivitäten auf die physische und psychische Gesundheit zu untersuchen.
TikTok gerät erneut in Schwierigkeiten mit der EU
In ihren vorläufigen Ergebnissen stellte die Kommission fest, dass Facebook, Instagram und TikTok möglicherweise komplexe Verfahren und Tools implementiert haben, die Forscher daran hindern, öffentliche Daten zu finden.
Infolgedessen verfügen Forscher regelmäßig über unvollständige oder unzuverlässige Daten, was es ihnen erschwert, zu untersuchen, ob Nutzer, insbesondere junge Menschen, illegalen oder schädlichen Inhalten ausgesetzt sind. Um dieses Problem anzugehen, hat die Kommission die betreffenden Technologieunternehmen aufgefordert, ihre Ergebnisse zu überprüfen und schriftlich Stellung zu nehmen.
Angenommen, die ersten Feststellungen der Kommission sind korrekt, kann sie einen Verstoß feststellen, was letztendlich zu einer Geldbuße von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes führen könnte. Dies ist ein erheblicher Betrag für Meta und ByteDance, die Muttergesellschaft von TikTok.
Unterdessen verhängte die irische Datenschutzbehörde bereits eine empfindliche Geldstrafe von rund 530 Millionen Euro (umgerechnet etwa 601,3 Millionen US-Dollar) gegen TikTok. Grund dafür waren Vorwürfe, das Technologieunternehmen habe Nutzerdaten aus der EU nach China übermittelt.
Nach Angaben der irischen Datenschutzkommission (DPC), die für die Datenschutzangelegenheiten von TikTok in der EU zuständig ist, hat TikTok gegen die DSGVO verstoßen, indem es europäische Nutzerdaten nach China übermittelt hat.
Um anderen Technologieunternehmen mit ähnlichen Absichten wie TikTok ein Exempel zu statuieren, ordnete die Regulierungsbehörde an, dass das Unternehmen innerhalb von sechs Monaten sicherstellen müsse, dass seine Datenverarbeitung den Vorschriften entspreche. Sie kündigte außerdem an, TikTok die Übermittlung von Daten nach China zu untersagen, sollte das Unternehmen die dann geltenden Regeln nicht einhalten.

