Die wichtigsten Industrienationen der Welt konnten im Oktober kaum an Dynamik gewinnen, da die weltweiten Neuaufträge durch die schwächere US-Nachfrage und eine weitere Welle von Zollforderungen aus Washington beeinträchtigt wurden.
Dieses Bild wurde durch neue, am Montag veröffentlichte Unternehmensumfragen deutlich. Sie legten nahe, dass die großen Produktionsnationen in Europa und Asien zum Jahresende mit deutlich weniger Zuversicht agierten, als sie es sich erhofft hatten.
In der gesamten Eurozone bewegte sich die Fabrikproduktion kaum, da die Neuaufträge stagnierten und viele Betriebe aufgrund des nachlassenden Arbeitsaufkommens Personal abbauten.
Deutschland, normalerweise der Motor der regionalen Güterproduktion, hatte erneut mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Branchenverbände berichteten von einem Einbruch der Auftragseingänge im Maschinenbau im September, was die Stimmung der Unternehmen für den Oktober trübte. Führungskräfte warteten weiterhin auf Anzeichen einer möglichen Rückkehr ausländischer Käufer, doch diese blieben in der jüngsten Umfrage aus.
Ausländische Käufer geben aufgrund der US-Zölle nicht genügend Bestellungen auf
Auch die französischen Produzenten verzeichneten einen schwachen Monat, und Italien meldete einen leichten Rückgang. Einziger Lichtblick unter den größeren Akteuren der Eurozone war Spanien, wo die Fabriken schneller expandieren konnten als im September.
Ein Ökonom warnte davor, dass hinter den Schlagzeilen ein tiefer liegendes Problem verborgen liege: Ausländische Käufer erteilten einfach nicht genügend Bestellungen, um die Auslastung der Werke auf normalem Niveau zu halten.
In Großbritannien verzeichneten die Fabriken enjbesten Monatsumsatz seit einem Jahr. Branchenkenner warnten jedoch, dass diese Erholung nur von kurzer Dauer sein könnte, da der Großteil des Anstiegs auf ein einziges Ereignis zurückzuführen sei: die Wiederaufnahme der Produktion bei Jaguar Land Rover, nachdem ein Cyberangriff Teile der Produktionslinien lahmgelegt hatte.
In Asien gab es aus politischer Sicht erste Anzeichen für Fortschritte. US-Präsidentdent Trump reiste letzte Woche durch die Region und schlug in seinen Treffen mit China und Südkorea einen ungewöhnlich höflichen Ton an. Dabei wurden einige kleinere Abkommen unterzeichnet, darunter eine einjährige Verschiebung bestimmter Gegenzölle.
Dennoch bleiben die Exporteure in diesen Ländern vorsichtig und trauen noch nicht, dass sich die US-Nachfrage in der von ihnen benötigten Weise erholen wird.
Chinas Index für den privaten Sektor zeigte im Oktober ein verlangsamtes Wachstum im verarbeitenden Gewerbe, wobei die Exportaufträge erneut zurückgingen und Südkorea tatsächliche Rückgänge verzeichnete. Chinas offizielle Fabrikumfrage, die am Freitag veröffentlicht wurde, wies den siebten Monat in Folge mit einemtracauf.
Analysten sehen darin einen Beweis dafür, dass der Ansturm auf den Warenversand vor den vorherigen Zollerhöhungen vollständig abgeklungen ist. Ein Ökonom erklärte, Chinas Konjunkturabschwächung könne sich kurzfristig durch Anpassungen der Unternehmen etwas erholen, doch dürften die Gewinne gering ausfallen, da das bisher erzielte Handelsabkommen nur einen begrenzten Umfang habe und die tiefer liegende Kluft zwischen den USA und China nicht überbrücke.
Die chinesische Führung beobachtet die Zahlen genau, da das offizielle Ziel des Landes weiterhin bei einem Wachstum von etwa 5 % im Jahr 2025 liegt. Um dieses Ziel ohne neue Konjunkturprogramme zu erreichen, benötigt Peking eine stetige Auslandsnachfrage, und genau daran mangelt es bisher.
Ja, es haben sich neue Exportmärkte erschlossen, und die Warenlieferungen im September stiegen schneller als erwartet, da die Produzenten anderswo neue Abnehmer fanden, nicht etwa aufgrund einer verbesserten US-Nachfrage. Die Exporte in die USA gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um mehr als ein Viertel zurück.
Südkorea erzielte zwar auch ein Zollabkommen mit Washington, doch lokale Wirtschaftsverbände bezeichneten es eher als Absicherung denn als echten Erfolg. Es verhindere lediglich, dass koreanische Waren im globalen Wettbewerb um Käufer an Boden verlieren. Ein Handelsbeamter formulierte es so: Das Abkommen zementiere den Status quo, anstatt das Wachstum anzukurbeln.
Indien verzeichnete im Oktober jedoch ein insgesamt schnelleres Fabrikwachstum, gestützt durch die Nachfrage lokaler Abnehmer, was die Exportverluste teilweise ausgleichen konnte. Malaysia und Taiwan blieben schwach. Vietnam und Indonesien konnten hingegen an Tempo zulegen.

