Eine neue Umfrage der British Chambers of Commerce hat ergeben, dass die neuen Handelsabkommen der britischen Regierung den kleinen Unternehmen in Großbritannien nicht besonders zugutekommen.
Die Insights Unit der BCC befragte 4.638 Unternehmen, die meisten davon kleine und mittlere Unternehmen (KMU), und stellte fest, dass 84 % der Unternehmen mit 10 oder weniger Mitarbeitern entweder zu wenige Exportaufträge erhalten, um einen Unterschied zu machen, oder sich selten am internationalen Handel beteiligen.
Größere Unternehmen, die über mehr Ressourcen und gut etablierte Lieferketten verfügen, schneiden besser ab: 42 % der Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitern verzeichnen ein Wachstum ihrer Exportaufträge.
William Bain, Leiter der Handelspolitik bei der BCC, nannte die Ergebnisse „zutiefst besorgniserregend“ und merkte an, dass die Kluft zwischen kleinen und großen Exporteuren wächst. Die potenziellen Vorteile neuer Handelsabkommen können nur dann zum Tragen kommen, wenn kleinere Exporteure mehr Unterstützung erhalten.
Er fügte hinzu, dass eine Steigerung der britischen Exporte um 25 % das langfristige BIP-Wachstum um 0,6 % erhöhen könnte, dies sei jedoch nur möglich, wenn kleinere Exporteure Zugang zu neuen Märkten erhielten.
Die Welthandelsorganisation (WTO) bestätigte diese Bedenken jedoch kürzlich. Laut dem Bericht zur britischen Handelspolitik hat der Exportbeitrag des Landes zum BIP nach der Pandemie wieder das Vorkrisenniveau erreicht.
Seit dem Brexit sind die Exporte Großbritanniens in die Europäische Union um fast 30 % zurückgegangen, während die Zahl der kleinen Unternehmen, die ihre Exporte in den Staatenbund eingestellt haben, 16.000 übersteigt.
Die Regierung unterzeichnet Handelsabkommen, aber kleine Unternehmen haben weiterhin zu kämpfen
Die britische Regierung hat eine Reihe von Handelsabkommen mit Ländern wie Australien, Japan, Neuseeland und Mitgliedern des Umfassenden und Progressiven Abkommens für die Transpazifische Partnerschaft (CPTPP) abgeschlossen und führt Gespräche mit Indien, während sie gleichzeitig ihr digitales Handelsabkommen mit den USA neu verhandelt.
Trotz der breiten Streuung solcher Abkommen bleiben die kleinen Unternehmen, die dadurch gestärkt werden sollten, weitgehend von der Debatte ausgeschlossen. Bain, die BCC und andere Wirtschaftsverbände argumentieren, dass die staatliche Unterstützung zu konzentriert sei und dringend modernisiert werden müsse.
Bain erklärte, neue Handelsabkommen seien nur so wirksam wie die Fähigkeit eines Unternehmens, sie anzuwenden, und warnte, dass kleine Unternehmen ohne staatliche Investitionen in Handelsbildung, Digitalisierung und lokale Exportberater weiterhin ausgeschlossen blieben. Das Ministerium für Wirtschaft und Handel wies diese Behauptung jedoch zurück und betonte, es ergreife bereits Maßnahmen.
Die Regierung hat kürzlich die Kreditlimits der britischen Exportfinanzierungsagentur von 60 Milliarden auf 80 Milliarden Pfund erhöht und ermöglicht so kleineren Exporteuren den Zugang zu erschwinglichen Finanzierungen. Das Ministerium erklärte, die Exportförderung wirke sich transformativ auf Produktivität, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum aus. Insider berichteten jedoch, dass hinter den Kulissen umfassende Kürzungen vorgenommen würden.
Laut einer Umfrage der Financial Times deuten drei private Quellen darauf hin, dass DBT seine Belegschaft um 20 % reduziert hat. Viele regionale Berater, die kleinen Unternehmen individuelle Unterstützung anbieten, waren von den Kürzungen betroffen.
Experten fordern digitale Handelslösungen und praktische Hilfe
Handelsbefürworter argumentieren, dass die Regierung die Exportprozesse vereinfachen und auf digitale Handelssysteme. Laut Chris Southworth, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer Großbritannien, hemmen strukturelle Barrieren das Wachstum kleinster Unternehmen.
An erster Stelle steht der immense bürokratische Aufwand, der mit dem EU-Austritt einherging. Darüber hinaus werden der Zugang zu günstigen Handelskrediten und Informationen über die zu erwartenden bürokratischen Hürden in neuen Märkten entscheidend sein.
Kleinunternehmen benötigen digitale Systeme, präzise Kostenprognosen und die Gewissheit, dass Waren die Sicherheitskontrollen problemlos passieren. Die BCC fordert einen „Handelsbeschleuniger“, um dieses Ziel zu erreichen.
Der Vorschlag sieht zusätzliche Online-Schulungen für Exporteure vor, ebenso wie ein vereinfachtes Zollsystem und spezielle Fördergelder für kleine Unternehmen, die erstmals grenzüberschreitend tätig werden wollen. Die Gruppe hat dem Finanzminister geraten, den Plan im kommenden Haushaltsplan vorzulegen, um die globalen Wachstumschancen nicht zu gefährden.

