Südkoreas Aktienmarkt befindet sich im freien Fall. Es herrscht Chaos, und niemand weiß, wo der Tiefpunkt liegt. Der Kospi, der wichtigste Aktienindex des Landes, verzeichnet die längste Verlustserie seit 2008 und wird bis 2024 voraussichtlich um über 8 % fallen.
Vergleicht man das mit einer globalen Rallye von 18 %, ergibt sich ein Chaos, das Investoren in Scharen abschreckt. Politische Instabilität und Fehlentscheidungen am Markt haben Südkorea für Aktienhändler zu einem Ärgernis gemacht.
Als ob das nicht schon genug wäre, hat Donald Trumps zweite Amtszeit alles noch verschlimmert. Er greift erneut auf die Drohung mit Zöllen auf Technologieexporte zurück und verunsichert damit genau die Unternehmen, auf die Südkoreas Wachstum angewiesen ist. Der Boom der künstlichen Intelligenz? Er geht an Südkorea vorbei.
Samsungtron, der Stolz des Landes, kämpft nach einem Kurssturz von 32 % ums Überleben. Das Unternehmen, einst führend in der KI-Innovation, versucht nun, den Rückstand aufzuholen. Allein in diesem Jahr haben Anleger Samsung-Aktien im Wert von 7 Milliarden US-Dollar verkauft.
Die überraschenden Lichtblicke
Es gibt auch gute Nachrichten, wenn man genauer hinsieht. Aktien von Energieausrüstern boomen. HD Hyundai Electric Co., vor 2024 ein eher unbekannter Akteur, avancierte mit einem atemberaubenden Kursanstieg von 370 % zum Star. Der Grund: KI-Rechenzentren benötigen immer mehr Strom, und Hyundai Electric cashenorm davon.
Samyang Foods beweist derweil, dass TikTok nicht nur etwas für Teenager und Tanz-Challenges ist. Die scharfen Buldak-Nudeln des Unternehmens gingen in den USA viral und ließen den Aktienkurs um 250 % steigen.
Die Nudeln sind ein wahrer Gaumenschmaus und ein Kassenschlager – Samyang Foods gehört damit zu den bekanntesten Namen auf dem südkoreanischen Markt. Einige Analysten sehen für dieses unkonventionelle Lebensmittelunternehmen noch weiteres Wachstumspotenzial.
Auch Banken erleben derzeit einen Boom. Die KB Financial Group Inc., Südkoreas größter Bankenriese, verzeichnete in diesem Jahr ein Plus von fast 60 %. Das ist ihr bestes Ergebnis seit 2009, angetrieben durch die staatliche Kampagne zur Steigerung des Unternehmenswerts.
Die Initiative soll die Unternehmensführung reformieren und die Rendite für die Aktionäre steigern, und die Banken haben sich schnell angeschlossen. Wenigstens macht jemand etwas richtig.
Samsung und die Batterien von Elektrofahrzeugen geraten unter Druck
KI-fokussierten Konkurrenten mitzuhalten , insbesondere bei Speicherchips für KI-Prozessoren. Investoren hatten große Hoffnungen in Samsungs Partnerschaft mit Nvidia gesetzt, doch diese Träume zerschlugen sich schnell.
Samsung wird nun von SK Hynix, deren Aktienkurs in diesem Jahr um über 20 % gestiegen ist, regelrecht abgehängt. Und von den Herstellern von Batterien für Elektrofahrzeuge will ich gar nicht erst anfangen. Es herrscht ein regelrechtes Blutbad. Samsung SDI, Posco Holdings und LG Chem haben alle rund 50 % an Wert verloren, während Ecopro BM, ein kleinerer Akteur, über 60 % seines Wertes eingebüßt hat.
Wieder einmal ist Trump schuld – sein Versprechen, den US Inflation Reduction Act aufzuheben, hat die Anreize für den Kauf von Elektrofahrzeugen zunichtegemacht und die Nachfrage einbrechen lassen. Privatanleger, die einst von diesem Sektor begeistert waren, sind wie vom Erdboden verschluckt.
Die Zukunft sieht aber nicht nur düster aus. Die EU führt strengere Emissionsrichtlinien ein, und es wird über eine Konsolidierung der Branche gesprochen. Günstigere Elektroautomodelle könnten im nächsten Jahr ebenfalls das Interesse wiederbeleben. Doch momentan liegt dieser Sektor in Trümmern.
Politisches Chaos schürt Panik unter Anlegern
Südkorea hat es geschafft, innerhalb eines Monats zwei Staatschefs abzusetzen.dent Yoon Suk Yeol wurde im Dezember abgesetzt, nachdem er für sechs Stunden das Kriegsrecht verhängt hatte – eine so extreme Entscheidung, dass sie selbst seine Anhänger schockierte.
Er rechtfertigte sein Vorgehen mit der Behauptung, es sei notwendig, „die verfassungsmäßige Ordnung zu schützen“, doch die Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Die Opposition zögerte nicht und leitete ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn ein.
Dann folgte der Sturz des amtierendendent Han Duck-soo. Die Abgeordneten setzten ihn ab, weil er die Ernennung von Verfassungsrichtern verzögert hatte. Das Gericht muss nun entscheiden, ob Yoon wieder eingesetzt oder seine Amtsenthebung endgültig vollzogen wird.
Dieses politische Spektakel hat Südkoreas Ruf als stabile Demokratie schwer beschädigt. Investoren sind verunsichert, und der koreanische Won hat nach Hans Amtsenthebung einen Kursverlust erlitten und ist gegenüber dem Dollar um 0,40 % auf 1.472,22 gefallen.
Die Reformen zur Steigerung des Unternehmenswerts, die Anlegern noch etwas Hoffnung gaben, scheinen nun am Ende zu sein. Ohnetronpolitische Unterstützung ist unklar, wie weit diese Veränderungen reichen können.
Als ob die Lage nicht schon schlimm genug wäre, muss Südkorea nun auch noch mit Chinas aggressiven Konjunkturmaßnahmen fertigwerden. Peking pumpt massiv Geld in seine Wirtschaft und bietet Investoren glänzende neue Chancen. Südkorea hingegen gleicht einem sinkenden Schiff. Die Kapitalabflüsse beschleunigen sich, da globale Investoren anderswo nach höheren Renditen suchen.

