Nvidia ist nun offiziell mehr wert als Indien. Der US-amerikanische Chipriese erreichte eine Marktkapitalisierung von 4,33 Billionen US-Dollar und überholte damit die gesamte indische Wirtschaft, die laut Daten von Yahoo Finance und dem IWF bei 4,19 Billionen US-Dollar liegt.
Diese Zahl kommt genau zu dem Zeitpunkt, an dem Indien für das im Juni endende Quartaltronals erwartet ausgefallenes BIP-Wachstum von 7,8 % verzeichnete. Trotzdem sank das nominale BIP Indiens, also das nicht inflationsbereinigte, auf 8,8 %, nach 10,8 % im Vorquartal.
Das verarbeitende Gewerbe legte um 7,7 % zu, der Dienstleistungssektor um 9,3 % und das Baugewerbe um 7,6 %. Das spielt aber keine Rolle. Nvidia, ein einzelnes Unternehmen, ist auf dem Papier jetzt „wertvoller“ als all diese Unternehmen zusammen.
Nvidia erreichte als erstes Unternehmen überhaupt einen Wert von über 4 Billionen US-Dollar, angetrieben durch den rasanten Aufstieg der künstlichen Intelligenz. Innerhalb des letzten Jahrzehnts wandelte sich Nvidia vom Hersteller von Grafikchips für Spiele zum führenden Anbieter von KI-Hardware.
Alle wichtigen KI-Plattformen, von Chatbots bis hin zu Unternehmenslösungen, basieren auf diesen Chips. Dieser Wandel geschah nichtdent. Er ist das Ergebnis jahrelanger Produktentwicklung und Marktbeherrschung. Doch anstatt ihn weiterlaufen zu lassen, hat die Regierung von Donald Trump begonnen, einzugreifen.
Trump drängt Nvidia zu einem Intel-Deal
Während Jensen Huang, der Vorstandsvorsitzende von Nvidia, letzte Woche an Trumps Staatsbesuch in Großbritannien teilnahm, bestätigte das Unternehmen stillschweigend seine Investition von 5 Milliarden US-Dollar in Intel. Dieser Deal erregte Aufsehen, insbesondere da die US-Regierung erst vor einem Monat 10 % der Intel-Anteile erworben hatte.
Nichts davon wirktdent. Der Druck ist offensichtlich. Jensen ist nicht einfach aufgewacht und hat beschlossen, ein Unternehmen zu unterstützen, das seine Technologieführerschaft verloren hat und seit Jahren Marktanteile einbüßt. Intels Aktienkurs stieg nach der Nachricht zwar um 20 %, befand sich aber zuvor in einem langen Abwärtstrend.
Nun wird der weltweit führende Chiphersteller dazu gezwungen, einem schwächeren Konkurrenten mit staatlicher Unterstützung zu helfen. Das ist kein Geschäft, sondern Politik. Und es ist nicht das einzige Beispiel.
Im Sommer stimmte Nvidia außerdem zu, 15 % aller Einnahmen aus dem Verkauf fortschrittlicher Chips in China direkt an die US-Regierung abzugeben. Das war die Bedingung für die Exportlizenzen.
Washington ist faktisch zum stillen Teilhaber im China-Geschäft geworden. Das Weiße Haus behauptete, dies diene der nationalen Sicherheit. Doch es wurde nicht erklärt, welchen Schutz die Annahme von Geldern von Nvidia bieten soll.
Das Weiße Haus setzt Nvidia unter Druck, die Produktion zu verlagern
Doch das war noch nicht alles. Im April kündigte Nvidia an, erstmals Chips in den USA zu produzieren. Bis dahin stammten fast alle Chips aus Taiwan.
Doch in Texas und Arizona entstehen bereits neue Fabriken. Auch hier passt der Schritt perfekt zu den Zielen Washingtons, nicht unbedingt zu denen von Nvidia. Dieses Unternehmen agiert nicht mehr nach seinen eigenen Vorstellungen.
Von Nvidias Geschäftsmodell über die Produktionsstandorte bis hin zu den Partnern – alles ist mittlerweile an die US-Regierung gekoppelt. Von außen betrachtet scheint Trump die Fäden in der Hand zu halten.
Nvidia ist mittlerweile ein teilweise staatlich gelenktes Unternehmen. Keine der Maßnahmen (sei es die Unterstützung von Intel, die Aufteilung der chinesischen Umsätze oder die Verlagerung von Produktionsstätten) ist wirtschaftlich sinnvoll.
Vor all dem bestand Nvidias einzige Aufgabe darin, den Wettlauf um KI-Hardware anzuführen. Und das gelang ihnen. So wie einst jeder PC mit „Intel Inside“ lief, läuft heute jedes moderne KI-System mit Nvidia. Diese Dominanz schuf Billionen an Wert, enorme Gehälter für die Mitarbeiter und jahrelange Technologieführerschaft der USA.

