Der Einsatz von Live-Gesichtserkennungstechnologie (LFR) durch die Metropolitan Police in Westminster wurde von Bürgerrechtlern als „orwellsches Massenüberwachungsinstrument“ bezeichnet. Big Brother Watch, eine führende Datenschutzorganisation, hat Alarm geschlagen wegen des Einsatzes dieser Technologie durch die Polizei, insbesondere nach mindestens acht Einsätzen seit dem Pilotprojekt im Jahr 2022.
So funktioniert LFR
Die LFR-Kameras scannen im aktiven Zustand jede vorbeigehende Person. Jedes Gesicht wird erfasst und in einen „biometrischen Gesichtsabdruck“ umgewandelt, ähnlich einem Fingerabdruck. Diese Abdrücke werden dann mit einer polizeilichen Fahndungsliste abgeglichen, um mögliche Übereinstimmungendent– alles ohne die Zustimmung der gescannten Personen.
Madeleine Stone von Big Brother Watch verglich die Erfahrung mit einer obligatorischen Fingerabdruckkontrolle, nur um eine Straße entlanggehen zu dürfen. Sie kommentierte: „Es ist dasselbe, als müsste man sich von der Polizei die Fingerabdrücke nehmen lassen, um die Straße entlanggehen zu dürfen.“
dentund Bedenken
Bei einemdent am 9. September wurde ein Mann in der Wardour Street von der Polizei angehalten, nachdem sein Gesicht mit dem eines Mannes abgeglichen worden war, der einen Gerichtstermin versäumt hatte. Die Polizei behauptet, er habe bei der Anhaltung einen Beamten angegriffen.
Die Metropolitan Police Service (MPS) hingegen versichert, dass die Technologie ausschließlich dazu eingesetzt wird, „gefährliche Personen aufzuspüren“.
Arten der Gesichtserkennung
Die Polizei nutzt zwei Hauptformen der Gesichtserkennung:
Retrospektive Erkennung: Bei dieser Methode werden Bilder von Verdächtigen mit bestehenden Bilddatenbanken aus dem Gewahrsam verglichen.
Live-Gesichtserkennung (LFR): Die LFR-Gesichtserkennung ist schneller und erfolgt von Polizeifahrzeugen aus, die in bestimmten Gebieten stationiert sind. Schilder informieren die Öffentlichkeit darüber, dass die Gesichtserkennung aktiv ist.
Sir Mark Rowley, der Kommissar der Metropolitan Police, erwähnte kürzlich, dass die neuen Pläne der Polizei, die nachträgliche Gesichtserkennung zur Identifizierung vondenteinzusetzen, „neue Wege beschreiten“.
Menschenrechtsbedenken
Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen haben tiefe Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von Gesichtserkennung geäußert und diese als diskriminierend, ungenau und als erhebliches Datenschutzrisiko bezeichnet.
Frau Stone betonte, dass seit der Einführung der Gesichtserkennung über 80 % der Treffer fehlerhaft waren. Sie fügte hinzu: „Dies ist ein orwellsches Massenüberwachungsinstrument, das man selten außerhalb Russlands und Chinas sieht und das in London absolut nichts zu suchen hat.“
Darüber hinaus liegen Berichte über Personen, darunter auch Kinder, vor, die fälschlicherweise von LFRdentund anschließend von der Polizei festgenommen wurden. Frau Stone wies außerdem auf die algorithmische Verzerrung der Technologie hin und merkte an, dass sie „für Frauen und People of Color weniger genau“ sei.
Polizeiarbeit und Vertrauen
Caroline Russell, Vorsitzende des Polizeiausschusses der Londoner Stadtverordnetenversammlung, betonte die mangelnde Transparenz hinsichtlich der Zusammensetzung der Fahndungslisten und des Zwecks der Einsätze. Sie erklärte: „LFR ist eine wirklich gefährliche Technologie, und es ist sehr schwer zu erkennen, inwiefern sie die Polizeiarbeit tatsächlich verbessert.“
Das Londoner Ethikgremium der Polizei berichtete, dass bestimmte demografische Gruppen, insbesondere jüngere Personen und solche mit asiatischem, schwarzem oder gemischtem ethnischem Hintergrund, eher dazu neigen, Veranstaltungen zu meiden, wenn bekannt ist, dass eine LFR-Überwachung stattfindet.
Die Haltung von MPS
Als Reaktion auf die Bedenken erklärte ein Sprecher der Metropolitan Police, dass der Schwerpunkt von LFR auf schweren Straftaten wie Gewaltdelikten und Personen mit offenen Haftbefehlen liege. Er betonte, dass die Technologie maßgeblich zu mehreren Festnahmen wegen schwerer Straftaten beigetragen habe.
Big Brother Watch hat jedoch die Angaben der MPS zur Genauigkeit der Technologie bestritten und angedeutet, dass die MPS eine andere Formel zur Berechnung der Genauigkeitsraten verwendet.
Forderungen nach einem Verbot
Die Menschenrechtsorganisation Liberty hat eine Petition gestartet, in der sie das Innenministerium auffordert, Gesichtserkennungstechnologie vollständig zu verbieten. Emmanuelle Andrews, Leiterin für Politik und Kampagnen bei Liberty, erklärte: „Soziale Probleme lassen sich nicht durch Polizeiarbeit und Überwachung lösen… Am sichersten für alle wäre ein Verbot der Gesichtserkennungstechnologie.“
Der Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie durch die Metropolitan Police hat eine heftige Debatte über Datenschutz, Ethik und die Rolle der Überwachung in der modernen Gesellschaft ausgelöst. Angesichts der fortschreitenden technologischen Entwicklung bleibt es eine dringende Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und individuellen Rechten zu finden.

