Xi Jinping will, dass Chinas Technologieunternehmen aufhören, sich durch endlose Preiskämpfe gegenseitig zu ruinieren. Die Plattformen senken ständig die Kosten, um sich gegenseitig auszustechen, und nun greifen auch die Regulierungsbehörden ein.
Peking will nicht, dass Unternehmen auch im nächsten Jahr wieder Subventionen an Verbraucher verteilen, nur um Marktanteile zu gewinnen. Die Regierung steht unter Druck, dies zu unterbinden, insbesondere angesichts der drohenden Deflation und der seit über drei Jahren anhaltenden sinkenden Preise.
Die oberste Aufsichtsbehörde, SAMR, geht systematisch gegen Unternehmen vor. Zuerst nahm sie Essenslieferdienste ins Visier. Diese Woche kündigte sie dann eine Untersuchung gegen Chinas größtes Reisebuchungsportal Ctrip an.
Ctrip reiht sich in die Liste der untersuchten Lebensmittellieferanten ein
Ctrip wird nun offiziell untersucht, was die SAMR am Mittwoch öffentlich bekannt gab. Die Untersuchung folge unmittelbar auf frühere Untersuchungen der Lieferdienste von Meituan und Alibaba.
Die Regulierungsbehörden versuchen, die sogenannte „Involution“ einzudämmen; im Grunde genommen beschreibt sie den Fall, dass Unternehmen ohne langfristigen Plan alles daransetzen, durch Preissenkungen und Rabattaktionen wettbewerbsfähig zu bleiben. Dieses Problem betrifft ganz China, von Technologieunternehmen über Elektroautos bis hin zu Solaranlagen.
Trip.com, die Muttergesellschaft von Ctrip, die in Hongkong börsennotiert ist, verzeichnete in der vergangenen Woche einen Kursverlust von über 20 %. Ctrip gab eine Erklärung ab, in der das Unternehmen seine Kooperation mit den Ermittlungen zusicherte und betonte, dass der Geschäftsbetrieb weiterhin normal laufe.
Die neue Dynamik der SAMR kommt nicht von ungefähr. Nach dem harten Vorgehen gegen Technologieunternehmen im Jahr 2021 verlangsamte sich die Durchsetzung der Vorschriften jahrelang. Unternehmen konnten aufatmen. Doch nun nimmt die Aktivität wieder Fahrt auf. Experten zufolge ist die SAMR zwar selbstbewusster gewordendent aber weiterhin unterbesetzt.
Anstatt also komplexe Verfahren einzuleiten, bittet die Regierung Führungskräfte um Warnungen und fordert den Staatsrat (Chinas oberstes Regierungsorgan) auf, ihre Bemühungen öffentlich zu unterstützen.
Preiskrieg bei Lebensmittellieferungen zwingt Regulierungsbehörden zum Handeln
Der Markt für Essenslieferungen explodierte förmlich. Letztes Jahr drängten Alibaba und JD.com in Meituans Territorium. Alle warfen Unsummen in Rabatte: Billigburger, Gratisgetränke – alles, was nötig war. Die Plattformen machten Verluste. Auch Restaurants mussten die Preise senken.
Die Regulierungsbehörden beriefen die Plattformen im Juli zu einem Treffen ein und forderten sie zur Mäßigung auf. Doch der Streit ging weiter. Die Subventionen flossen den ganzen Sommer über. Ein Manager erklärte, es sei schwierig, den Konflikt beizulegen, solange die Regierung keine echten Strafen verhänge. Die Verantwortlichen sind jedoch nervös. Diese Unternehmen beschäftigen Millionen von Arbeitnehmern und beliefern Tausende von Restaurants, daher agieren sie in einem schwachen Arbeitsmarkt äußerst vorsichtig.
Chelsey Tam von Morningstar erklärte, die starken Kursverluste würden sich zwar nun verlangsamen, doch das habe viel zu lange gedauert. Diese Verzögerung zeige, wie schlecht das Verhältnis zwischen Technologieunternehmen und Regulierungsbehörden geworden sei. Die Spannungen seien hoch.
Letzten Monat eskalierte die Situation. Mitarbeiter von SAMR erschienen im Shanghaier Büro der PDD Group. Sie waren dort, um Informationen über die Preisgestaltung und die Behandlung der Lieferanten zu sammeln.
Laut lokalen Medienberichten kam es während der Inspektion zu einer Schlägerei zwischen Mitarbeitern und Aufsichtsbeamten.
Eine Quelle gab angeblich an, dass SAMR das Verhalten von PDD als arrogant empfand. Eine solche Reaktion könnte später zu noch härteren Maßnahmen führen. Bislang wurde keine Geldstrafe verhängt. Sollte PDD jedoch weiterhin so agieren, dürfte das Unternehmen als Nächstes dran sein.
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