Lip-Bu Tan sagt, er versuche, Intel wieder auf seine Kernkompetenzen zu besinnen. Das Unternehmen habe den Fokus verloren, sei in Selbstzufriedenheit verfallen und habe zu viele Entscheidungsebenen gehabt.
Lip-Bu beschrieb Intel als ein Unternehmen, das einst großartig war, aber den Fokus verloren hat. Er trat dem Unternehmen im März bei und erklärte, seine Aufgabe sei es, Intel wieder auf die Entwicklungsarbeit zu konzentrieren, die tatsächlich Chips herstellt, anstatt endlose Meetings über Chips abzuhalten.
Der neue Intel-Chef sprach am 28. Oktober auf der Future Investment Initiative in Riad. Er sagte: „Vor 20, 30 Jahren war das ein enormer Erfolg. Deshalb habe ich beschlossen, hier aufzuräumen.“
Lip-Bus Strategie konzentrierte sich bisher auf künstliche Intelligenz und den Wiederaufbau von Intels Auftragsfertigungsgeschäft. Mit diesem Geschäft versucht Intel, Chips für andere Hersteller zu fertigen, ähnlich wie der taiwanesische Konzern TSMC.
Intel ist in diesem Bereich deutlich hinter Taiwan zurückgefallen. Er sagte, Intel müsse hier nachbessern, wisse aber auch um den Rückstand. Seine Arbeit bestehe daher nicht aus leeren Worten, sondern aus einem langfristigen Aufholprozess. Und die Welt schaue genau hin, denn diese Branche entwickle sich rasant. Intel habe nicht mithalten können.
Tan befasst sich mit Führungsspannungen und politischem Druck
Lip-Bus Amtszeit war nicht einfach. Der Druck kam nicht nur von Investoren oder den Entwicklern, sondern auch aus dem Weißen Haus. Ex-dent Donald Trump hatte ihn bereits früher zum Rücktritt aufgefordert.
Trump verwies auf Lip-Bus frühere Investitionen in China. Lip-Bu sagte, er habe daraufhin um ein direktes Treffen mit Trump gebeten. Er habe Trump erklärt, dass diese Investitionen Jahre zuvor während seines Aufenthalts in Singapur getätigt worden seien. Er habe Trump mitgeteilt, dass er diese Investitionen in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht habe. Dieses Treffen habe die Stimmung verändert.
Im August erwarb die US-Regierung einen zehnprozentigen Anteil an Intel. Es handelte sich nicht um eine gewöhnliche Unternehmensinvestition. Sie war Teil einer nationalen Initiative zum Wiederaufbau der heimischen Produktion in als kritisch eingestuften Branchen.
Lip-Bu verglich dies mit Taiwans Unterstützung für TSMC auf dessen Weg zum Weltmarktführer. Er sagte: „Ich habe ihm meinen Plan vorgestellt. Er war begeistert.“ Die politische Dimension ist einfach: Die USA wollen nicht ewig von ausländischen Chip-Lieferungen abhängig sein.
Intel soll die amerikanische Antwort sein. Lip-Bu soll diese Antwort liefern. Und die Anleger warten nun gespannt darauf, wie genau das geschehen soll.
Intel forciert neuen KI-Chip, um zu Nvidia aufzuschließen
Intel präsentierte letzte Woche Quartalszahlen, die die Erwartungen übertrafen. Die Aktie stieg zunächst, gab dann aber wieder nach, als Anleger sich daran erinnerten, dass Intel im am schnellsten wachsenden Markt der Chipindustrie – der künstlichen Intelligenz – weiterhin hinterherhinkt.
Intel ist zwar weiterhin Marktführer bei PC-Prozessoren, doch Nvidia hat im Bereich KI die Führung übernommen. Nvidia vertreibt GPUs, die zum Trainieren und Ausführen von KI-Systemen verwendet werden. Auch AMD gewinnt Marktanteile. Genau in dieses Schlachtfeld versucht Intel zurückzukehren.
Am 14. Oktober kündigte Intel einen neuen KI-Chip für Rechenzentren an. Es handelt sich um eine GPU namens Crescent Island. Die Markteinführung wird für nächstes Jahr erwartet. Intels CTO, Sachin Katti, präsentierte den Chip auf dem Open Compute Summit.
Lip-Bu erklärte, der Chip werde auf Energieeffizienz optimiert und für KI-Inferenz-Workloads ausgelegt sein. Er sagte: „Das unterstreicht den Fokus, den ich bereits erwähnt habe: Inferenz, optimiert für KI, optimiert für die beste Token-Ökonomie und die beste Performance pro US-Dollar.“
Crescent Island wird anstelle des von Nvidia und AMD verwendeten Speichers mit hoher Bandbreite 160 Gigabyte eines langsameren Speichertyps besitzen. Das Design stammt von Intels Consumer-GPUs.
Intel hat nicht bekannt gegeben, welches Herstellungsverfahren zum Einsatz kommen wird. Dies ist von Bedeutung, da das Herstellungsverfahren Effizienz und Leistung bestimmt, und Intel hat in diesem Bereich noch Nachholbedarf.
Lip-Bu kündigte an, Intels ins Stocken geratene KI-Projekte wiederaufzunehmen. Er erwähnte die pausierten Gaudi-Chips und Falcon-Shores-Prozessoren. Crescent Island sei das erste Anzeichen für diesen Neustart.
Der Markt wartet nun auf Taten, nicht auf leere Versprechungen. Investoren wollen keine Parolen, sondern funktionierende Lösungen. Lip-Bu weiß das. Er sagte, er sei gekommen, um „aufzuräumen“. Jetzt will jeder sehen, dass dieser Aufräumprozess tatsächlich stattfindet.

