Das Unternehmen Waymo, das sich auf selbstfahrende Autos spezialisiert hat, bereitet sich darauf vor, seine Präsenz in Amerika und darüber hinausmaticzu erhöhen. Geplant ist, die Anzahl der wöchentlichen Fahrten bis Ende nächsten Jahres zu vervierfachen und in Dutzende neuer Städte einzusteigen.
Der autonome Fahrdienst Waymo, der zu Alphabet gehört, vermittelt derzeit wöchentlich rund 250.000 Fahrten. Unternehmensvertreter geben an, bis Ende 2026 eine Million Fahrten pro Woche erreichen zu wollen. Seit dem Start des öffentlichen Dienstes im Jahr 2020 hat Waymo insgesamt 20 Millionen Fahrten durchgeführt.
Waymo tracauf das Jahr 2009 zurück, als Google das Projekt innerhalb seiner experimentellen X-Abteilung startete. 2016 nahm das Unternehmen seinen heutigen Namen an. Zwei Jahre später ging es eine Partnerschaft mit dem britischen Automobilhersteller Jaguar ein und nutzte den Elektro-Pace für sein Testprogramm. Dieses Modell ist bis heute das am häufigsten anzutreffende Fahrzeug.
Aktuell können Nutzer in San Francisco, Phoenix, Los Angeles, Austin und Atlanta die Waymo-App öffnen und eine Fahrt in einem fahrerlosen Auto bestellen. Der Service ist in Austin und Atlanta auch über Uber verfügbar.
Die Alphabet-Aktien legten am Freitagvormittag nach Bekanntwerden der Expansion zu.
Das Unternehmen befindet sich in seiner bisher stärksten Wachstumsphase. Im kommenden Jahr werden zwanzig neue Märkte in das Waymo-Netzwerk aufgenommen. In mehreren Städten im Süden der USA, darunter Miami, Dallas, Houston, San Antonio und Orlando, laufen bereits Tests. Der vollständige Service soll dort Anfang 2026 starten.
Im Westen gesellen sich Las Vegas und San Diego hinzu; die Inbetriebnahme wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 erfolgen.
Der Nordosten der USA stellt besondere Herausforderungen dar. Waymo testet sein System derzeit in Detroit und Washington, D.C., mit geplanten Markteinführungen im Jahr 2026. Anfang des Monats wurden Baltimore, Philadelphia, Pittsburgh und St. Louis in den Zeitplan aufgenommen. Städte im Norden bringen besondere Probleme mit sich, da Schnee und schlechtes Wetter die Sensoren der Fahrzeuge beeinträchtigen können. Um dem entgegenzuwirken, wird Waymo den Service in diesen Städten mit menschlichen Fahrern starten, die im Notfall eingreifen können.
Auch in New York City werden Tests durchgeführt, allerdings hat das Unternehmen keinen Zeitplan für den tatsächlichen Betriebsstart dort genannt. Da spezielle Genehmigungen erforderlich sind, verlangsamt sich das Verfahren.
Waymos erster Service außerhalb der Vereinigten Staaten wird 2026 in London starten. Das Unternehmen führt seit April Tests in Tokio durch.
Tesla betreibt einen eigenen Fahrdienst mit Sicherheitsfahrern. Dieser Service wurde erst Mitte 2025 auf Austin und die San Francisco Bay Area ausgeweitet. Laut Unternehmen sollen Nevada und Phoenix im nächsten Jahr folgen.
Um für diese Expansion genügend Fahrzeuge zu produzieren, baut Waymo seine Produktionskapazitäten aus. In Zusammenarbeit mit dem Partner Magna verdoppelt das Unternehmen die Produktion in seinem Werk in Arizona. Bis Ende 2026 sollen dort mehr als 2.000 Fahrzeuge vom Band laufen.
Eine neue Partnerschaft mit Zeekr wird dazu beitragen, die nächste Generation von Robotaxis zu entwickeln. Ziel ist es, jährlich Zehntausende autonome Fahrzeuge zu produzieren.
Die Wall-Street-Analysten sind größtenteils zufrieden mit dem, was sie sehen
„Waymo ist bei der Entwicklung vollständig autonomer Fahrten am weitesten fortgeschritten“, schrieb Edison Yu von der Deutschen Bank Anfang Dezember. Er merkte an, dass der Dienst bereits in mehreren Städten vollautonome Fahrten anbietet, bei denen für viele Fahrten kein Sicherheitsfahrer mehr benötigt wird.
Yu wies jedoch auf Bedenken hinsichtlich Waymos Abhängigkeit von teurer Ausrüstung wie Lidar-Sensoren, Radar und Kameras hin. Er sagte, diese hohen Kosten und der Bedarf an detaillierten Karten könnten die Expansion verlangsamen und jedes Fahrzeug verteuern.
Adam Jonas von Morgan Stanley stimmt zu, dass die Technologie gut funktioniert, äußert aber Bedenken hinsichtlich der Kosten im Vergleich zu Tesla. Tesla verwendet ausschließlich Kameras mit computergestützten Lernsystemen, ähnlich wie ein menschlicher Fahrer seine Augen nutzt.
Waymo und seine Unterstützer argumentieren, dass der Einsatz mehrerer Sensoren die Zuverlässigkeit und Sicherheit verbessert.
Die Sicherheitszahlen bestätigen dies. Daten zeigen, dass menschliche Fahrer fünfmal häufiger Unfälle verursachen und Verletzungen zur Folge haben. Die Robotaxis verzeichnen 0,8 Unfälle pro 1 Million Meilen, im Vergleich zu 3,96 bei menschlichen Fahrern.
Laut den Zahlen der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) ereigneten sich bei Tesla sieben Unfälle auf 250.000 Meilen, was etwa 28 Unfällen pro 1 Million Meilen entspricht.
Die Einholung der Genehmigungen der Stadtverwaltungen gestaltet sich für beide Unternehmen weiterhin schwierig. Bundesrichtlinien der NHTSA könnten demnächst in Kraft treten.
Die öffentliche Meinung scheint sich zu öffnen
Ein Stromausfall in San Francisco am 20. Dezember sorgte für peinliche Situationen bei Waymo, da die Fahrzeuge des Unternehmens aufgrund ausgefallener Ampeln auf den Straßen stecken blieben. Waymo versichert, dass ein Software-Update dieses Problem künftig beheben wird.
Dennoch steht die Sicherheit an erster Stelle, und WaymostronSicherheitsbilanz trägt dazu bei, Städte und Fahrgäste davon zu überzeugen, den Service auszuprobieren.
Eine Umfrage vom April 2024 ergab, dass 45 % der Befragten Robotaxis für sicher hielten, während 37 % anderer Meinung waren. In Städten, in denen Waymo bereits aktiv ist, stieg die Zustimmung auf 54 %, während nur 32 % dagegen waren.
Eine Umfrage in San Francisco im Juli ergab, dass mittlerweile 67 % derdentfahrerlose Robotaxis befürworten, im Vergleich zu 44 % im Jahr 2023. Die allgemeine Zustimmung stieg von minus 7 % Ende 2023 auf plus 38 % Mitte 2025.

