Die US-Notenbank Federal Reserve hat das Protokoll ihrer Dezembersitzung veröffentlicht, und die Botschaft war alles andere als erfreulich. Die Inflation steigt weiter, die Fed zeigt sich bei Zinssenkungen nicht gerade großzügig, und Trumps Wirtschaftspolitik sorgt für allgemeine Besorgnis – selbst wenn sein Name nicht in den offiziellen Dokumenten auftaucht.
All das schien die Märkte jedoch nicht sonderlich zu beunruhigen. Aktien und Kryptowährungen bewegten sich weiterhin nach ihren eigenen, unberechenbaren Bahnen. „Fast alle Teilnehmer schätzten die Aufwärtsrisiken für die Inflationsaussichten als gestiegen ein“, hieß es im Protokoll.
Offizielle Stellen verwiesen auf dietronInflationszahlen und die möglichen ripple von Änderungen in der Handels- und Einwanderungspolitik. Daraufhin deuteten sie an, das Tempo der Zinssenkungen zu verlangsamen. Für Händler, die auf eine Entlastung gehofft hatten, war dies ein herber Rückschlag.
Aber kümmerte das die Wall Street? Nicht wirklich. Der S&P 500 stieg um 0,16 %, der Dow Jones legte um 0,25 % zu, und selbst der Nasdaq, der durch schwierige Tage für Giganten wie Palantir und Bitcoin Riesen MicroStrategy belastet wurde, gab nur um 0,06 % nach. Keine großen Einbrüche, keine Panikverkäufe. Die Anleger haben schon Schlimmeres erlebt und reagierten dementsprechend.
Die Wall Street ignoriert die Warnung der Fed
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte im Tagesverlauf schwindelerregende 4,73 % – den höchsten Stand seit April. Normalerweise würde eine solche Zahl den Markt erschüttern, doch die Händler reagierten kaum. Warum? Ganz einfach: Sie hatten den Pessimismus der Fed bereits eingepreist.
Der im Dezember veröffentlichte Zinssatz-Dotplot – der lediglich zwei magere Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte im Jahr 2025 prognostizierte – war der eigentliche Schock. Die gestrigen Nachrichten? Nichts Neues. Christopher Waller, einer der Gouverneure der US-Notenbank, schaltete sich ein, um die Gemüter zu beruhigen.
Aus Paris erklärte er, die jüngsten Inflationsspitzen seien auf „unterstellte“ Preise wie beispielsweise für Wohnkosten zurückzuführen. Die „beobachteten“ Preise, die andere Waren und Dienstleistungen umfassen, zeigten hingegen Anzeichen einer Disinflation. Anders ausgedrückt: Die Lage ist nicht so schlimm, wie sie aussieht. Waller sagte sogar, er würde weitere Zinssenkungen im Jahr 2025 befürworten, sofern sich die Wirtschaftslage weiterhin so gut entwickle.
Während Aktien die Nachrichten gelassen aufnahmen, hatten Kryptowährungen einen schwereren Tag. Bitcoin fiel am Donnerstag auf 92.000 US-Dollar, nachdem er nur wenige Tage zuvor die 102.000-Dollar-Marke erreicht hatte. Dennoch bleiben Krypto-Enthusiasten optimistisch und sind überzeugt, dass bessere Regulierungen in diesem Jahr die Preise ankurbeln und Unternehmen wie Coinbase, MicroStrategy und Robinhood helfen werden.
BitcoinVolatilität ist zwar nichts Neues, doch seine Dynamik lässt sich kaum ignorieren. Er hat in diesem Jahr bereits 3 % zugelegt, nach einem herausragenden Anstieg von 120 % im Jahr 2024.
Die offizielle Stellungnahme der Fed ist verwirrend
In ihrer Erklärung gaben Vertreter der US-Notenbank an, die Wirtschaft wachse „solide“, merkten aber an, dass sich der Arbeitsmarkt abschwäche und die Arbeitslosigkeit leicht gestiegen sei – wenngleich sie insgesamt immer noch niedrig sei. Die Inflation nähere sich zwar dem 2%-Zielwert, bleibe aber hoch, und die Risiken würden weiterhin genau beobachtet.
Die Zentralbank senkte im vergangenen Monat ihren Zielkorridor für den Leitzins um einen Viertelpunkt auf 4,25 % bis 4,5 %. Sie versprach, die eingehenden Daten weiterhin zu prüfen und ihre Politik gegebenenfalls anzupassen, wobei sie ihrem Doppelauftrag – maximale Beschäftigung und Preisstabilität – treu bleiben wolle.
Die Fed kündigte außerdem an, ihre Bestände an US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren weiter zu reduzieren, um ihre Bilanz straff zu halten. Was könnte als Nächstes für Aufregung sorgen? Der US-Arbeitsmarktbericht für Dezember, der am Freitag veröffentlicht wird.

