Nächsten Monat plant Australien, seine Wirtschaftswachstumsprognosen für die meisten globalen Wirtschaftsakteure, darunter auch seinen wichtigsten Handelspartner China . Finanzminister Jim Chalmers hat den Plan nun vorgestellt. Der Grund: Es braut sich etwas zusammen. Laut Chalmers belasten Entwicklungen im Nahen Osten die Weltwirtschaft massiv und verschärfen die Sorgen um anhaltende Inflation und ein stagnierendes Wachstum.
Klartext aus Australien
Chalmers unterhielt sich kürzlich in Washington mit den Größen der globalen Finanzwelt – dort treffen sich die Spitzenvertreter der G20, des IWF und der Weltbank – und man hört, dass alle besorgt über die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft sind. Vor diesem Hintergrund passen die australischen Finanzexperten ihre Prognosen für die Wirtschaftsmächte China, Indien, Japan, Großbritannien und die USA an.
Folgendes ist der Punkt: China soll dieses Jahr und auch in den nächsten Jahren um etwa 4 % wachsen. Klingt gut? Nicht wirklich. Es ist sogar das schlechteste Ergebnis seit Ende der 70er-Jahre, als China begann, sich international zu integrieren. Auch Japan sieht nicht gut aus. Die Wachstumsprognose für 2024 wurde auf magere 0,75 % nach unten korrigiert, nachdem dort Sparmaßnahmen ergriffen wurden, die den Konsum ein ganzes Jahr lang gedämpft haben.
Und es geht nicht nur um die großen wirtschaftlichen Entwicklungen. Auch Australiens unmittelbare Umgebung hat einiges zu bieten. Chalmers erwähnte letzte Woche, dass Australien auf tracsei, im zweiten Jahr in Folge einen Haushaltsüberschuss zu erzielen; die offizielle Bekanntgabe erfolgt in vier Wochen. Das ist in der Tat bemerkenswert, insbesondere angesichts der schwierigen Umstände, mit denen sie zu kämpfen hatten.
Bei den Wirtschaftsprognosen wird es nun konkreter. So soll beispielsweise am Mittwoch der Inflationsbericht zeigen, dass sich der Verbraucherpreisindex dem Zielbereich der australischen Zentralbank von 2-3 % annähert. Das ist entscheidend, denn es bedeutet, dass die Preisentwicklung, die zuletzt stark schwankte, möglicherweise unter Kontrolle gebracht wird.
Wenn die Erde bebt
Nun lasst uns über Eisen und Staub sprechen.
Australische Bergbauaktien laufen nicht gerade rund. Tatsächlich hinken sie ihren internationalen Konkurrenten so stark hinterher wie seit über einem Jahr nicht mehr. Warum? Weil Chinas Erholung uneinheitlich verläuft und die Metallpreise so unberechenbar sind wie ein Känguru im Einkaufszentrum.
Vor zwei Wochen ließ Premierminister Anthony Albanese Klartext reden. Er sieht „strategischen Wettbewerb“ als neue Normalität. Er erklärte der Welt, wie große Volkswirtschaften Billionen in den Ausbau ihrer Industrie investieren und ihre Wirtschaftskraft direkt mit der nationalen Sicherheit verknüpfen. Albaneses Botschaft war eindeutig: Die wirtschaftlichen Veränderungen müssen erkannt werden.
Und falls Sie noch weitere Beweise dafür benötigen, dass die Wirtschaftswelt aus den Fugen gerät, werfen Sie einfach einen Blick auf den Bericht vom März mit dem Titel „Sind wir schon fragmentiert? Messung der geopolitischen Fragmentierung und ihrer Auswirkungen“. Dieser von Experten der University of Pennsylvania, des IWF und der Johns Hopkins University erstellte Bericht hat einen „Index der geopolitischen Fragmentierung“ entwickelt, der verdeutlicht, wie stark die Zersplitterung bereits fortgeschritten ist.
Dieser Index, der Mitte der 90er Jahre rapide abwärts ging, zeichnet ein düsteres Bild einer Welt, in der ein wirtschaftlicher Wohlstand immer mehr der Vergangenheit angehört.
Diese Fragmentierung schreitet ungebremst voran. Vom Brexit über den US-chinesischen Handelskrieg und die COVID-19-Krise bis hin zu Russlands Vorgehen in der Ukraine und den Spannungen zwischen Gaza und Israel – all dies hat die globalen Beziehungen zusätzlich belastet. Dieses Chaos zwingt Regierungen und Unternehmen gleichermaßen, ihre Strategien in einer Welt zu überdenken, in der globale Kooperation immer weniger im Vordergrund steht und der Ausbau globaler Machtstrukturen immer wichtiger wird.
beim IWF herrscht wenig Optimismus. Im vergangenen Dezember wies Gita Gopinath vom IWF darauf hin, dass diese „geoökonomische Fragmentierung“ täglich realer werde. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, warnte sie, könnten wir in eine neue Art von Kaltem Krieg hineinstolpern.
Doch selbst in diesen unsicheren Zeiten gibt es Hoffnung. Der Plan lautet, an den bewährten Strategien festzuhalten, den Handel so reibungslos wie möglich aufrechtzuerhalten und globale Probleme anzugehen, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, was die Sicherheit und das Wohlergehen jedes einzelnen Landes gewährleistet.
Ja, Australien hat durchaus ambitionierte Ziele auf der Weltbühne. Aber hey, es geht letztendlich nur ums Überleben.

