Westafrika leidet derzeit unter einer schweren Wirtschaftskrise, die mit einem starken Anstieg des Hungers unter der Bevölkerung einhergeht. Das Welternährungsprogramm schätzt, dass fast 55 Millionen Menschen in der Region bald Schwierigkeiten haben werden, sich ausreichend zu ernähren. Dies entspricht einem Anstieg von 12 % gegenüber dem Vorjahr und 4 Millionen mehr als in früheren Prognosen angenommen.
Diese Krise wird durch galoppierende Inflation und erhebliche Währungsabwertungen angeheizt.
Handelssanktionen gegen Militärregime verschärfen die Lage zusätzlich und verschlimmern die Nahrungsmittelknappheit, wie eine UN-Organisation kürzlich mitteilte. Ollo Sib, leitender Forscher beim Welternährungsprogramm (WFP), erklärte: „Die wirtschaftliche Situation ist mittlerweile ein Hauptgrund für die Nahrungsmittelkrise, insbesondere in Ländern wie Nigeria, Ghana und Sierra Leone, wo die Inflation besonders stark zuschlägt.“
Steigende Kosten und Wirtschaftspolitik
Die Preise für Grundnahrungsmittelgetreide sind aufgrund des Wertverfalls der lokalen Währungen und der gestiegenen Treibstoff- und Transportkosten auf das Zehnfache ihres Fünfjahresdurchschnitts gestiegen. In diesem Jahr steht die Region vor einem gewaltigen Produktionsdefizit von 12 Millionen Tonnen defi. Die pandemiebedingten Exportbeschränkungen für Lebensmittel haben den Handel zusätzlich beeinträchtigt und die Lebensmittelverfügbarkeit verringert. Sib erklärte: „Der sprunghafte Anstieg der Lebensmittel- und Transportkosten hat langfristige Auswirkungen, da all diese Länder auf Lebensmittelimporte angewiesen sind.“
Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, meldet über 26 Millionen Menschen, die mit Ernährungsunsicherheit zu kämpfen haben – im Vergleich zu 25 Millionen im Vorjahr. Der Osten des Tschad, der normalerweise ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt ist, verzeichnet aufgrund des Zustroms von Flüchtlingen, die vor dem Bürgerkrieg im Sudan fliehen, nun Rekordwerte bei der Ernährungsunsicherheit.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Nigeria dringend aufgefordert, die zunehmende Ernährungsunsicherheit anzugehen, von der fast 10 % der Bevölkerung betroffen sind. Die laufenden Wirtschaftsreformen des Landes, wie die Abschaffung der Treibstoffsubventionen und die Lockerung der Devisenkontrollen – die zwar bei Investoren beliebt sind – haben die Inflation auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren getrieben.
Wirtschaftliche Leistung und Prognosen
Der IWF betont: „Die Bekämpfung der zunehmenden Ernährungsunsicherheit ist jetzt eine zentrale politische Priorität.“ Nigerias jüngster Schritt zur Einführung eines cash für bedürftige Haushalte ist ein wichtiger Meilenstein, dessen Erfolg jedoch von einer effektiven Umsetzung abhängt. Angesichts einer Lebensmittelpreisinflation von 35,4 % kam es in Nigeria, unter anderem in Abuja, zu Protesten und Plünderungen. Über 40 % der Bevölkerung leben in extremer Armut.
Um die Inflation zu bekämpfen und die Währung zu stabilisieren, hat die nigerianische Zentralbank die Zinssätze auf ein Rekordhoch von 22,75 % angehoben. Der Naira hat seit Mitte 2023 rund 70 % seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Weitere Erhöhungen der Kreditkosten werden erwartet.
Die Weltbank hat darauf hingewiesen, dass das schwache Wachstum in Nigeria die wirtschaftlichen Aussichten der gesamten Subregion trüben könnte. Der Bericht der Weltbank prognostiziert für West- und Zentralafrika einen Anstieg der Wirtschaftsaktivität von 3,2 % im Jahr 2023 auf 3,7 % im Jahr 2024 und weiter auf 4,2 % bis 2025/26. Das Wachstum wird jedoch durch Nigerias unterdurchschnittliche Wirtschaftsleistung gebremst. Ohne Nigeria könnte die Subregion im Jahr 2024 um 4,4 % und in den Jahren 2025/26 um 5 % wachsen.
In der Zwischenzeit wird für die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion mit Wachstumsraten von 5,9 % im Jahr 2024 und 6,2 % im Jahr 2025 gerechnet, die durch dietronWirtschaftstätigkeit in Benin, der Elfenbeinküste, Niger und Senegal gestützt werden.
Die Weltbank prognostiziert für Nigeria ein Wirtschaftswachstum von 3,3 % im Jahr 2024 und 3,6 % in den Folgejahren, da die Reformen allmählich Wirkung zeigen. Sie erwartet zudem eine Stabilisierung des Ölsektors mit einer Erholung der Produktion und leicht sinkenden Preisen, was zu einem stabileren makroökonomischen Umfeld und nachhaltigem Wachstum in der übrigen Wirtschaft führen dürfte.

